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Region Nürnberg
Dienstag, 19. Juni 2018 26° 3

Interview

Kultur passt zum Computer

Johannes Häfner ist Kulturbeauftragter einer Software-Firma. Dem Tagblatt erklärt er, warum kreative Hobbys so wichtig sind.
Von Nürnberg-Korrespondent

  • Personalvorstand Jörg von Pappenheim im Gespräch mit Johannes Häfner (r.) Foto: Datev
  • Im Unternehmen setzt man auf kreative Mitarbeiter. Foto: Daniel Karmann

Herr Häfner, Sie sind seit 15 Jahren der Kulturbeauftragte der DATEV. Wie passen Computer und Kultur überhaupt zusammen?

Der Computer ist heute selbst ein Teil der Kultur. Jedes Unternehmen muss heute innovativ und modern sein. Wie kann man das in einem Softwareunternehmen darstellen, das – in Anführungszeichen – „nur“ Software-Dienstleistungen produziert? Dazu eignet sich die Kulturarbeit, die zeigt, welche enorme Kreativität in unseren Mitarbeitern steckt. Ich mache diese Kreativität bei unseren Computerexperten nur sichtbar. Das muss mit Kunst im engeren Sinne überhaupt nicht so viel zu tun haben. Mir ist die Fantasie und Begeisterungsfähigkeit viel wichtiger.

Sind Büroangestellte zunächst nicht skeptisch, wenn man sie mit Kunst und Kultur für Kreativität begeistern will?

Ja, das sind sie (lacht). Das ist eine Frage der Kontinuität. Wenn man 15 Jahre dran bleibt, dann funktioniert das. Es spricht sich doch herum im Unternehmen, dass man beim Häfner kreative Dinge auf die Beine stellen kann. Hinter meinem Berufsprofil steht eine komplette Unternehmensphilosophie, die auf kreative und fantasievolle Mitarbeiter für den geschäftlichen Erfolg angewiesen ist.

In diesem Jahr steht sogar die firmeneigene Schauspieltruppe bei Ihrem Kulturevent auf der Bühne? Wie machen sich Software-Spezialisten als Schauspieler?

Erstaunlich gut (lacht). Aber im ernst. Es ist in der Tat so, dass es ganz viele Menschen gibt, die in ihrer Freizeit mehr tun als Shopping und Fernsehen. Ich biete diesen Menschen in diesem Fall nur eine Bühne. Dort können die Mitarbeiter auch ihren Kollegen zeigen, was in ihnen steckt. Bei mir sollen die Leute das Gefühl haben, dass sie in erster Linie etwas für sich tun. Das soll eine Bereicherung für die Kollegen sein. Dass das Unternehmen von kreativeren Mitarbeitern am Ende irgendwo profitiert, ist ein positiver, wenn auch nicht unerwünschter Nebeneffekt.

Witzigerweise hat sich die Theater-Compagnie den Namen „Gruppentherapie“ gegeben. Zufall oder bewusste Selbstironie?

Zufall ist das mit Sicherheit nicht. Das ist eben ein witziges Wortspiel, mit dem die Truppe vor allem eine Portion Selbstironie beweisen will. Das finde ich wirklich erfrischend und unterhaltsam. In der Kunst muss es doch nicht immer bierernst zugehen. Bei uns jedenfalls darf und wird auch gerne viel gelacht. Besonders wenn die Truppe auf der Bühne steht. Heuer zeigt unsere Gruppentherapie das Stück „Blaue Zipfel an Blattgold“. Dabei nimmt die Truppe ganz bewusst die künstliche Intelligenz auf die Schippe.

Bestes Beispiel für Ihre Philosophie ist der DATEV-Gründer Heinz Sebiger selbst gewesen, der sich besonders für das Fotografieren interessiert hat.

Er war tief verbunden mit Japan. Fast jährlich ist Sebiger dorthin gereist und hat ganz viele Aufnahmen mitgebracht. Die Fotos von den vielfältigen Landschaften dieser fernen Inselwelt hat Sebiger bei uns in mehreren Ausstellungen gezeigt.

Und der ehemalige Vorstandsvorsitzende und heutige Präsident des Bundesverbandes der Deutsche Industrie (BDI) ist ebenfalls kreativ unterwegs. Dieter Kempf hat offensichtlich ein Herz für Rock ‚n‘ Roll. Wie muss man sich Auftritte der Vorstands-Combo mit Bandmitglied Kempf auf der Bühne vorstellen?

Kempf spielt Gitarre und steht als Sänger auf der Bühne. Ich finde es schon außergewöhnlich, dass er in seiner Position und trotz seiner vielfältigen Aufgaben sich noch immer die Zeit für Proben mit der Band nimmt. Am liebsten mag er übrigens Songs von Cat Stevens und Eric Clapton.

Was haben Sie in Zukunft vor? Vielleicht einen Graffiti- oder Ballettkurs für Netzwerkexperten?

Das ist durchaus möglich. Je weiter weg von ihrer Routine, desto besser. Wir wollen die Kreativität bei unseren Mitarbeitern herauskitzeln. Am Ende sind die Ergebnisse dann wirklich erstaunlich. Ich habe mal einen Malkurs gegeben für Menschen, die zuletzt in der Schule den Pinsel in der Hand gehalten haben. Die Ergebnisse waren wirklich sehr erstaunlich. Am Ende waren die Teilnehmer wirklich über die Qualität ihrer Werke selber ganz verblüfft.

Haben Sie sich das Konzept aus dem Silicon Valley abgeschaut?

Wir fördern und zeigen das eigene Potenzial. Wir kaufen keine fremden Künstler ein, die ihre Kreativität dem Unternehmen überstülpen wollen. Ich habe vor 15 Jahren erkannt, dass Kultur und Kreativität für ein Unternehmen in der Zukunft immer wichtiger werden. Deshalb habe ich meinen Job als Programmierer ganz einfach an den Nagel gehängt und den Vorstand von meiner Idee überzeugt.

Die DATEV eG ist ein Softwarehaus und IT-Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte, aber auch für deren Mandanten, wie mittelständische Unternehmen, Kommunen, Vereine und Institutionen. Der Schwerpunkt liegt im Steuerberatermarkt.

Das Unternehmen wurde am 1966 im Kammerbezirk Nürnberg gegründet, um die Buchführung ihrer Mandanten mit Hilfe der EDV zu erledigen. Ihr Name lautete Datenverarbeitungsorganisation der Steuerbevollmächtigten für die Angehörigen des steuerberatenden Berufes.

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