MyMz
Anzeige

Wirtschaft

IHK warnt vor Sinkflug

Das Herbstgutachten zeigt Zurückhaltung bei den Unternehmen. Oft ist dabei von Unsicherheiten die Rede.
von Nikolas Pelke

Dirk von Vopelius macht den zunehmenden Protektionismus für die aktuellen Probleme in der fränkischen Wirtschaft verantwortlich.  Foto: Nikolas Pelke
Dirk von Vopelius macht den zunehmenden Protektionismus für die aktuellen Probleme in der fränkischen Wirtschaft verantwortlich. Foto: Nikolas Pelke

Nürnberg.Nach dem Höhenflug befindet sich die Wirtschaft in Mittelfranken auf dem Sinkflug – das war die Botschaft, als die IHK Nürnberg für Mittelfranken ihre Konjunkturuntersuchungen vorstellte. „Der zunehmende Protektionismus auf den Weltmärkten und die Unsicherheit über den Brexit machen die Unternehmer skeptisch, ob die Rückkehr zum höheren Wachstumstempo schnell zu schaffen ist“, sagte IHK-Präsident Dirk von Vopelius.

Besonders bei der exportorientierten Industrie würden die Turbulenzen auf den Weltmärkten für „spürbaren Gegenwind“ sorgen. Ausgerechnet die wichtige Automobilindustrie mit ihren vielen Zulieferbetrieben sei das Sorgenkind. Zwar könne die Inlandsnachfrage den Verlust an außenwirtschaftlicher Dynamik derzeit noch ausgleichen, weil beispielsweise die Einkommen der Verbraucher weiter steigen würden. Allerdings steht laut IHK das stark exportgestützte Wachstumsmodell der deutschen und insbesondere auch der mittelfränkischen Wirtschaft durch den strukturellen Wandel im weltweiten Fahrzeugbau vor Unsicherheiten.

Baugewerbe noch mit Rückwind

Dagegen würden Baugewerbe, Handel und Dienstleistungen teils noch kräftigen Rückenwind verzeichnen. Die Betonung dürfte allerdings auf dem kleinen Wörtchen „noch“ liegen. Denn beim Blick auf die nächsten Monate sind sich laut dem aktuellen Herbstgutachten fast alle Branchen einig. Vor dem Hintergrund der wachsenden Risiken in der Weltwirtschaft würden sich die Geschäftserwartungen insgesamt eintrüben. Die Betriebe würden bei so wichtigen Indikatoren wie Investitionen und Beschäftigung „nun deutlich zurückhaltender“ planen.

Diese neue Zurückhaltung bei den Unternehmen kommt nicht aus heiterem Himmel. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Auch der IHK-Bericht zum Konjunkturklima zeigt, dass die Kurve nach dem steilen Aufschwung nun wieder nach unten zeigt und die hohen Wachstumsraten der letzten zehn Jahre vorerst vorbei sein dürften. Der IHK-Konjunkturklimaindex liegt in diesem Herbst nur bei knapp über 111 Punkten. Zum Vergleich: Im Vorjahr sind es noch fast 130 Punkte gewesen. Zum Höhepunkt der „fetten Jahre“ nach Silvester 2018 waren es sogar fast 140 Punkte. Seit zwölf Monaten befindet sich die Wirtschaft im aktuellen Sinkflug. Seit diesem Frühjahr geht es immer steiler nach unten. Aktuell seien die Umsätze aber noch auf einem „hohem Niveau“.

Auch die Kapazitäten seien „noch gut oder befriedigend“ ausgelastet. Deshalb würden die wichtigsten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage insgesamt „noch immer“ positiv bewerten. Mit 41 Prozent würden immerhin fast die Hälfte der Betriebe ihre Lage als gut bezeichnen. Weitere 44 Prozent der Unternehmen seien immerhin noch „zufrieden“. Allerdings sind schon 15 Prozent der Betriebe „unzufrieden“. Weniger zufrieden zeigten sich die befragten Unternehmen zuletzt im Frühjahr 2013.

Investitionen gewünscht

Der Ausblick der Fachleute ist dementsprechend düster. Bei weltweiter Investitionszurückhaltung würde eine weitere Schwächung der in- und ausländischen Nachfrage drohen. Mit handfesten Folgen für die Betriebe: Beispielsweise dürfte der Druck zur Kostensenkungen steigen. Die Unternehmen könnten Kurzarbeit einführen. Hilfe aus dem Ausland erscheint der IHK wenig wahrscheinlich. Stattdessen könnte die Berliner Politik ein Ende der „schwarzen Null“ einläuten und mit Investitionen in Bildung und Infrastruktur der mittelfränkischen Wirtschaft unter die Arme greifen, wünscht sich die Wirtschaft.

Konjunkturklima

  • Abschwung: Der aktuellen Herbstindex liegt bei genau 111,7 Punkten und zeigt im Vergleich zum Vorjahr (129,9 Punkte), dass die hohen Wachstumsraten der letzten zehn Jahre vorerst vorbei sein sollen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht