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Sozial

Einkaufen mit einem guten Gewissen

Im Nürnberger „Rauschgold“ kann man shoppen für einen guten Zweck – ohne dabei auf Stil und günstige Preise verzichten zu müssen.
Von Nikolas Pelke

Inge Sikora ist eine von zwölf ehrenamtlichen Mitarbeitern im „Rauschgold“.
Inge Sikora ist eine von zwölf ehrenamtlichen Mitarbeitern im „Rauschgold“. Foto: Pelke

NÜRNBERG. Eine schicke Bluse für vier Euro. Eine edle Halskette für zwölf Euro. Im „Rauschgold“ braucht man nicht viel Geld, um schöne Sachen kaufen zu können. Mit dem kleinen aber feinen Laden hat sich Simone Alberti einen Traum erfüllt. „Wir verkaufen gebrauchte Sachen für einen guten Zweck“, fasst Alberti die Firmenphilosophie zusammen, während das Glockenspiel über der Tür den nächsten Kunden ankündigt.

Simone Alberti leitet das „Rauschgold“. Foto: Pelke
Simone Alberti leitet das „Rauschgold“. Foto: Pelke

„Ich schaue mich nur um“, sagt die Dame und stöbert durch den schmucken Eckladen, der wie eine geschmackvolle Boutique ausschaut und nicht an eine alte Kleiderkammer erinnert. Bei den Kunden kommt genau das offensichtlich an. „Hier findet man immer schöne Sachen“, sagt die ältere Frau und legt etwas schüchtern einen bunten Seidenschal auf die Theke.

Idee aus Kalifornien mitgebracht

Derweil sortiert Simone Alberti die neue Ware. „Wir haben einen großen Spenderkreis“, freut sich die Gründerin von „Rauschgold“ und legt eine neue Kette in die Glasvitrine mit dem Schmuck zum Schnäppchenpreis. Die Idee für den ungewöhnlichen Laden hat die Nürnbergerin aus Amerika mitgebracht. „Als Studentin habe ich eine Zeit lang in Kalifornien gelebt.“ Dort seien „Charity-Shops“ (Wohltätigkeits-Läden) überall aus dem Boden geschossen, um die verschwenderische Konsumgesellschaft zu bremsen. Die Idee dahinter ist denkbar einfach.

Schmuck gehört auch zum Sortiment im „Rauschgold“. Foto: Pelke
Schmuck gehört auch zum Sortiment im „Rauschgold“. Foto: Pelke

Leute bringen gute Sachen, die sie nicht mehr brauchen, in den Charity-Laden. Andere bezahlen dafür einen kleinen Preis. Der Erlös aus dem Verkauf kommt einer sozialen Einrichtung zugute. So soll shoppen gehen sozialen Sinn machen. „Unser Erlös geht an die Hängematte. Das ist eine Notschlafstelle für obdachlose suchtkranke Erwachsene in Nürnberg“, erklärt Alberti. Mit dem zusätzlichen Geld aus dem „Rauschgold“ kann sich der mildtätige Verein hin und wieder etwas besonderes leisten. Einen Ausflug ins Kino zum Beispiel. „Das ist einfach ein schöner Kreislauf“, findet Alberti, die mit Mode ursprünglich nichts am Hut hatte. „Ich bin eigentlich Sozial-Pädagogin und habe früher bei der Hängematte als Geschäftsführerin gearbeitet“, erzählt Alberti.

Ein Interview mit Simone Alberti beinhaltet das Video:

Für die dortige Kleiderkammer hätte man immer Spenden bekommen, erinnert sie sich. Irgendwann sei das ausgeufert. Plötzlich hätten Leute auch Ballkleider oder Abendroben vorbeigebracht, die für die hilfsbedürftigen Menschen wenig nützlich gewesen seien. „Ich habe die Klamotten dann immer selbst weiter gespendet und mir dabei gedacht: Mensch, jetzt hätten wir schon die Ausstattung zu einem schönen, kleinen Laden“, erinnert sich die „Rauschgold“-Initiatorin an die Geburtsstunde des gemeinnützigen Secondhandladens zurück, der etwas versteckt im Stadtteil Rennweg in der Martin-Richter-Straße liegt.

„First Lady“ ist Schirmherrin

Mittlerweile habe sich die Idee bewährt. Der Erlös aus dem Laden spüle inzwischen die meisten Eigenmittel in den Hilfsverein. Zwölf ehrenamtliche Mitarbeiterinnen kümmern sich inzwischen darum, dass der Eckladen läuft. Täglich ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sogar am Samstag bimmelt die Ladentür im „Rauschgold“ scheinbar pausenlos.

Mittlerweile haben immer mehr Modefreaks das ausgefallene Warenangebot abseits der hektischen Innenstadt an der Ecke Feuerbach-/Richterstraße entdeckt. Als Schirmherrin konnte Simone Alberti mit Petra Maly sogar die „First Lady“ aus der Frankenmetropole für das „Rauschgold“ gewinnen.

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