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Streit

Konzerthalle verdrängt Bäume in Nürnberg

SPD und CSU sind sich wegen der Pläne rund um das neue Nürnberger Konzerthaus in die Haare geraten.
Von Nikolas Pelke

Neben der Meistersingerhalle Nürnberg (im Foto), entsteht ein neuer Konzertsaal, dafür sollen 84 Bäume weichen. Foto: David Ebener/dpa
Neben der Meistersingerhalle Nürnberg (im Foto), entsteht ein neuer Konzertsaal, dafür sollen 84 Bäume weichen. Foto: David Ebener/dpa

NÜRNBERG.Andere Städte würden sich wohl freuen, wenn für über 50 Millionen Euro ein neues Konzerthaus gebaut wird. In Nürnberg geraten die Kommunalpolitiker dagegen heftig aneinander, wenn es um einen neuen Tempel für Beethoven, Wagner & Co. geht. Unter den großen Partnern der Rot-Schwarzen-Rathausregierung ist mitten im Wahlkampf ein Streit um Bäume, Fledermäuse und Vögel rund um das Prestigeprojekt ausgebrochen.

SPD-Stadtrat Gerald Raschke wirft seinem CSU-Kollegen Otto Heimbucher vor, mit seinen beiden Rollen als Ratsherr und Vorsitzender des Nürnberger Bund Naturschutzes (BN) „nicht klar“ zu kommen. „Verantwortungsvolle Kommunalpolitik sieht anders aus, Herr Heimbucher“, ruft der planungspolitische Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion seinem Ratskollegen entgegen.

Neues Konzerthaus

  • Projekt:

    Die Stadt Nürnberg plant den Bau eines neuen Konzerthauses im Luitpoldhain. Der Spatenstich für den Konzertsaal mit rund 1500 Sitzplätzen soll bereits Anfang 2021 erfolgen. 2024 soll die neue Konzerthalle neben der alten Meistersingerhalle ihren Betrieb aufnehmen.

  • Kritik:

    Die vorgeschlagenen Ausgleichspflanzungen seien laut Bund Naturschutz (BN) in „keiner Weise“ geeignet, den „massiven stadtklimatischen Eingriff“ zu kompensieren. Den genau 84 zu entfernenden Bäumen stünden nur 70 Neupflanzungen gegenüber.

Hintergrund des Disputs ist eine Stellungnahme des besagten Umweltverbandes zur geplanten Konzerthalle, die auf dem Parkplatz direkt neben der Meistersingerhalle bis zum Jahr 2024 im Luitpoldhain entstehen werden soll. Darin kritisiert der BN insbesondere die geplante Abholzung von 84 Bäumen. Der alte Baumbestand sei unverzichtbarer Lebensraum für Vögel, Fledermäuse und andere Kleintiere. Vorgesehene Ausgleichsmaßnahmen an anderen Stellen in der Stadt seien weder ausreichend noch sinnvoll, kritisieren die Naturschützer weiter. Die Rodung des alten Baumbestandes stelle „einen unersetzlichen Verlust“ dar.

„Mit Kritik zu lange gewartet“

SPD-Stadtrat Raschke fragt sich, warum Otto Heimbucher mit seiner Kritik so lange gewartet hat. Seit dem Jahr 2016 seien schließlich „alle Beschlüsse“ zum Bau des Konzerthauses „einstimmig“ gefasst worden. „Also auch mit der Stimme des CSU-Stadtrats und BN-Vorsitzenden Otto Heimbucher“, beschwert sich Raschke und wundert sich, warum CSU-Ratskollege Heimbucher erst so spät bemerkt habe, dass er „noch einen zweiten Hut als BN-Vorsitzender“ aufhabe.

Raschke fragt sich mit kaum unüberhörbarer Häme weiter, warum CSU-Stadtrat und BN-Vorsitzender Heimbucher zuvor „alle Gelegenheiten“ für seine Kritik habe ungenutzt verstreichen lassen. „Da kommt ein Stadtrat offensichtlich nicht mit seinen Rollen klar“, stellt Raschke ziemlich verärgert fest.

Der Angegriffene kontert auf Anfrage unseres Medienhauses mit der Vermutung, dass der SPD-Kontrahent kurz vor dem Wahltermin am 15. März „offensichtlich Zwietracht“ zwischen den bisherigen Koalitionspartnern säen wolle.

„Was die SPD hier macht, ist unsachlich und unfair.“ Die Äußerungen würden beweisen, dass SPD-Stadtrat Raschke „keine Ahnung“ habe. Der Umweltverband hätte im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens korrekterweise erst jetzt Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen. „Wir wollen die Konzerthalle weder verhindern noch einen neuen Standort ins Spiel bringen. Uns geht es allein um bessere Ausgleichsmaßnahmen“, stellt Heimbucher gegenüber unserem Medienhaus klar und verlangt, die geplanten Ersatzbäume an Ort und Stelle im Luitpoldpark und nicht sonst irgendwo im Stadtgebiet anzupflanzen.

Parkplatz als Ausgleichsfläche

Konkret schwebt Heimbucher als bessere Ausgleichsfläche der Parkplatz an der Bayernstraße vor, der derzeit hauptsächlich vom Zirkus-Dinner-Showzelt „Palazzo“ genutzt wird. Auch aus anderen Parkflächen rund um die Meistersingerhalle sollten wieder Grünflächen gemacht werden, findet Heimbucher und verweist auf fehlende Nisthöhlen für Fledermäuse, Spechte und Zauneidechsen.

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