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Beruf

In Bäckerei Imhof backt eine Frau Dr.

Mit 35 hat Simone Imhof eine Bäckerlehre gemacht. Dafür hat sie ihre Uni-Karriere mit Doktortitel an den Nagel gehängt.
Von Nikolas Pelke

Simone Imhof hat die Universität gegen die Backstube eingetauscht. Selbst das frühe Aufstehen stört die „promovierte Bäckerin“ nicht. Foto: N. Pelke
Simone Imhof hat die Universität gegen die Backstube eingetauscht. Selbst das frühe Aufstehen stört die „promovierte Bäckerin“ nicht. Foto: N. Pelke

Nürnberg.Die halbe Nacht hat sich Simone Imhof heute mal wieder um die Ohren geschlagen. „Ich bin seit halb zwei auf den Beinen“, sagt die Bäckerin und lacht. Mit 35 Jahren hat Simone Imhof eine Bäckerlehre gemacht und dafür eine Karriere an der Universität mit Doktortitel und „normalen“ Arbeitszeiten an den Nagel gehangen. Bereut hat die promovierte Bäckerin die Entscheidung nach über einem Jahr immer noch nicht.

Kurz vor der Verbeamtung habe sie die Reißleine gezogen, erinnert sich die promovierte Bäckerin. Eine sichere Zukunft als Lehrerin an der Hochschule hätte einfach nicht zu ihr gepasst. „Ich bin in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen. Deshalb habe ich vielleicht einen anderen Charakter“, sagt Simone Imhof beinahe entschuldigend.

Duft in der Bäckerei

Außerdem habe sie den typischen „Bäckerei-Duft“ nach frischem Brot und warmen Hörnchen in den Hörsälen der Universität nach zehn Jahren einfach vermisst. Dieser besondere Duft, den es nur in einer Backstube zu finden gibt, begleitet Simone Imhof seit der Kindheit. „Ich bin hier groß geworden. Unsere Bäckerei gibt es in diesem Jahr genau 100 Jahre“, erzählt Simone Imhof und berichtet stolz von den Urgroßeltern, die im Jahr 1919 mit dem Brotbacken im Haus in der Dürrenhofstraße 29 angefangen haben.

Pionierarbeit der Eltern

„Meine Eltern haben die Bäckerei in den 80er Jahren übernommen und 1990 alles auf Bio umgestellt.“ Damit seien die Imhofs die erste und bis heute wahrscheinlich einzige Bäckerei in Nürnberg, die Brot, Brötchen & Co. ausschließlich in Bio-Qualität anbietet. Bis heute beliefern die Imhofs viele Bio-Läden in Nürnberg mit ihren Bäckereiprodukten. Mittlerweile mache der Verkauf außerhalb der eigenen Ladentheke bereits rund 70 Prozent des Umsatzes aus.

Mit dem Boom der Bio-Branche habe der Vater später sogar eine Mühle kaufen können, um das Bio-Getreide in eigener Regie weiterverarbeiten zu können. „Wir schroten unser Getreide heute noch selber“, freut sich Simone Imhof, die von der Bio-Idee genauso wie ihre Eltern total überzeugt ist.

„Für die Zukunft gibt es keine Alternative“, ist sich die Bäckerin mit dem Doktortitel sicher, die neben Bio auch auf Vollkorn setzt. „Wir machen keine Luftbrötchen“, sagt Imhof und zeigt auf ein knuspriges Vollkornbrötchen. Das Vollkorn-Mehl sei nicht so voluminös wie herkömmliches Mehl, erklärt die Expertin. „Unsere Brötchen sind ein bisschen kleiner, schmecken dafür aber umso besser“, ist sich die Bäckerin sicher und verspricht, dass die Bio-Semmeln aus Vollkornmehl genauso viel Pfunde auf die Waage bringen wie stinknormale Brötchen von der Konkurrenz. „Vollkorn-Produkte gehen beim Backen im Ofen nicht so schön auf. Das liegt einfach an dem höheren Schalenanteil im Vollkornmehr“, erklärt Imhof weiter und schwärmt von Backwaren aus Emmer-Urgetreide, das selbst leidgeplagte Weizen-Allergiker gut vertragen und ohne Probleme genießen könnten.

Zimtschnecken im Ofen

Den Job an der Uni vermisst die promovierte Bäckerin nicht. „Hier sieht man jeden Tag, was man gearbeitet hat“, sagt Simone Imhof und schiebt ein Blech mit Zimtschnecken in den Ofen. Selbstverständlich sei auch die Zeit an der Uni schön gewesen. Der Doktortitel, die Arbeit mit den Studenten. Die zwei Kinder, die sie auf die Welt gebracht habe. Die Arbeitserfolge seien allerdings nicht so einfach mit den Händen greifbar gewesen wie in ihrer Familien-Bäckerei.

Der Weg zur Arbeit ist einzigartig

Selbst die Sache mit dem frühen Aufstehen kann ihr den Spaß an der neuen Berufung nicht versalzen. „Ich habe noch nie so viel Schlaf gebraucht. Außerdem mag ich es, nachts zu arbeiten.“ Auch der Weg zur Arbeit sei um diese Uhrzeit einzigartig. „Den Radweg habe ich dann immer für mich alleine“, sagt Imhof und wirft einen kritischen Blick auf den Uhrzeiger, der langsam aber sicher auf die Mittagszeit zusteuert.

Das Fahrrad, der Feierabend und ein kleines Mittagsschläfchen warten auf Simone Imhof. Nur am Sonntag bleibt die Bäckerei geschlossen. Einmal in der Woche will sich auch die glücklichste Bäckerin wohl einmal richtig ausschlafen können.


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