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Justiz feiert Neubau ohne Party

Ohne großes Fest und viele Ehrengäste hat das neue Strafjustizzentrum in Nürnberg seinen Betrieb aufgenommen.
Von Nikolas Pelke

Ins Wasser gefallen ist durch die Corona-Pandemie die Einweihungsparty für neues Strafjustizzentrum in Nürnberg, das in seiner Architektur an die Neubauten der „Berliner Republik“ erinnert.
Ins Wasser gefallen ist durch die Corona-Pandemie die Einweihungsparty für neues Strafjustizzentrum in Nürnberg, das in seiner Architektur an die Neubauten der „Berliner Republik“ erinnert. Foto: Nikolas Pelke/Nikolas Pelke

Nürnberg.Mit großem Tamtam ist die Eröffnung des neuen Strafjustizzentrums (SJZ) in Nürnberg eigentlich geplant gewesen. Durch den Corona-Ausbruch ist die Party zur Einweihung des knapp 30 Millionen Euro teuren Neubaus allerdings ins Wasser gefallen. Auch der kürzlich geplante „Tag der Offenen Tür“ ist abgesagt worden. Ganz ohne festliche Reden und salbungsvolle Worte hat das neue Justizzentrum deshalb seine Arbeit aufnehmen müssen. Dabei glänzt der Neubau durch viele zeitgemäße Funktionen und seine nüchterne Eleganz.

Sieben Sitzungssäle stehen in dem neuen Gebäude für Verhandlungen zur Verfügung. Der Neubau ist mit allem technischen Schnickschnack ausgestattet. Per Knopfdruck können die Richter die Säle verdunkeln oder Beweise per Bildschirm an die Wand werfen. Im Keller gibt es Haftzellen für die Angeklagten. Die Fassade mit ihren schmalen, vertikalen Fenstern erinnert von Außen in ihrer unaufgeregten Sachlichkeit an die Architektursprache der „Berliner Republik“ mit ihren Regierungsbauten, die in den 90er Jahren an der Spree entstanden sind. Das Flachdach des Neubaus setzt einen Kontrapunkt zum Satteldach des alten Justizpalastes, der zwischen 1909 und 1916 im Stil der Neo-Renaissance errichtet worden ist. Im Innenraum setzt sich dieser moderne Kontrast zwischen weißen Fußböden und Wänden sowie schwarzen Treppengeländern und Sitzmöbeln fort.

„Nur“ ein Ersatzbau

Streng genommen ist der Neubau eigentlich „nur“ ein Ersatzbau, damit die Justiz den Ostbau des Justizpalastes mit dem berühmten Schwurgerichtssaal 600 für das Museum „Memorium Nürnberger Prozesse“ zur Verfügung stellen kann. Bislang haben Besucher den Saal nur besichtigen können, wenn keine Verhandlungen darin stattgefunden haben. Durch den Neubau kann der Saal 600 nun durchgehend als musealer Ort der Begegnung und Erinnerung genutzt werden. In dem historischen Justizsaal haben vor 75 Jahren die Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher stattgefunden.

Justizzentrum

  • Neubau:

    Für rund 28,5 Millionen Euro ist das neue Strafjustizzentrum an der Westseite des historischen Nürnberger Justizpalastes errichtet worden. Der erste Spatenstich ist 2015 erfolgt. Die erste Verhandlung im neuen Gebäude hat im März 2020 stattgefunden.

  • Funktion:

    Auf einer Nutzfläche in Höhe von rund 3500 Quadratmeter befinden sich sieben modern ausgestatteten Sitzungssäle. Im Erdgeschoss ist der neue Schwurgerichtssaal untergebracht.

Im Erdgeschoss des neuen Strafjustizzentrums gibt es einen neuen Schwurgerichtssaal, der mit vielen Raffinessen lange Verhandlungen angenehmer machen soll. In dem neuen Schwurgerichtssaal gibt es beispielsweise eine Klimaanlage, damit nicht nur die Richter unter ihren langen Roben nicht allzu sehr ins Schwitzen geraten. Zuhörer dürften sich besonders darüber freuen, dass die Akustik in dem neuen Saal enorm verbessert worden ist. Per Internet könnten Zeugen nun live per Online-Konferenz befragt werden, freut sich Justizsprecher Friedrich Weitner über die vielen neuen Annehmlichkeiten, die den Prozessalltag erleichtern sollen. Ein wenig wehmütig ist Weitner freilich trotzdem, weil in dem historischen Schwurgerichtssaal keine Verhandlungen mehr durchgeführt werden können.

Umbau der Justizlandschaft

Mit der Fertigstellung des Neubaus ist der Umbau der Nürnberger Justizlandschaft jedoch keineswegs beendet. In einem zweiten Bauabschnitt sollen die derzeit noch auf mehrere Standorte verteilten Nürnberger Justizstellen zentral an der Fürther Straße in einem weiteren Neubau zusammengeführt werden. Diese Baumaßnahme dürfte das aktuelle Gebäude allein von seiner Dimension noch einmal gewaltig in den Schatten stellen und rund fünfmal so groß werden. Wann der Startschuss für den zweiten Bauabschnitt fällt, steht allerdings noch nicht fest. Immerhin hat sich der Freistaat bereits das Grundstück direkt neben dem jetzt ohne Party eingeweihten Strafjustizzentrum gesichert.

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