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Kunst

Noch eine Wiedervereinigung

Pünktlich zum Jahreswechsel feiert Nürnberg im Tucherschloss ein romantisches Wiedersehen nach Jahrhunderten.
von Nikolas Pelke

Ursula Tucher ist zur ihrem Mann zurückgekehrt – einer aktuellen Ausstellung sei dank. Foto: Arno Hensmanns
Ursula Tucher ist zur ihrem Mann zurückgekehrt – einer aktuellen Ausstellung sei dank. Foto: Arno Hensmanns

Nürnberg.Nach Jahrhunderten der Trennung können sich die Eheleute Hans und Ursula Tucher endlich wieder verliebt in die Augen schauen. Die Wiedervereinigung findet allerdings nicht in natura, dafür aber immerhin in Öl statt.

Die Tucher sind offensichtlich besonders reiche Pfeffersäcke gewesen. Keine andere Nürnberger Familie soll häufiger bei Malern Modell gestanden haben. Schon für das 15. Jahrhundert sind viele Bildnisse für die Patrizier-Familie dokumentiert. Besonders berühmt sind die beiden Porträts von Hans Tucher und seiner Frau Ursula aus der Werkstatt des berühmten Nürnberger Malerunternehmers Michael Wolgemut (1434/37 – 1519), dem seine Heimatstadt derzeit eine umfassende Ausstellung mit neuen Stationen widmet. Eine davon befindet sich im Tucherschloss und feiert die kurz vor dem Jahreswechsel geglückte Wiedervereinigung von Hans und Ursula.

1479 brach Hans gemeinsam mit seinem Ratskollegen Sebald Rieter von Nürnberg nach Jerusalem auf, das sich seit dem 11. Jahrhundert als exotisches Traumziel und ferner Sehnsuchtsort im christlichen Abendland etabliert hatte. Pilgerfahrten zur Heiligen Stadt lagen seit dem Ende des 15. Jahrhunderts voll im Trend bei der Oberschicht. Manche Pilger waren laut den Museen der Stadt Nürnberg fasziniert von fremden Kulturen.

Die meisten hätten sich freilich aus persönlicher Frömmigkeit auf den langen und beschwerlichen Weg begeben. Für Hans Tucher müssen die Eindrücke auf dieser Reise überwältigend gewesen sein. 1480 kehrte der Nürnberger Patrizier als „Ritter vom Heiligen Grab“ hochdekoriert in seine Heimatstadt zurück.

Persönlichen Bericht verfasst

Wie viele Jerusalem-Reisende hat auch Hans Tucher über seine beeindruckenden Erlebnisse auf der Jerusalem-Fahrt einen persönlichen Bericht verfasst. Damit sollte den Daheimgebliebenen ein „Stück Jerusalem“ erfahrbar und erlebbar gemacht werden. Das Pilgerbuch des Fernhandelskaufmanns und „Jerusalemfahrers“ Hans Tucher ist seinerzeit schnell zum Reisebuch-Bestseller avanciert.

Nach seiner glücklichen Rückkehr aus Jerusalem hat Hans offensichtlich sein Bildnis in der Werkstatt Michael Wolgemuts in Auftrag gegeben. Das Porträt ist auf das Jahr 1481 datiert und zeigt Hans Tucher im Alter von 53 Jahren. Das Gemälde befindet sich bis heute im Eigentum der Familie Tucher. In erster Ehe ist Hans mit Barbara Ebner verheiratet gewesen. Nach Barbaras Tod im Jahr 1467 heiratete Hans seine Ursula. Das berühmte Bildnis ist allerdings bereits ein Jahr vor der Abreise Hans` ins Heilige Land entstanden. Warum das Ursula-Bildnis so lange vor dem Porträt ihres Mannes gemalt wurde, ist laut den Museen der Stadt Nürnberg ein bisher ungelöstes Rätsel. Vielleicht hat Hans das Porträtbild seiner neuen Gattin einfach als Talisman mit auf die weite Reise mitnehmen wollen?

Bildnisse mit Scharnieren

Sicher scheint jedenfalls, wie die Bildnisse des frommen Tucher-Ehepaares getrennt worden sind. Vermutlich ist das Ursula-Porträt im frühen 17. Jahrhundert an die Landgrafen von Hessen-Kassel verkauft worden. Die bis vor Kurzem getrennten Bildtafeln haben ursprünglich ein Diptychon gebildet. Über ein Scharnier seien die Porträts wie zwei Seiten in einem Buch miteinander verbunden gewesen, schreibt Sebastian Schmidt über das Doppelbildnis für den Katalog des nun im Rahmen der Wolgemut-Ausstellung glücklich wiedervereinigten Ehepaars Hans und Ursula Tucher.

Deshalb würden sich die beiden Eheleute auch gegenseitig so tief in die Augen schauen.

Die Tuchers

  • Paar: Das Porträt des „Jerusalemfahrers“ Hans Tucher ist 1481 datiert und zeigt ihn im Alter von 53 Jahren. Das Bildnis der Ursula ist bereits 1478 entstanden – also noch vor der Pilgerreise von Hans.

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