MyMz
Anzeige

Kultur

Museum gräbt spektakuläres Tiefdepot

Für rund 40 Millionen Euro tut sich unter dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg Gewaltiges. Es geht um die Sammlungen.
Nikolas Pelke

Ein seltener Einblick auf die spektakuläre Baustelle im Untergrund des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg Foto: Flo Kutzer
Ein seltener Einblick auf die spektakuläre Baustelle im Untergrund des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg Foto: Flo Kutzer

Nürnberg.Tief unter dem Germanischen Nationalmuseum tut sich Gewaltiges. Stück für Stück graben sich schwere Bagger in den Untergrund, um neuen Platz für die Aufbewahrung der gigantischen Museumssammlung zu schaffen.

Seit der Gründung des Museums im Jahr 1852 hat sich so einiges zwischen Frauentormauer und Klaragasse angesammelt. Der Sammlungsbestand des Museums umfasst heute mehr als unglaubliche 1,3 Millionen Objekte. Damit ist das Nationalmuseum das größte kulturhistorische Museum des deutschen Sprachraums. Die gigantischen Bestände bilden das Rückgrat des Museums. Egal ob Gemälde oder Münzen, Instrumente oder Waffen – auf den vielfältigen Artefakten basieren nicht nur die zahlreichen Sonder- und Dauerausstellungen. Auch für die kunsthistorischen Forschungen der Wissenschaftsgemeinde sind die Museumsbestände ein gigantischer Schatz von unvorstellbarem Wert. Dummerweise müssen die mal mehr mal weniger zerbrechlichen Gegenstände gehütet werden wie ein Augapfel, damit der Zahn der Zeit an den einzigartigen Erinnerungsstücken nicht nagen, sondern nur minimal knabbern kann. Dafür sind dem Museum wohl zurecht keine Mühen und keine Kosten zu hoch.

Platz für den Schatz

Rund 40 Millionen Euro kostet das neue Tiefdepot. Dafür bietet der Neubau nicht nur viel Platz. Außerdem können die Sammlungsobjekte des Museums hier nach allen Regeln der Kunst aufbewahrt werden. Um größtmöglichen Schutz für die wertvollen Gegenstände beispielsweise vor Feuchtigkeit und Grundwasser zu bieten, werden die einzelnen Depots über einen umlaufenden Flur, der zudem als Klimapuffer dient, von der Außenwand entkoppelt. Fünf Stockwerke tief reicht das neue Depot hinunter in das Erdreich. Mehr als 20 Meter wird das spektakuläre Bauwerk einmal im Großen Klosterhof im Zentrum des Museumskomplexes versteckt vor den Augen der neugierigen Besucher in den Boden hineinragen. Das Tiefdepot wird sich auf einer Länge von 50 Metern und einer Breite von 27 Metern erstrecken. Die fünf Geschosse bieten dem Museum zusätzlichen Stauraum auf einer Fläche von insgesamt rund 3500 Quadratmetern. Das Bauvolumen beträgt beeindruckende 28 469 Kubikmeter.

Das Museum errichtet grob gesagt ein kleines Hochhaus unter der Erde. Vier Stockwerke sollen ausschließlich für wertvolle Sammlungsobjekte genutzt werden. In einer der fünf Etagen soll die neue Technikzentrale untergebracht werden. Im Frühjahr 2013 haben die aufwendigen Bauarbeiten für das Kellerarchiv begonnen. Ulrich Großmann, der scheidende Museumsdirektor des Nationalmuseums, rechnet mit dem Abschluss der aufwendigen Bauarbeiten noch in diesem Spätsommer. Die Exponate sollen im Jahr 2021 in das neue Depot umziehen können. Ursprünglich ist Großmann von einem früheren Bauabschluss ausgegangen. Doch makabre Funde menschlicher Überreste haben den Fortgang kurzzeitig ins Stocken gebracht, und die Bauarbeiten um mindestens rund sechs Monate verzögert.

60 Leichen im Keller

„60 Leichen graben sich eben nicht so schnell aus“, sagt Ulrich Großmann zu der außerplanmäßigen Verzögerung, die sich durch den folgenden Wintereinbruch im Endeffekt sogar auf ganzes Jahr summiert hat.

Inzwischen hat Großmann die kleine Zwangspause freilich fast schon wieder vergessen. „Meine Sorge waren eher Blindgänger im Boden. Das wäre mein absoluter Alptraum gewesen. Wir hätten das ganze Museum ausräumen müssen. Ich will mir die Bombenentschärfung plus Evakuierung gar nicht erst ausmalen“, erklärt Ulrich Großmann, der froh ist, dass dieses Alptraum-Szenario zum Glück nicht eingetreten ist. Derweil buddeln die Bagger weiter im Boden unter dem Museum. Die Besucher bekommen von den spektakulären Bauarbeiten tief im Untergrund nichts mit. Das Haus hat ganz normal geöffnet. Und tut so, als ob sich im Bauch des nationalen Gedächtnisses nicht spektakuläre Dinge abspielen würden.

Kurz & knapp

  • Gründung: Das Germanische Nationalmuseum besteht seit 1852. Die Gründung initiierte der fränkische Adlige Hans Freiherr von und zu Aufseß.
  • Vielfalt: Mehr las 25 000 dauerhaft ausgestellte Originale ermöglichen eine Zeitreise vom steinzeitlichen Faustkeil über mittelalterliche Skulpturen bis hin zum Selbstbildnis des Malers und Grafikers Ernst Ludwig Kirchner.


Weitere Nachrichten aus Neumarkt und der Region lesen Sie hier!

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht