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Mollath holt sein Spielzeug nicht ab

Oft betonte Mollath, ihm sei seine gesamte Habe genommen worden. Dabei versucht seine Ex-Frau seit Jahren, ihm diese zurückzugeben – vergeblich
Von Otto Lapp und Pascal Durain, MZ

Alfa Romeo, Ferrari, McLaren –Gustl Mollaths Leidenschaft für schnelle Autos ist bekannt. Doch seine Modellautos und den Rest seiner Habe vermisst er offenbar nicht so sehr.
Alfa Romeo, Ferrari, McLaren –Gustl Mollaths Leidenschaft für schnelle Autos ist bekannt. Doch seine Modellautos und den Rest seiner Habe vermisst er offenbar nicht so sehr.Foto: Lapp

Nürnberg. Der Rosenkrieg des geschiedenen Ehepaars Mollath dauert bis heute an. Mit Schwarzgeldvorwürfen hat die Sache aber nichts zu tun. Viel mehr geht es um Gustl Mollaths Habe, von der er immer wieder behauptete, sie sei ihm genommen worden. Dabei sind die Sachen nicht verschollen – und erst am Montag hat Bayerns berühmtester Ex-Psychiatrie-Insasse einen Termin verstreichen lassen, an dem er seinen persönlichen Besitz zurückerhalten sollte. Doch eine Stunde vorher ließ er per Fax aus München wissen: Weder Ort noch Zeit passe ihm. Er bevorzuge einen Termin am Wochenende. Und einen Ort mit mehr Parkplätzen.

In Videos, die er während seiner Unterbringung in der Kirche des BKH Bayreuth aufnahm, klagte Mollath darüber, dass ihm alles genommen worden sei. Er habe nur das, was er auf dem Leib trage. Nicht mal ein Bild seiner Mutter sei ihm geblieben – was nicht stimmte. Im Sommer 2013, noch vor seiner Entlassung im August, veröffentlichte der Nordbayerische Kurier aus Bayreuth Fotos von seiner Habe, auch vom Bild seiner Mutter.

„Ich wollte ihm nie schaden“

Seine Ex-Frau Petra M. (54) hatte seine persönlichen Gegenstände in seiner Zeit in der Psychiatrie aufbewahrt, verpackt in Umzugskisten. Wegen seiner hohen Schulden wurde Mollaths Haus 2007 zwangsversteigert, Petra M. packte seine persönlichen Sachen wie Kleidung, Dokumente, Zeugnisse, Fotos und Andenken ein. Die Kleidung fraßen im Laufe der Jahre die Motten, der Rest ist noch da, vom Kaffeegeschirr über das Silberbesteck, Armbanduhren, Schmuck, Glasschüsseln bis zu Modellautos.

Petra M. will schon in der Anfangszeit seiner Unterbringung mit ihrem Ex-Mann Kontakt aufgenommen haben, um ihm die Sachen zurückzugeben. Doch die Gespräche seien aussichtslos gewesen. Weil Mollaths Betreuer damals nur wenige Kisten nach der Zwangsversteigerung von Mollaths Haus aufbewahren wollte, bot Petra M. an, mehr für ihren Ex-Mann aufzubewahren. Sie sagt: „Ich wollte ihm nie schaden.“ Bis jetzt allerdings wird sie die Sachen nicht los. (Update: In einem Verfahren aus dem Jahr 2008, in dem es um die Auskunft über die Wertsachen von Mollath ging, ist keine Rede von Kisten und Gegenständen, die Petra M. für ihren Ex-Gatten verwahrt.)

Im Herbst dieses Jahres, so berichtet es Petra M., habe sie Mollaths Führerschein und abgelaufenen Pass auf den entsprechenden Ämtern abgegeben, nachdem Briefe direkt nach seiner Entlassung vergangenes Jahr an seinen damaligen Anwalt Gerhard Strate unbeantwortet blieben, Mollath möge seine Habe abholen.

Ende November schickte Mollaths neuer Anwalt Adam Ahmed (43) allerdings dann einen Brief an Mollaths Ex-Frau. Darin setzte er eine kurze Frist, innerhalb der sie sagen solle, bis wann sie die Sachen an ihren Ex-Mann zurückgeben wolle. Petra M.s Antwort kam schnell, denn sie „will die Sachen loshaben.“ Termin war Montag dieser Woche, 15 Uhr.

Termin wurde „nie bestätigt“

Zwei Wochen blieben Mollath, um zu antworten. Erst am Montag um 14 Uhr kam per Fax aus München die Absage von Mollath. Am Ort, der Gaststätte Bratwurströslein in Nürnberg, sei schlecht zu parken. Außerdem ziehe er einen Termin am Wochenende vor. Petra M., die alle Sachen ihres Ex-Gatten fotografiert, katalogisiert und eingepackt hatte, war sauer, aber nicht überrascht. Das seien „Spielchen“ ihres Ex-Mannes, die sie gewohnt sei. „Ich laufe ihm nicht hinterher“, sagt sie. Noch viel länger will sie die Sachen nicht mehr aufbewahren. Dann würden sie eben entsorgt. „Ewig kann ich die Sachen ja nicht aufheben.“

Mollaths Anwalt Adam Ahmed erklärte hingegen, dass sein Mandant natürlich seine Habe zurückhaben will. Ahmed nennt mehrere Gründe, warum das Treffen scheiterte: Zum einen habe er den Termin niemals bestätigt, zum anderen habe man gar nicht gewusst, wie viele Sachen oder Kisten abtransportiert werden müssen. Der Treffpunkt unweit des Christkindlesmarktes zu diesem Zeitpunkt sei schlecht gewesen.

Petra M.s Anwalt Jochen Horn hat Mollath und seinem Verteidiger einen neuen Termin im Januar vorgeschlagen. Der sei zwar nicht am Wochenende, aber wenigstens gebe es an dem Ort genügend Parkplätze.

Kommentar

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