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Es rockt jetzt abends im Garten

Wer keine Lust mehr auf Computer & Co. hat, kann sich in Fürth Band, Klassik-Ensemble oder eine Feuershow nach Hause holen.
Von Nikolas Pelke

Unter dem Motto „Kultur vor dem Fenster“ liefern Künstler wie die Band „The Rockin’ Lafayettes“ ihre Shows ab sofort direkt zur Kundschaft und spielen in Gärten oder vor Balkonen. Foto: Gabi Küfner
Unter dem Motto „Kultur vor dem Fenster“ liefern Künstler wie die Band „The Rockin’ Lafayettes“ ihre Shows ab sofort direkt zur Kundschaft und spielen in Gärten oder vor Balkonen. Foto: Gabi Küfner

Fürth. „Un poco loco“ lautet das Motto von Marc Vogel, zu Deutsch: „Ein bisschen verrückt.“ Das ist der Fürther Feuerkünstler vielleicht schon. Allerdings auf eine positive Weise. Durch die Corona-Krise ist Vogel auf die einfache aber geniale Idee gekommen, die im virusbedingten „Lockdown“ eingeschlossenen Menschen mit spektakulären Kultur-Shows zu versorgen. Über die Homepage „Kultur vor dem Fenster können die Fürther viele Künstler direkt vor ihre Haustür oder den Balkon holen.

„Die Leute sind von der Idee völlig begeistert“, freut sich Vogel. Bewohner von Mehrfamilienhäusern würden Geld sammeln, um gemeinsam Musikabende in Hinterhöfen organisieren und von Balkonen und Fenstern verfolgen zu können. „Die Akustik in Hinterhöfen ist wirklich genial“, sagt Vogel und schwärmt von angeblich heute schon legendären Corona-Hinterhof-Konzerten von Bands wie den „Rockin‘ Lafayettes“. Sogar seriöse Klassik-Ensembles wie das „Elisen-Quartett“ oder bekannte Comedy-Größen wie Lizzy Aumeier seien über das Portal buchbar. Auch absolute Kultfiguren wie der fränkisch-finnische Songwriter „Mäkkelä“ bieten Fenster-Shows über das neue Kultur-Portal an.

Keine Probleme mit der Polizei

Natürlich steht auch Marc Vogel selbst mit seiner Feuershow zur Verfügung. „Egal ob Rock-Show oder Balkan-Party – Feuer gibt es bei meinen Auftritten immer reichlich“, freut sich der Fürther Feuerkünstler und erklärt, dass Kulturfreunde keine Angst vor der Polizei haben müssen: „Wir haben eine Genehmigung vom Ordnungsamt.“ Selbstverständlich informiere Vogel die Polizei auch, bevor er nach Einbruch der Dunkelheit mit seinem Feuerspektakel auf Garageneinfahrten und in Hinterhöfen loslegt.

Kostenlos sind die Künstler allerdings nicht zu haben: „Meine Feuershow kostet zum Beispiel rund 250 Euro.“ Die Gagen würden je nach Bandstärke und Bekanntheitsgrad stark variieren. Viele Nachbar-Gemeinschaften würden für einen privaten Kulturabend vor der Haustür das Geld für die nötige Künstlergage zusammenlegen. Fans mit größerem Geldbeutel hätten in Fürth auch schon ganze Shows für die komplette Nachbarschaft spendiert.

Dabei gehe es Vogel nicht nur darum, Künstlern in Corona-Zeiten neue Auftrittsmöglichkeiten und damit Einnahmequellen zu ermöglichen. „Den Leuten wieder Lebensfreude zu geben, das ist mir fast wichtiger als das Geld“, sagt Vogel und schwärmt von den positiven Reaktionen des Publikums. „Die Menschen sind total dankbar, dass sie einen Abend mal nicht in den Bildschirm glotzen müssen.“ Mit der „Kultur vor dem Fenster“ will Vogel das Publikum davor bewahren, in den eigenen vier Wänden Trübsal zu blasen.

Aktion soll ausgeweitet werden

„Das Feedback für uns Künstler ist derzeit wirklich der Hammer“, sagt er und kündigt an, mit seiner Aktion in ganz Bayern expandieren zu wollen. Derzeit würden Gespräche mit Erlangen und Nürnberg laufen: Es gehe darum, ob die Kommunen jeweils gegen einen kleinen Obolus die Kultur-Plattform in ihrer Stadt unterstützen wollen, damit mehr Menschen „Kultur vor dem Fenster“ buchen können.

Neben Fürth hat kürzlich Landshut, als zweite Stadt im Freistaat, ihre Genehmigung für die Idee der Fenster-Kultur erteilt. Vogel träumt davon, mit seiner neuen Idee auch nach der Corona-Krise weiterhin erfolgreich zu sein. Schließlich würde es allein aus Gründen der Nachhaltigkeit Sinn machen, Künstler aus der eigenen Stadt für einen Gig vor dem eigenen Fenster zu engagieren.

Fenster-Kultur

  • Gründer

    : Marc Vogel aus Fürth tritt seit 20 Jahren als Feuerkünstler auf. Vogel veranstaltet auch den Mittelaltermarkt in seiner Heimatstadt.

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