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Montag, 18. Juni 2018 25° 6

Investition

Eintritt im Nürnberger Zoo wird teurer

Mit neuen Attraktionen und größeren Gehegen will der Tiergarten attraktiv bleiben und Kritik im Vorfeld entkräften.
Von Nürnberg-Korrespondent Niklas Pelke

  • Der Zoo soll attraktiver werden und auch am Tierwohl soll gearbeitet werden. Fotos: Pelke
  • Auch das Angebot soll verbessert werden.
  • Finanziert wird der Tiergarten von der Stadt Nürnberg,

NÜRNBERG.Höhere Eintrittspreise im Tiergarten Nürnberg: Für mehr Artenschutz, neue Attraktionen und zusätzliche Mitarbeiter fordert der städtische Tiergarten deutlich mehr Geld. Eine satte Erhöhung der Eintrittspreise soll die finanziellen Mittel liefern, um den Zoo fit für die Zukunft zu machen. Am Freitag will Bürgermeister Christian Vogel (SPD) gemeinsam mit Tiergarten-Direktor Dag Encke die Pläne dem Kulturausschuss des Stadtrates vor Ort im Naturkundehaus vorstellen.

Ohne Moos nichts los. Diese Motto trifft offensichtlich auch auf den Tiergarten zu. Dieser hat laut einer aktuellen Studie aus der Feder des Zoo-Direktors mit zwei Hauptproblemen zu kämpfen. Erstens: das Alter. Der Nürnberger Zoo stammt aus dem Jahr 1939. Die Anlagen und Gehege sind nicht mehr zeitgemäß. Zweitens: die Akzeptanz. Immer mehr Menschen lehnen die Haltung von Wildtieren in Gefangenschaft ab. Dadurch könnten langfristig die Besucherzahlen zurückgehen.

Maßnahmebündel gefordert

Um diesem Doppelproblem zu begegnen, fordert Tiergarten-Direktor Dag Encke in seinem „Struktur- und Entwicklungskonzept“ ein ganzes Maßnahmenbündel. Die spektakulärste Veränderung ist ein Baumwipfelpfad, der abenteuerliche Rundgänge in schwindelerregender Höhe über das Affen- und Wolfsgehege erlauben soll. Apropos Gehege: Die tierischen Behausungen sollen „tierschutzkonforme“ Ausmaße erhalten und wie bei den Gorillas oder Nashörnern erweitert werden.

Mehr Geld fordert Encke auch für Forschung und Bildung. Dafür brauche es laut Encke dringend neues Personal. Der Tiergarten-Direktor fordert in seinem Strategiepapier weitere 26 Vollzeit-Stellen. Allein die Aufstockung der Mitarbeiter würde die Stadt rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich kosten, rechnet Encke vor. Mit diesem Paket an Maßnahmen will Encke aus dem Nürnberger Tiergarten den „führenden und modernsten Zoos Europas“ machen. Die neuen Gehege sollen Maßstäbe setzen. Die alten Anlagen sollen in einen akzeptablen Zustand versetzt werden, der „mindestens heutigen Grundstandards“ entsprechen soll. Damit soll den teilweise im lautstärker auftretenden Zoo-Kritikern der Wind aus den Segeln genommen werden. Klein beigeben will Encke dieser Protestbewegung nicht. In seinem Strategiepapier liest der Tiergarten-Direktor den Zoo-Kritikern zumindest schriftlich gehörig die Leviten. Encke mokiert sich beispielsweise darüber, dass Tierschützer mit größerer Vehemenz die Zoologischen Gärten kritisieren, als den Verlust von ganzen Tierarten außerhalb des eigenen Wahrnehmungsbereichs zu beklagen.

Auch zum Thema Delphinarium hat Encke eine Antwort parat. Seiner Meinung nach müsse zukünftig sichergestellt werden, dass die „richtigen Delphine“ (sprich die vom Aussterben bedrohten Arten) im Tiergarten gehalten werden.

Das Geld für die Steigerung der Attraktivität und Akzeptanz des Tiergartens will sich der Zoo-Direktor größtenteils über die Eintrittspreise von seinen Besuchern zurückholen. So soll die Tageskarte für Erwachsene beispielsweise zukünftig 16 statt 13,50 Euro kosten. Encke geht davon aus, dass die Besucher die höheren Preise akzeptieren werden. „Die Besucherzahlen werden auch bei erhöhten Eintrittsgebühren im Mittel immer bei einer Million pro Jahr bleiben“, schreibt Encke in seinem durchaus brisanten Strategiepapier.

Kein Gegenwind erwartet

Gegenwind im Stadtrat dürfte Encke für seine ehrgeizigen Modernisierungspläne inklusive Preiserhöhung nicht bekommen. Die in dieser Frage maßgeblichen CSU-Stadträte Kerstin Böhm und Otto Heimbucher vom kleinen Groko-Partner im rot regierten Rathaus unterstützen die Pläne. „Mir ist das Tierwohl wichtig. Der Anstieg der Eintrittspreise ist gerechtfertigt“, erklärte Heimbucher auf Anfrage des Tagblatts am Dienstag. CSU-Stadträtin Kerstin Böhm verweist auf neue gesetzliche Vorgaben zum Tierschutz und zur Erhaltung der Biodiversität, die mit finanziellen Ausgabenerhöhungen verbunden seien. Außerdem habe die Stadt Nürnberg die Eintrittspreise schon seit sieben Jahren nicht mehr angehoben. „Um eine Erhöhung kommen wir leider daher nicht herum“, sagt Böhm, die als Mitglied des Kulturausschusses am Freitag bei der Vorstellung der Pläne im Tiergarten dabei sein wird. Ein Problem sieht Böhm trotz aller Zustimmung allerdings auf die Stadt zukommen. Insbesondere die geforderte Aufstockung der Mitarbeiterzahl könnte scheitern, da die Stadt einer Haushaltsdeckelung zur Schaffung neuer Stellen unterliege.


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