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Wirtschaft

In dieser Firma ist Pfeffer drin

Seit 1929 handelt das Nürnberger Unternehmen Schulze & Co. KG mit Gewürzen. Insgesamt werden 500 Produkte vertrieben.
Von Thomas Tjiang

Wolfgang Schulze führt das Familienunternehmen Schuco-Gewürze in dritter Generation. Fotos: Thomas Tjiang

Nürnberg.Wer sich beim täglichen Einkauf in den Regalen mit Gewürzen eindeckt, staunt vielleicht über die wachsende Vielfalt. Über die Hintergründe von Anbau oder Import bekommt ein Kunde kaum etwas mit.

Schulze & Co. KG – dieser Firmenname eines Unternehmens im Nürnberger Hafen wird kaum jemand etwas sagen. Auch der Namenszusatz Schuco-Gewürze sorgt für kein Aha-Erlebnis. Dabei wurde der Traditionsbetrieb schon im Jahr 1929 gegründet. Der simple Grund: Der Gewürzgroßhändler verkauft nicht direkt an Verbraucher. Dafür beliefert er unter anderem die Nürnberger Lebkuchenbäcker oder die lokalen Bratwursthersteller. Auch in Produkten des Fleisch- und Backhandwerks, in der Feinkost-, Fisch und Konservenindustrie sowie im Gewürz-, Großverbraucher und Naturkosthandel finden sich Produkte der Nürnberger Gewürzmühle.

In dritter Generation geführt

Rund 500 Tonnen Gewürze lagern bisweilen in den Hallen.

Geführt werden heute die Geschäfte in dritter Generation von Wolfgang Schulze. Das Sortiment erstreckt sich auf Reingewürze und Kräuter von Anis bis Zwiebelpulver, über Gewürzmischungen von Al´Arrabiata bis Zitronen-Pfeffer bis hin zum Segment Sonstiges. Darunter fällt beispielsweise das Ammoniumhydrogencarbonat (Hirschhornsalz), die klare Gemüsebrühe bis hin zu Zitronenschalen. Zählt man alle Produkte mit ihren unterschiedlichen Verarbeitungsstufen oder Mischungen zusammen, kommt man auf gut 500 Produkte. Allein den Kundenliebling Pfeffer gibt es in sieben Verarbeitungen, erklärt Geschäftsführer Schulze. Die Pfefferkörner gibt es im Ganzen oder geschrotet in grob, mittel und fein. Dazu kommen die drei Mahlgrade doppelgriffig, griffig und fein.

Bei der Beschaffung der Gewürze aus der ganzen Welt sieht sich der Firmenchef starken Preisschwankungen ausgesetzt. Vor drei Jahren hat das Kilo Vanille noch vergleichsweise schlappe 40 Euro gekostet, jetzt schlägt das Kilo Vanille mit 750 Euro bis 800 Euro zu Buche. Das liege zum einen daran, dass der Vanilleanbau jahrelang zugunsten eines vermeintlich lukrativen Kaffeeanbaus vernachlässig wurde. Zum anderen wurde zuletzt die Ernte in Madagaskar durch Unwetter maßgeblich dezimiert.

Schulze sieht teilweise aber auch Rohstoffspekulanten am Werk. Knoblauch wurde angesichts steigender Nachfrage innerhalb eines Jahres von 1,50 Euro pro Kilo auf nunmehr 8 Euro „hochspekuliert“. Dafür herrscht derzeit an der Preisfront für Safran Ruhe. Der Kilopreis für Safran liegt derzeit weitgehend stabil bei 1300 Euro. Allem globalen Einkauf zum Trotz: „Am schwierigsten ist es derzeit, das vermeintlich gewöhnliche Küchenkraut Beifuß in ausreichender Menge und Qualität zu bekommen.“ Das wächst eigentlich auf heimischen Wiesen und gehört unbedingt beispielsweise in den Gänsebraten.

Ausweitung auf Bio-Segment

Um die Qualität sicherzustellen, setzt Schuco-Gewürze auf zuverlässige Lieferanten. Das sei wichtiger, als um den letzten Cent beim Preis zu feilschen. Für eine Tonne Pfeffer sind rund 20 Kleinbauen mit der Ernte beschäftigt. Je nachdem könne man den in der Pfeffer-Qualität eines VW oder eines Mercedes einkaufen.

Wie viele Tonnen Gewürze pro Jahr verarbeitet und verkauft werden, will Schulze mit Blick auf den Wettbewerb nicht sagen. Er gibt nur einen kleinen Anhaltspunkt. Bei der letzten Inventur kam man auf einen Bestand, der „einem Kilo Gewürz pro Nürnberger Einwohner“ entspricht. Da waren also mehr als 530 Tonnen im Lager.

Ein paar Zahlen zum Gewürzhandel in Deutschland finden Sie hier:

Gewürze in Zahlen

  • Import:

    Zuletzt wurden rund 118 000 Tonnen Gewürze im Wert von 623 Millionen Euro nach Deutschland importiert. Das waren rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

  • Beliebtheit:

    Pfeffer führt die Liste der beliebtesten Gewürze an, jeder dritte Import-Euro wird für Pfefferkörner ausgegeben. Es folgen Ingwer, Paprika und Kümmel.

  • Export:

    Nach Gewicht wird ein gutes Drittel in Deutschland weiterverarbeitet und ins Ausland verkauft. Gemessen am Wert gehen Gewürze im Wert von 339 Millionen in den Export. (Quelle: Fachverband der Gewürzindustrie)

Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann, der 1976 ins Familienunternehmen eintrat, setzt auf ein kontinuierliches, „nicht zu schnelles, gesundes Wachstum“. Einen Anteil hat beispielsweise die Biogewürz-Schiene. 1996 hat sich das Unternehmen erstmals nach Bio zertifizieren lassen. Über die Nürnberger Leitmesse Biofach hat Schuco-Gewürze gute Kontakte ins Ausland bekommen. Das war ein „großer Türöffner“, konstatiert Schulze. Sein Unternehmen hat er als Premiumanbieter sowohl im konventionellen als auch im Bio-Bereich positioniert. Den Anteil der Bio-Gewürze beziffert der Familienvater auf rund zehn Prozent bis zwölf Prozent.

Betriebseigenes Labor

Verarbeitung und Handel mit Lebensmitteln verlangen mittlerweile hohe Standards und Qualitätssicherungen. Lager und Verarbeitung können nur im Schutzanzug mit Haube betreten werden, nachdem man zuvor gründlich Hände gewaschen und desinfiziert hat. Im riesigen Lager wird man von den unterschiedlichsten Düften umströmt, aus den großen Säcken kommt dem Besucher der Geruch von Pfeffer, Koriander oder Majoran entgegen. In der großen Duftwolke sind einzelne Gewürze aber kaum zu unterscheiden.

Eine Etage höher in der Verarbeitung ist außer vielen Mühlen für unterschiedliche Gewürze und einem komplexen Rohrsystem nicht viel zu sehen. „Die Anforderungen werden immer höher“, konstatiert Schulze. Daher findet die Verarbeitung in einem geschlossenen Kreislauf statt. Nur am Ende des Prozesses steht noch ein Mitarbeiter, der die Qualität überwacht und die Säcke etwa mit Brotgewürz abtransportiert.

Für die Qualitätssicherung wird im Unternehmen auch ein eigenes Labor betrieben. „Von den jährlichen Untersuchungskosten könnte ich mir jedes Jahr einen Ferrari kaufen“, stellt der Firmenchef nüchtern fest. Andererseits ist Top-Qualität das Wichtigste für Schulze, damit seine Gewürze weiterhin begehrt bleiben.

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