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Bildung

Erlangens „Chemikum“ hat viel Verspätung

Das neue Chemie-Gebäude sollte längst fertig sein. Doch die Probleme an der Lüftung im „Chemikum“ torpedierten dieses Ziel.
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Nikolas Pelke

Das neue Gebäude wartet auf Forscher in den brandneuen Laboren. Wenigstens könnten die Hörsäle schon bald bezogen werden.
Das neue Gebäude wartet auf Forscher in den brandneuen Laboren. Wenigstens könnten die Hörsäle schon bald bezogen werden.Foto: Pelke

Erlangen. Alles ist still. Auf den Fluren fehlen die Studenten. In den Laboren forschen keine Professoren. Dabei ist das „Chemikum“ eigentlich fertig. Schon im Jahr 2013 sollte der Uni-Betrieb losgehen. Doch tief im Inneren krankt das Gebäude. Die Lüftungsanlage ist nicht in der Lage, giftige Dämpfe aus den Laboren vollständig abzusaugen. Seitdem wird auf verschiedenen Bühnen gestritten, wer die Schuld trägt an dem teuren Schlamassel.

Die Kosten sind von den ursprünglich veranschlagten 80 Millionen auf rund 91,5 Millionen Euro geklettert. Bereits während der Bauphase kam es zu kostspieligen Verzögerungen und insolvenzbedingten Störungen des Bauablaufs. In einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage der hochschulpolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, Verena Osgyan, sagte die Staatsregierung hierzu: „Aufgrund der Insolvenz des Fachplaners der technischen Gebäudeausrüstung, der für die rund 10 000 Quadratmeter hoch technisierter Nutzfläche eine Schlüsselrolle innerhalb der Planungs- und Ausführungsprozesse innehat, kam es zu einem deutlichen zeitlichen Verzug und zur Unterbrechung der Planungskontinuität.“

In der Folge seien „erhebliche kostenrelevante Terminverzögerungen von bis zu 15 Monaten“ entstanden. Von den genehmigten 91,5 Millionen Euro waren bis zum Sommer vergangenen Jahres bereits 87 Millionen Euro laut Auskunft von Staatssekretär Gerhard Eck (CSU) ausgegeben worden.

Damit ist ein Ende der „Kostenexplosion“ noch nicht erreicht. Das Staatliche Bauamt Erlangen-Nürnberg wird den Haushaltsausschuss des Landtages im April um noch mehr Geld bitten, damit die Fehler in der Lüftungsanlage behoben werden können. Die Höhe der Summe will Dieter Maußner, der Leiter des Bauamtes, noch nicht preisgeben.

Gleichzeitig wird es immer wahrscheinlicher, dass der Freistaat gegen den oder die Verursacher des Planungsfehlers vor Gericht zieht. Bau- und Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verweist schon seit geraumer Zeit auf „schwere Planungsfehler“ des für die Lüftungsanlage zuständigen Planungsbüros.

Wenn alles gut geht, soll das Chemikum ab dem Wintersemester 2017/2018 in den Vollbetrieb gehen. Dieter Maußner vom Bauamt bedauert die Verzögerungen. Leider habe man den Fehler in der komplexen Lüftungsanlage erst peu-à-peu feststellen können. Gleichzeitig betont Maußner, dass die Sicherheit der Studierenden vor Schnelligkeit geht. Schließlich würden die angehenden Chemiker in den Laboren mit teilweise gefährlichen Stoffen hantieren. Damit das Chemikum nicht noch länger im Dornröschenschlaf schlummern muss, soll die Friedrich-Alexander-Universität (FAU) zumindest die Büros und Hörsäle des Chemie-Gebäudes ab diesem Frühjahr zum Start des Sommersemesters nutzen können.

Die Uni kann den Einzugstermin derweil kaum erwarten. „Wir sind sehr froh, dass es jetzt einen gangbaren Weg gibt“, sagt FAU-Sprecherin Susanne Langer. Während die Lüftungsanlagen repariert werden, wolle man zum Auftakt des Sommersemesters mit dem Teilbezug beginnen. Freilich könnte die Uni schon jetzt dringend die neuen Labore gebrauchen, gibt Langer unumwunden zu.

Derzeit würden die Chemie-Studenten im Schichtbetrieb in den alten Laboratorien ausgebildet, damit sich das Studium nicht verzögert. Keine optimale Situation für den Forschungsstandort. Rund 1000 Studenten aus diversen Studiengängen seien von den schwierigen Umständen betroffen.

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