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Verkehr

Grüne wollen Park ohne Autos in Nürnberg

Auf dem Bielingplatz gibt es noch Parkgelegenheiten. Weil viele Neubauten entstehen, könnten die Stellflächen verschwinden.
von Nikolas Pelke

Bielingplatz: Die Parkplätze auf dem Platz sollen nicht nur nach den Vorstellungen der Grünen bald komplett verschwinden.  Foto: Pelke
Bielingplatz: Die Parkplätze auf dem Platz sollen nicht nur nach den Vorstellungen der Grünen bald komplett verschwinden. Foto: Pelke

Nürnberg.Weniger Autos, mehr Grün: Am Bielingplatz im Nürnberger Stadtteil St. Johannis zeigt sich, wie sich die wachsende Stadt zukünftig urbane Plätze vorstellen könnte. Nicht Fisch, nicht Fleisch: Für Andrea Bielmeier, Stadträtin der Grünen, muss sich der Bielingplatz radikal ändern. „Die Autos müssen einfach weg“, sagt Bielmeier und spricht von einem Platz, auf dem das Auto derzeit leider noch das Sagen habe. Für die grüne Stadträtin sind „autodominierte Plätze“ in der wachsenden Großstadt nicht mehr zeitgemäß. „Hier ist eine U-Bahn-Station, dort eine Tram-Haltestelle: Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist hier wirklich ideal.“

Andrea Bielmeier fordert, dass alle Parkplätze „wegkommen“ auf dem Bielingplatz. Die grüne Stadträtin würde sich stattdessen einen Park anstelle des Platzes wünschen. Auch weil rund um den Bielingplatz kräftig gebaut wird. Auf der einen Seite entsteht ein fünfstöckiges Mehrgenerationen-Haus. Unter der sprechenden Überschrift „Wahlverwandtschaften“ entstehen über 30 Wohnungen inklusive Kindertagesstätte im Erdgeschoss und Gemeinschaftsraum mit Terrasse für die generationenübergreifenden Bewohner auf dem Dach. Gleich nebenan hat die Firma Grasruck, ein Bauprojektträger aus Neumarkt, 125 Wohnungen neu errichtet. Auf diese Nachverdichtung verweist auch Grünen-Stadträtin Andrea Bielmeier, um ihre autofreie Runderneuerung des Bielingplatzes mit Argumenten zu unterstützen.

Nicht besonders nachhaltig

Besonders nachhaltig sind die grünen Vorschläge allerdings nicht. Denn der Bielingplatz ist kürzlich bereits einmal umgestaltet worden. Die letzte Frischzellenkur für den kleinen Platz zwischen Nordklinikum und Peter-Vischer-Schule ist erst rund zwei Jahre her. Im Rahmen der Verlängerung der U-Bahn-Linie 3 zum Nordring ist der Bielingplatz schon einmal etwas aufgehübscht worden. Damals ist bereits die Anzahl der Parkplätze reduziert worden. Eine Kiesfläche zum Boulespielen ist entstanden und ein wetterfester Schachtisch mit festgeschraubten Stühlchen aufgestellt worden. Bereits bei dieser Maßnahme haben die Grünen ihre Finger im Spiel gehabt und die erste Umgestaltung des Bielingplatzes in einem gemeinsamen Antrag mit SPD, ÖDP, Piraten, Linken und FDP vorangetrieben. Mit dem Resultat sind die Grünen heute trotzdem nicht zufrieden. Das Ergebnis der Umgestaltung sei laut Grünen-Stadträtin Andrea Bielmeier „nicht sehr zufriedenstellend“. Weiterhin stünden Autos im Mittelpunkt. Der Platz lade deshalb kaum zum Verweilen ein. Die neue Möblierung unterstreiche diesen „ungemütlichen Eindruck“ für Bielmeier nur noch zusätzlich. Nun sehen die Grünen eine neue Chance gekommen, den Platz nach ihren Vorstellungen in eine Grünfläche ohne Autostellflächen umzugestalten. Die Stadt denkt laut darüber nach, an der Westseite des Bielingplatzes einen neuen Kindergarten zu bauen. Dadurch böte sich laut der Grünen-Stadträtin eine neue Gelegenheit, für eine durchgängige Neugestaltung des Platzes als Park zu werben.

Bemerkenswert ist, dass sich gegen die autofeindlichen Pläne kein Widerspruch zu rühren scheint. „Die aktuelle Stellplatztasche im Bielingplatz ist mit der Betriebsaufnahme der U-Bahn obsolet geworden“, ist sich auch der städtische Planungs- und Baureferent Daniel F. Ulrich sicher. Nach dem Motto: Wo eine U-Bahn in der Nähe ist, braucht es keine Parkplätze mehr.

Unmut der Bürger erwartet

Nur vom Vorsitzenden des Bürgervereins in St. Johannis, Sven Heublein, kommt Kritik. „Nicht verschweigen“ dürfe man laut Heublein die Tatsache, dass die wegfallenden Parkplätze für Unmut bei den Anwohnern sorgen werden. Die rund um den Bielingplatz lebenden Bürger würden sich zurecht fragen, wo sie ihr Auto lassen könnten. Trotzdem plädiert auch Heublein für einen neuen Bielingplatz ohne Parkplätze. Nur auf diesem Weg könne der Platz noch ein gelungenes Beispiel für die Nachverdichtung in Nürnberg werden. Denn was die Bürger noch weniger akzeptieren würden, wären immer mehr neue Nachbarn und ein Bielingplatz, der so trist bleibt, wie er ist.

Kurz & knapp

Kosmetik Bereits im Jahr 2017 wurde der Bielingplatz für rund 150 000 Euro verändert. Von ehemals 58 Parkplätzen sind 49 Stellflächen erhalten geblieben.

Umbau Nun sollen alle knapp 40 Stellflächen im Zentrum des Platzes verschwinden. Über die geplanten Kosten kann Baureferent Daniel F. Ulrich noch nichts sagen. „Wir stehen aktuell ganz am Anfang des Prozesses“, sagte Ulrich.

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