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Engagement

Gärtnern – auch ohne eigenen Garten

Susanne Wiebell pflegt die Hesperidengärten in Nürnberg – freiwillig und unentgeltlich. Für sie ist das „pure Entspannung“.
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Nikolas Pelke

  • Susanne Wiebell greift gerne freiwillig zu Gartenschlauch und Werkzeug – denn zu Hause hat sie keinen Garten. Foto: Pelke
  • Ein Platz an der Sonne: die Hesperidengärten in St. JohannisFoto: Pelke

Nürnberg.Eine Guerilla-Gärtnerin ist Susanne Wiebell nicht. „Ich bin ganz offiziell hier“, sagt sie stolz und widmet sich wieder ihrer Leidenschaft. Während andere Bürger durch den Park spazieren, hegt und pflegt die Nürnbergerin nach Feierabend einen Teil der städtischen Beete im Hesperidengarten im Stadtteil St. Johannis.

Weil die Stadt mit der Pflege der Kräuterbeete nicht mehr hinterherkommen sei, hätte der Bürgerverein den Bund Naturschutz vor drei Jahren um Hilfe gebeten. Von der Idee, zur bürgerlichen Harke und ehrenamtlichen Schaufel zu greifen, sei sie sofort begeistert gewesen.

„Die Pflege kostet viel Geld“

„Man darf sich nicht nur immer beschweren und sagen, die Stadt tut nichts“, findet Wiebell. Als Bürger müsse man sich auch mal überlegen, was die Pflege der Gartenanlagen für die Stadt koste. „Jeder weiß doch, wie viel Arbeit schon der kleine Garten daheim macht. Die Pflege der großen, städtischen Gärten kostet immens viel Zeit, Personal und Geld“, erklärt die engagierte Bürgerin, die zum Wohle der Allgemeinheit in den Hesperidengarten geht.

Spaß mache ihr die Arbeit in den Beeten freilich, sagt sie und lacht beim Gießen der Salbeipflanzen mit der Sonne um die Wette. „Für mich ist die Arbeit im Garten pure Entspannung und Vergnügen. Für mich ist das nach dem Job ein wunderbarer Ausgleich.“ Manchmal komme sie einfach nur zum Gießen vorbei. „So ein Garten hat etwas Meditatives.“ Und wenn er schön gepflegt sei, setze sie sich auch gerne einfach zum Entspannen auf eine Parkbank und lasse die Seele baumeln.

Einen eigenen Garten habe sie nicht, sagt sie. Sonst hätte sie ja keine Zeit für den Hesperidengarten. Genau an dieser Stelle setzt Otto Heimbucher vom Bund Naturschutz an, der für die CSU im Nürnberger Stadtrat sitzt. „Viele Leute, die in der Stadt wohnen und keinen eigenen Garten haben, freuen sich über die Möglichkeit, in den städtischen Gärten mithelfen zu können.“

Heimbucher ist nach eigener Auskunft jeden Freitag im Heilkräutergarten beim Neutor „bei der Arbeit“ als Bürger-Gärtner anzutreffen. Der Bund Naturschutz fungiert als Vermittler zwischen den ehrenamtlichen Gärtnern und und den städtischen Grünpflegern vom Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR).

Ein eigener Schuppen für die Helfer

„Ich lebe gerne in der Stadt. Ich genieße die Vorzüge des Stadtlebens. Da kann ich doch der Stadt auch etwas zurückgeben“, sagt Susanne Wiebell und erzählt, dass sie mit den Naturschützern offiziell nichts am Hut habe. Die Zusammenarbeit mit SÖR laufe sehr gut. „Wir haben bei Problemen immer einen Ansprechpartner. Für unsere Gartenutensilien haben wir einen kleinen Gartenschuppen zur Verfügung gestellt bekommen, den wir auch absperren können.“

Dadurch müssten die freiwilligen Stadtgärtner die Geräte nicht immer wieder von Zuhause in den Garten schleppen. Das erleichtere die Arbeit ungemein.

Die Stadt freut sich über die freiwillige Hilfe der Bürger. Angefangen hat das bürgerliche Engagement im Blumenbeet in den 80er Jahren. Damals hat die Stadt zum ersten Mal die „Baumpatenschaften“ vergeben. Mittlerweile gibt es in der Frankenmetropole mehr als 900 Bürger, die sich um Bäume vor der eigenen Haustür kümmern. Seit dem Ende der Nullerjahre wollten immer mehr Bürger bei der Pflege des Stadtgrüns mithelfen, sagt SÖR-Sprecherin Ulrike Goeken-Haidl. Heute seien zusätzlich noch 100 Pflanzbeet- und 21 Grünanlagen-Paten in der Stadt aktiv.

Wer sich für einen Baum, ein Beet, eine Grünanlage, eine Bank oder einen Spielplatz engagieren möchte, findet Unterstützung am SÖR-Servicetelefon unter der Telefonnummer (09 11) 2 31 76 37, die Interessierte „passgenau weitervermitteln“, erklärt Goeken-Haidl. Selbstverständlich könnten sich Bürger mit grünem Daumen auch beim Bund Naturschutz melden, der derzeit drei Gärten in der Stadt betreut.

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