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Hochschule

Nach Aus für Uni-Pläne herrscht Zwist

„Auf AEG“ sollte der Technik-Campus der Uni Erlangen-Nürnberg entstehen. Das ist gescheitert. Nun streitet die Politik.
Von Nikolas Pelke

Drei Buchstaben, unter denen Jahrzehnte lang in Nürnberg Elektrogeräte hergestellt wurde. Nun sollten in die leeren Produktionshallen noch mehr Studenten ziehen. Doch das ist gescheitert.
Drei Buchstaben, unter denen Jahrzehnte lang in Nürnberg Elektrogeräte hergestellt wurde. Nun sollten in die leeren Produktionshallen noch mehr Studenten ziehen. Doch das ist gescheitert.Foto: Daniel Karmann

NÜRNBERG.Schnell hat die SPD in Nürnberg mit dem Finger auf die CSU gezeigt. Das Ende der Uni-Pläne sei „eine Blamage für die CSU-Staatsregierung“, kritisierte der Nürnberger SPD-Vorsitzende, Thorsten Brehm. Finanzminister Markus Söder (CSU) verteidigte postwendend den Abbruch der Verkaufsverhandlungen. „Zu klein und zu teuer“ seien die rund 170 000 Quadratmeter gewesen.

Wundern tut sich freilich der Eigentümer über die plötzliche Kehrtwende. Beinahe drei Jahre hätte man über den Verkauf des gesamten Geländes verhandelt, erklärt Projektleiter Bertram Schultze von der Leipziger Immobilienfirma MIB auf Anfrage. „Ständig äußern sich Minister und Oberbürgermeister über das Projekt. Aber die Uni wird nicht gefragt?“, wundert sich Schultze. Im April 2015 hatte Finanzminister Söder verkündet: „AEG wird Unistandort“. Damals war Söder sich sicher, den Vertrag noch im selben Jahr unter Dach und Fach bringen zu können. Von einem Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro war seinerzeit die Rede.

Nach Meinung von Bertram Schultze hat die Universität Erlangen-Nürnberg den Deal verbockt. Erst nach drei Jahren rücke die Uni plötzlich damit heraus, dass sie für einen Technik-Campus viel mehr Fläche als auf AEG benötige. Erstaunlich sei das für ihn schon, gibt Schultze offen zu, dass eine Raumanalyse über den tatsächlichen Flächenbedarf erst kurz vor dem Ende und nicht am Anfang der Verhandlungen gestanden habe.

Der Projektleiter widerspricht auch dem Minister, dass ein Vertragsabschluss aus Kostengründen gescheitert sei. Über den Verkaufspreis sei man sich einig gewesen. Staatliche Gutachter hätten den Preis bestätigt. Überhaupt vermutet Schultze, dass im Hintergrund womöglich politische Grabenkämpfe eine Rolle gespielt haben könnten. Innenminister Joachim Herrmann (ebenfalls CSU) komme schließlich aus Erlangen, Finanzminister Markus Söder aus Nürnberg.

Südbahnhof-Areal im Gespräch

Tatsächlich ist zwischen den beiden Unistädten ein Studenten-Tausch vorgesehen. Einen Teil der Technischen Fakultät sollte nach Nürnberg (auf AEG). Dafür sollte die bisher in Nürnberg angesiedelte Lehrerausbildung in die Hugenottenstadt umziehen. Die Frankenmetropole fordert seit Jahren mehr Studenten für ihre Stadt. Deshalb ist es ausgemachte Sache, dass nach dem Aus in Nürnberg nach einem neuen Grundstück gesucht wird.

Besonders ins Auge gefasst wird dabei der ehemalige Südbahnhof. Das Gelände ist zwar noch weiter von Erlangen entfernt. Allerdings gibt es hier noch Platz in der dicht bebauten Frankenmetropole.

Skeptisch hat sich bereits die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD, Katja Strohacker, zu der Idee geäußert. „Am Südbahnhof wird es lange dauern, bis der erste Spatenstich erfolgen kann und die Grundstücke überhaupt erschlossen sind.“ Dagegen hätte man auf AEG an der Fürther Straße sofort loslegen können.

Bertram Schultze sieht das genauso. Büroflächen von rund 35 000 Quadratmeter wären sofort bezugsfertig gewesen. Zusätzlich hätte der Freistaat für die Uni im Norden des ehemaligen Firmenareals rund 80 000 Quadratmeter neu bauen können. Zusätzlich hätte die Ansiedlung auf AEG den Charme gehabt, dass dort bereits universitäre Forschungseinrichtungen wie der „Energie Campus Nürnberg“ oder das „E-Drive Projekt“ beheimatet sind.

Laut dem Nürnberger SPD-Vorsitzenden, Thorsten Brehm, hätte man den Campus auf AEG „problemlos auf das Quelle-Areal erweitern können“. Die beiden Industriebauten stehen sich an der Fürther Straße direkt gegenüber.

Markus Söder träumte häufig von der Wissenschaftsmeile, die entlang der Fürther Straße entstehen und den schmerzhaften Untergang der alten Industrien vergessen machen würde. „Die Fürther Straße wird eine echte Technologiemeile“, kündigte Söder noch im Jahr 2015 im Hinblick auf den geplanten Technik-Campus euphorisch an.

SPD übt Kritik an CSU

Bertram Schultze versteht nicht, warum sich die Politik diese Chance hat entgehen lassen. Politiker hätten sich dies schließlich schön ans Revers heften können, mit AEG und Quelle die Symbole des industriellen Niedergangs in neue Technologie- und Wissensstandorte umzuwandeln.

SPD-Chef Brehm ist sicher, dass genau dies möglich gewesen wäre. Wenn nur der Wille dazu vorhanden gewesen wäre. Diesen Weg habe sich die CSU aus wahltaktischen Gründen verbaut. „Das rächt sich nun“, sagte Brehm nach dem Aus.

Der neue Eigentümer der Quelle wollte dem Freistaat große Teile des ehemaligen Versandhandelsgebäudes für den Bau von Forschungseinrichtungen überlassen. Söder warnte vor einem „Milliardengrab für den Steuerzahler“ und winkte ab.

Söder: „Verlagerung kommt“

Kleinlaut gibt sich der Minister nach dem Aus für AEG indes nicht. „Es steht fest: Die geplante Verlagerung nach Nürnberg wird umgesetzt“, bekräftigte Minister Söder zum Jahreswechsel zuversichtlich. Die Umsetzung der Pläne seien auf einem guten Weg. Das hofft offensichtlich auch die Uni-Leitung. „Wir sind zuversichtlich, dass die zuständigen Ministerien uns eine geeignete Lösung vorschlagen werden, die unsere FAU stärkt und zukunftssicher aufstellt“, teilte Uni-Präsident Joachim Hornegger auf Anfrage mit.

Einfach dürfte die Suche nach einem neuen Grundstück freilich nicht werden. „Eine günstige Verkehrsanbindung, die Verfügbarkeit der benötigten Fläche sowie die Studierbarkeit vollständiger Studiengänge auf dem Campus“ seien laut Hornegger „die Hauptkriterien für ein geeignetes künftiges Uni-Areal“. Die Studenten würden sich sicher freuen, wenn sie diese rosige Forschungszukunft noch miterleben dürften. Derzeit gleicht die Verteilung der Technischen Fakultät dem sprichwörtlichen Flickenteppich. So sind allein die Maschinenbauer derzeit auf 21 Standorte verteilt. Die Chemie- und Bioingenieure sogar auf 28. Zeit, dass sich was bewegt.

Finanzminister Markus Söder steht wegen des Aus für den Technik-Campus „auf AEG“ stark in der Kritik – gibt sich aber betont zuversichtlich.

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