MyMz
Anzeige

Kriminalität

Königstorpassage soll sicherer werden

Die Polizei will rund um den Hauptbahnhof mit einer 24-köpfigen Sonderabteilung und Videoüberwachung tätig werden.
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Nikolas Pelke

  • Fußgänger sollen sich in der Passage wieder sicherer fühlen können, dafür hat die Polizei ein Konzept erstellt. Fotos: Pelke
  • Wollen gemeinsam den Kriminalitätsschwerpunkt rund um den Hbf bekämpfen: Albert Blersch von der BundesPOL und Hermann Guth von der Polizei.

NÜRNBERG.Die Polizei will für Ordnung rund um den Hauptbahnhof in Nürnberg sorgen. Besonders der sprunghafte Anstieg der Kriminalität in der berüchtigten Königstorpassage soll auf das Vorniveau der Flüchtlingskrise zurückgeschraubt werden. Dafür hat die Polizei nun eine 24-köpfige Sonderabteilung gegründet, die von der Bundespolizei und Spezialkräften wie Hundeführern unterstützt wird.

24 Polizisten kümmern sich ab sofort rund um die Uhr um die Königstorpassage. „Die Lage muss sich wieder verbessern“, sagt Polizeidirektor Hermann Guth. Allein von 2015 auf 2016 hätten die Körperverletzungen um rund ein Viertel zugenommen. Auch für das laufende Jahr gibt es noch keine Entwarnung. Hier hätte sich die Zahl der schweren Körperverletzungen um 17 Prozent erhöht. „Die Sicherheit in der Königstorpassage ist für mich eine Herzensangelegenheit“, sagt der Leiter des Sachgebietes Ordnungs- und Schutzaufgaben beim mittelfränkischen Polizeipräsidium. Fast täglich mache er sich vor Ort selbst ein Bild der Lage.

Situation ist leicht verbessert

Einerseits habe sich die Situation gegenüber den Krisenjahren 2015 und 2016 wieder etwas verbessert. Andererseits dürfe man jetzt nicht nachlassen und nicht nachgeben. Guth will, dass das Eingangstor zur Frankenmetropole mit seinen rund 150 000 Besuchern pro Tag nicht mehr für Angst und Verunsicherung bei den Reisenden und Touristen sorgt.

Rund um den Bahnhof hat die Polizei zwei Zonen gebildet. In der roten Zone rund um die unterirdische Fußgängerpassage zwischen Altstadt und Bahnhof konzentrieren sich die Verbrechen der Großstadt wie in einem Brennglas. Hier finden laut Polizeidirektor Hermann Guth fast 50 Prozent aller Rauschgiftdelikte im Stadtgebiet statt. Im Jahr 2016 seien 37 Prozent der Straftäter erst kürzlich als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Viele Flüchtlinge hätten den Hauptbahnhof in Nürnberg als zentralen Treffpunkt für sich entdeckt, erklärt Andreas Belger, der stellvertretende Leiter der zuständigen Polizeiinspektion Nürnberg-Mitte. Flüchtlinge aus dem Iran wären den Beamten als besonders aufgeschlossen gegenüber harten Drogen aufgefallen. Die ausländische Heroin-Szene hätte die einheimische aus dem Bahnhof verdrängt. Diese Entwicklung der vielen neuen Drogenabhängigen auf engem Raum habe zu Konflikten geführt.

Die Bundespolizei ist besonders beunruhigt über die Aggressivität dieser neuen Szene am Hauptbahnhof. „Die Angriffe auf Beamte sind deutlich gestiegen“, betont Polizeidirektor Albert Blersch, Leiter der Bundespolizeiinspektion Nürnberg, die mit rund 100 Kollegen für die Sicherheit am Hauptbahnhof zuständig ist. Diese Gruppe von gewaltbereiten Flüchtlingen hätte ihre anfängliche Zurückhaltung gegenüber der Polizei aufgegeben. Vor der Bürgerpolizei mit ihren rechtsstaatlichen Prinzipien hätte dieser Personenkreis kaum noch Respekt. Die Hemmschwelle für Gewaltanwendung gegenüber Beamten sei dramatisch gesunken. Die Polizei kann von Beamten berichten, die im Einsatz beispielsweise Nasenbrüche und andere schlimme Blessuren erlitten hätten. Blersch ist sich sicher, dass die größere Gewaltbereitschaft auch mit einem anderen Wertesystem der neuen Szene am Hauptbahnhof zu tun habe. Mittlerweile würden Drogendealer sogar nicht mehr davor zurückschrecken, Jugendlichen verbotene Rauschmittel in der großen Mittelhalle des Bahnhofs anzubieten.

Verlagerungen sind unvermeidlich

Polizeidirektor Hermann Guth weiß, dass sich die Kriminalität nicht auf die Königstorpassage und den Bahnhof beschränkt. Mit jedem Einsatz wird es zu Verlagerungen kommen, ist sich Guth sicher. Statt dessen soll die Balance wieder hergestellt werden. Andreas Belger will mit der 24-köpfigen Sonderabteilung dafür sorgen, dass die Zahlen auf das Niveau des Jahres 2014 zurückgedreht werden können. Dafür soll die Präsenz der Polizei in der Passage weiter verstärkt werden. 40 Drogendealer habe man dort in der letzten Zeit schon festnehmen können. Außerdem setzt die Polizei auf Videoüberwachung. Genau 17 Kameras seien aktuell rund um den Brennpunkt-Bahnhof installiert. Drei weitere sollen laut Hermann Guth vor dem Bahnhof demnächst installiert werden. „Wir müssen die Königstorpassage weiter im Auge behalten“, gibt Guth die Marschrichtung vor. Die aktuelle Führung in der Kategorie der unsichersten Großstädte in Bayern will Guth schnell wieder abgeben.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht