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Museen begeistern jetzt online

Die Pause haben die Nürnberger Museen für digitale Ausstellungen genutzt. Trotzdem freut sich Thomas Eser auf den Neustart.
Von Nikolas Pelke

Über Jahre dominierten die „Elefanten“ die damals sehr beliebten Zuverlässigkeits- und Geländewettbewerbe.  Foto: Museen der Stadt Nürnberg
Über Jahre dominierten die „Elefanten“ die damals sehr beliebten Zuverlässigkeits- und Geländewettbewerbe. Foto: Museen der Stadt Nürnberg

Nürnberg.Unerledigt bleiben im Alltag häufig viele Dinge. Hat sich wohl auch Thomas Eser, der neue Direktor der Nürnberger Museen, gedacht, und die coronabedingte Zwangspause der städtischen Ausstellungshäuser für Projekte genutzt, die vielleicht „sonst schmerzend liegengeblieben“ wären. Um das Publikum in der wochenlangen Corona-Pause wenigstens etwas mit Kultur versorgen zu können, haben die städtischen Museen auf digitale Angebote gesetzt und Ausstellungen via Internet zu den kulturinteressierten Bürgern direkt nach Hause gebracht.

Technik

Neues Museum steht in den Startlöchern

Das Gebäude steht schon. Jetzt fehlen nur noch die Ausstellungsstücke für das Deutsche Museum in Nürnberg.

Beispiels dafür ist die famose Netz-Schau über ein legendäres Motorrad, das einst in Franken das Licht der Welt erblickt hat und mit einem lustigen Spitznamen danach nicht nur die Herzen der Motorrad-Freunde im Sturm erobert hat. Der „Grüne Elefant“ ist das Aushängeschild der Zündapp’schen Zweiradwerke gewesen. Den witzigen Kosenamen hat das Gefährt aufgrund seiner „lindgrünen Lackierung“ erhalten. Tollkühne Fahrer haben bei Wettbewerben mit dem fränkischen Rüsseltier reihenweise Pokale abgeräumt. Die virtuelle Schau huldigt diesem Stück fränkischer Motorrad-Geschichte auf genauso informative wie unterhaltsame Weise.

Ausgleich für die Zwangspause

Mit Online-Ausstellungen hat Thomas Eser aber nicht nur einen musealen, sondern auch einen sozialen Zweck verfolgt. Die virtuellen Museumsrundgänge seien von freiberuflichen Mitarbeitern produziert worden, damit diese sich in der Zeit der Zwangspause finanziell über Wasser halten können. Mit diesen Aufträgen sollten die freien Mitarbeiter für die vielen entfallenen Führungen entschädigt werden. Gleichzeitig gebe es einen „schönen Nachhaltigkeits-Effekt“, weil vor der Corona-Ausnahmesituation noch niemand auf die Idee gekommen sei, die spektakulärsten Museumstouren in Wort und Bild festzuhalten.

Museen der Stadt

  • Neustart:

    Die Museen öffnen am 19. Mai wieder für Besucher. Geschlossen bleiben der Kunstbunker und die Lochgefängnisse.

  • Regeln:

    Es gelten die üblichen Öffnungszeiten der einzelnen Häuser und Einrichtungen. Führungen dürfen vorerst noch nicht stattfinden.

  • Internet:

    Online sind die digitalen Angebote wie die Schau über das legendäre Motorrad zugänglich.

Wirklich überrascht ist Eser gewesen, wie viele digitale Schätze bereits im virtuellen Keller geschlummert haben. „Wir hatten bei den städtischen Museen schon überraschend Vieles an Digitalem. Nur halt verstreut“, erklärt Thomas Eser, der erst im Januar vom Germanischen Nationalmuseum an die Spitze der städtischen Museen gewechselt ist, um die Nachfolge von Ingrid Bierer als neuer Direktor anzutreten. Hier einen Blog, dort eine virtuelle Ausstellung: Die Corona-Pause habe jetzt den Anlass zum Bündeln der digitalen Angebote gegeben.

Neben der Online-Ausstellung über den „Grünen Elefanten“ sind beispielsweise auch die Glanzlichter aus der Kunstsammlung zu sehen. Und über das ehemalige Reichsparteitagsgelände können sogar virtuelle Spaziergänge unternommen werden, die jeden verregneten Nachmittag zur spannenden Zeitreise durch die Geschichte machen. Trotzdem hätte Thomas Eser auf den Corona-Ausbruch und seine Folgen gerne verzichtet.

Etatkürzung ist zu befürchten

„Die kommunalen Etats, nicht zuletzt für Kultur, werden die nächsten Jahre empfindliche Einschnitte erleben“, ist sich der neue Direktor sicher. Vor allem die kostspieligen Sanierungsvorhaben für so große Kultureinrichtungen wie das Doku-Zentrum, das Museum Memorium Nürnberger Prozesse oder das geplante Spiele-Zentrum im Fembo-Haus könnten auf die sprichwörtlich „lange Bank“ geschoben werden, befürchtet Eser und setzt darauf, dass diese Großprojekte nicht komplett gestrichen, sondern „nur“ zeitlich gestreckt werden sollen.

Aktuell freut sich Eser jedoch auf den bevorstehenden Neustart für den Publikumsverkehr. In genau einer Woche wollen die städtischen Häuser ihre analogen Tore für leibhaftige Besucher wieder öffnen. Bis dahin hätten die Museen laut Eser noch alle Hände voll zu tun, die neuen Hygieneregeln für die Ausstellungsräume umzusetzen.

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