MyMz
Anzeige

Projekt

Jubel um den Augustinerhof

Mit viel Prominenz ist in Nürnberg der Grundstein für das rund 100 Millionen Euro teure Museumsgebäude gelegt worden.
Von Nürnberg-Korrespondent Nikolas Pelke

Gerd Schmelzer, Markus Söder, OB Ulrich Maly, Wolfgang Heckl und Volker Staab versenken Erinnerungsstücke in der Zeitkapsel des Grundsteins. Foto: Pelke
Gerd Schmelzer, Markus Söder, OB Ulrich Maly, Wolfgang Heckl und Volker Staab versenken Erinnerungsstücke in der Zeitkapsel des Grundsteins. Foto: Pelke

Nürnberg.Heimspiel für den frisch gewählten Ministerpräsidenten aus Nürnberg: „Es tut mir leid, dass der Termin um eine Woche verschoben werden musste“, sagte Markus Söder (CSU) bei der Grundsteinlegung zum Augustinerhof mit der Zweigstelle des Deutschen Museums am Freitag in Nürnberg unter dem Beifall des Publikums. Hätte die Zeremonie in der letzten Woche stattgefunden, wäre nur ein Minister und kein Landesvater gekommen. Söder sei es ein Herzenswunsch gewesen, bei der Grundsteinlegung für den Prachtbau am Ufer der Pegnitz dabei sein zu können.

Technik und Wissenschaft

Der katholische Stadtdekan Hubertus Förster und evangelische Regionalbischof Stefan Nitsche gaben den kirchlichen Segen. Foto: Pelke
Der katholische Stadtdekan Hubertus Förster und evangelische Regionalbischof Stefan Nitsche gaben den kirchlichen Segen. Foto: Pelke

Zumal Söder nicht ganz unschuldig an dem neuen Zukunftsmuseum für Nürnberg ist. „Der Vater der Idee bin tatsächlich ich gewesen“, sagte Söder und erzählte, dass er leichtes Spiel gehabt hätte, sich selbst als Heimat- und Finanzminister das Projekt zu genehmigen, damit Nürnberg gegenüber der Landeshauptstadt an Augenhöhe gewinnt. Wolfgang Heckl gab zu, dass selbst er als Generaldirektor des Deutschen Museums erst aus der Zeitung von der Idee eines neuen Museums für Nürnberg erfahren habe. Heckl habe Söder zunächst nicht zugetraut, die Idee tatsächlich zu realisieren. „Ich habe ehrlich gesagt, nicht ganz daran geglaubt.“ Heute sei er umso erfreuter, dass der kühne Plan aus dem Jahr 2013 Wirklichkeit wird. „Hier entsteht das modernste Museum in Deutschland“, sagte Heckl und zeigte auf die tiefe Baugrube am Pegnitzufer beim Hauptmarkt.

Die Ausstellung soll erklären, wie Technik und Wissenschaft die Zukunft bestimmen werden. „Wir wollen hier etwas völlig Neues schaffen, und unsere Besucher mit auf eine Reise in die Zukunft nehmen“, sagte Heckl und kündigte an, dass auf rund 5500 Quadratmeter modernste Techniktrends gezeigt werden sollen. „Die Ausstellung wird ständig aktualisiert. Denn nichts ist so alt, wie die Zukunft von gestern.“ Damit bei der ganzen Technik die Unterhaltung nicht zu kurz kommt, sollen Science-Fiction-Elemente für Wow-Effekte sorgen. Dafür werde derzeit ein gigantisches „Holodeck“ gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut entwickelt. Derartige Displays seien bislang nur aus dem Star-Trek-Universum bekannt und sollen die Besucher für eine Reise in die Technikwelt der Zukunft begeistern.

Mehr über das Projekt erfahren Sie hier:

Einige Eckdaten zum Projekt

  • Geschichte:

    Vom Kloster bis zur Druckerei ist das Areal zuletzt als schönster und wohl auch teuerster Parkplatz in Nürnberg bekannt gewesen.

  • Entwurf:

    Nach den Plänen des bekannten Architekten Volker Staab soll für rund 100 Millionen Euro bis Ende 2019 auf dem 5000 Quadratmeter-Grundstück der neue Augustinerhof entstehen. Die Nutzfläche soll insgesamt 13.000 Quadratmeter betragen.

  • Deutsches Museum:

    Als prominentester Mieter soll das Deutsche Museum mit einer Zukunftsausstellung in das rund 23 Meter hohe Gebäude einziehen. Rund 2,5 Millionen Euro kostet die Jahresmiete. Als Anschubfinanzierung gibt es vom Freistaat für das Deutsche Museum in Nürnberg noch mal rund 27, 5 Millionen Euro.

  • Internet:

    Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.alpha-gruppe.com/projekte/augustinerhof/.

An die historische Dimension des Neubaus erinnerte Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD). Die Geschichte des Augustinerareals habe nicht erst mit dem Bürgerentscheid begonnen, mit dem die Nürnberger den modernen Entwurf von Helmut Jahn in der Mitte der 90er Jahre in der Mottenkiste der Stadtgeschichte unter dem Kampfnamen „Aufgeplatzte Bratwurst“ versenkten. Das Augustinerkloster habe seine Wurzeln im 13. Jahrhundert. Damals seien Bäche vom Burgberg über das Sumpfgebiet in die Pegnitz geflossen. Die feuchten Sträßchen trugen Namen wie Fröschaugässchen. Nach den Wirren der Reformation und dem Ende des Klosters verbreitete die Druckerei Willmy von hier aus harmlose Blätter wie den „Kicker“ und hetzerische Titel wie den „Stürmer“. In den 70er Jahren wurde das Gelände zu klein.

Bewegtbilder von der Grundsteinlegung finden Sie hier:

Fertigstellung Ende 2019

Zu den prominenten Gästen gehörte unter anderem auch der frühere Ministerpräsident Günter Beckstein.
              Foto: Pelke
Zu den prominenten Gästen gehörte unter anderem auch der frühere Ministerpräsident Günter Beckstein. Foto: Pelke

Nach dem langen Stillstand kaufte der Nürnberger Immobilienunternehmer und frühere Club-Präsident, Gerd Schmelzer, im Jahr 2008 die Brache, die als genauso kariöses wie heikles Filetstück in der Altstadt galt. Maly ist sich sicher, dass nach der geplanten Fertigstellung des Augustinerhofes zum Jahresende 2019 ein neuer Platz mit viel Leben an der Pegnitz entsteht. Architekt Volker Staab, der schon das allseits beliebte Neue Museum in Nürnberg entworfen hat, will der Stadt mit dem Neubau einen weiteren Wohlfühlort schenken. Die Herausforderung habe darin bestanden, das große Bauvolumen in die Textur des Altstadtgefüges hineinzulegen. Mit einem breiten Tor zum Hauptmarkt, einem geschwungenen Platz und einer großen Freitreppe zur Pegnitz will der bekannte Architekt ein attraktives Quartier neu aus dem Boden stampfen.

Dass dem prominenten Bauherren durch den Einzug des Deutschen Museums auch Mieteinnahmen in Millionenhöhe zugutekommen, verteidigte der neue Ministerpräsident. In München würden solche Beträge wie Jahresmieten in Höhe von 2,5 Millionen Euro nicht ernsthaft diskutiert. Das viele Geld sei in Nürnberg laut Söder optimal angelegt. „Nicht weil er mir gehört“ habe man sich für den Augustinerhof als „besten Standort“ des Deutschen Museums in Nürnberg entschieden, freute sich Investor Gerd Schmelzer, der ein Duzfreund von Markus Söder ist und mit der CSU-Kulturreferentin der Stadt verheiratet ist. Schmelzer bezeichnete die Grundsteinlegung als historischen Tag für Nürnberg. Mit strahlenden Gesichtern sind Fotos und Zeitungen zum Höhepunkt der Zeremonie im Grundstein im Beisein von viel Prominenz eingemauert worden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht