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Tiere

Hinter den Kulissen des Tiergartens

Kleine und große Besucher entdeckten beim Frühlingsfest im Nürnberger Zoo, wo Nashörner baden und Eisbären schlafen.
Von unserem Nürnberg-

Perspektivwechsel im Tiergarten Nürnberg: Eine Tierpflegerin versucht im Bionicum, den Sandfisch zu erhaschen.
Perspektivwechsel im Tiergarten Nürnberg: Eine Tierpflegerin versucht im Bionicum, den Sandfisch zu erhaschen. Foto: Tjiang

Nürnberg.Die zehnjährige Hannah kommt ihrem Vater aus dem Stall der Dickhäuter entgegengelaufen: „Das ist cool“, ruft sie. „Es gibt ein Schwimmbad.“ Bei wechselhaftem Aprilwetter hatte gestern der Tiergarten Nürnberg zum Frühlingsfest eingeladen. Unter der Überschrift „Perspektivwechsel“ waren ausnahmsweise die Ställe von Nashorn, Eisbär, Schneeleopard und einigen anderen geöffnet. „Wir wollen den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen“, sagte Zoopädagoge Christian Dienemann.

Hannah macht mit ihrem kleinen Bruder Maximilian einen Rundgang durch die gute Stube des Nashorns. Entlang an den dicken Gittern, durch die das Nashorn sonst auf die Besucher blickt. Weiter geht es in den hinteren Bereich zum Nashorn-Swimmingpool. „Es riecht anders“, stellt sie fest und überlegt: „So wie auf dem Reiterhof“, sagt sie dann. Sie ist zwar mit ihrer Familie öfters im Tiergarten, aber in den Ställen ist sie „zum ersten Mal“. Und weiter geht’s zur nächsten Station, den Eisbären.

„Hier stinkt’s, aber hier schlafen die Eisbären“, erklärt eine Mutter im Eisbärstall ihrer Tochter Johanna. Sie findet es „trostlos“, nackter Beton, schwere Eisentüren und stabile Gitter auch an den Dachfenstern. Eine andere Mutter erklärt ihrem Nachwuchs: „Hier machen die Eisbären Heia“ und findet es ebenfalls ungemütlich: „Da gehört doch Stroh rein.“ Ein anderer Vater mischt sich ein: „Den blanken Boden sind Eisbären in der Natur aus den Höhlen gewohnt.“

Einkauf im Großmarkt

Hinter einem Gitter-Fenster ist die Tagesration Essen aufgebaut: Es gibt ein ordentliches Stück Rindfleisch, vielleicht so 15 Kilo. Dazu ein paar Küken, aber auch eine Steige Gemüse, wie Aubergine, Paprika, Gurken und Sellerie. Im Sommer, erklärt Lara Hermann, die gerade ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Tiergarten absolviert, „gibt’s das Ganze als Eisbombe“. Dann wird das Gemüse in Wasser eingefroren.

Auch wenn manches nicht so spektakulär ist, die Ställe von den Schneeleoparden oder den Wisents sind ebenfalls blank, Zoopädagoge Dienemann will den Besuchern vor allem zeigen, „wie ein Zoo hinter den Kulissen funktioniert“. Deshalb durften gestern auch die Schafe gefüttert werden, „das ist wichtig für Stadtkinder“. Die kennen Schafe häufig nur als Kuscheltier oder als Zeichentrickfigur. Hier merken sie: „Schafe haben ein fettiges Fell und riechen speziell.“

Dienemann selbst übernimmt gern die Führung durch den Betriebshof, lässt einen Blick in die Kühlkammer werfen, wo Karotten, Kartoffeln und Äpfel kistenweise gestapelt sind. „Das wird alles am Großmarkt oder direkt vom Bauern gekauft.“ Ausrangiertes Gemüse nimmt der Tiergarten lieber nicht. Für das händische Aussortieren verfaulter Ware müsste ein Mitarbeiter angestellt werden, da ist der Einkauf im Großmarkt günstiger. In der Tiefkühlkammer daneben finden sich bei minus 15 Grad Rinderhälften, Hühner, Küken und vieles mehr.

Besucher können aber auch einen Blick in den Fleischzerlegeraum mit seiner mannsgroßen Knochensäge werfen. Teils werden hier selbst erlegte Tiere aus dem Zoo zu Futter für andere Tiere verarbeitet. „Kinder haben damit kein Problem“, weiß er aus vielen Führungen, es sind eher die „Betreuer, Lehrer oder Eltern“. Der Zoopädagoge versucht deutlich zu erklären, wo Fleisch für den Verzehr herkommt: „Dafür ist ein Tier getötet worden.“ Das vermeintlich schwächere Wort „gestorben“ benutzt er nicht.

Der Realität ins Auge blicken

Der Biologe will nicht schockieren, aber den Ernährungsprozess von Tieren aber auch Menschen nicht schönreden. Im Betriebshof werden auch Hühnereier ausgebrütet, Mehlwürmer gezüchtet sowie Mäuse, Ratten aber auch südamerikanische Meerschweinchen zum späteren Verfüttern gezüchtet. Gemäß des Tierschutzgesetzes dienen sie aber nicht als Lebendfutter.

Noch eine andere Station liegt Dienemann im Tiergarten Nürnberg am Herzen, der Infostand zu Plastikmüll. Dort wird beispielsweise über die Gefahren von Plastikmüll in den Weltmeeren informiert. Das ist deshalb wichtig, weil etwa Delfine oder Meeresschildkröten häufig Plastikabfall im Wasser mit einer Qualle verwechseln und auffressen. Aber auch die winzigen Plastikteile, die Mikroplastik oder Nanoteilchen, die in Duschgels, Zahnpasta oder Peelings vorkommen, sind ein Problem: Im Meereswasser werden sie z.B.. über die Kiemen aufgenommen, mit denen die Fische eigentlich nährstoffreichen Plankton aus dem Wasser herausfiltern wollen.

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Der Zoo in Zahlen

  • Besucher:

    1,12 Millionen Besucher wurden im vergangenen Jahr gezählt, 56 000 von ihnen besuchten auch das vor zwei Jahren eröffnete Bionicum.

  • Tiere:

    3295 Tiere aus 292 verschiedenen Arten wurden zuletzt gezählt, darunter 215 Arten von Wirbeltieren mit mehr als 2100 Individuen.

  • Führungen:

    72 Führungen mit 250 Teilnehmern: Gemessen an den Führungen zum Lieblingstier nimmt der Pinguin eine unangefochtene Spitzenstellung ein. 5000 Besucher nahmen im zuletzt erfassten Jahr an speziellen Angeboten, wie zum Beispiel Morgen- oder Abendführungen teil. (ntt)

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