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Bayern

„Nürnberg auf Augenhöhe von München“

Markus Söder hat am Donnerstag das neue Heimatministerium in Nürnberg eröffnet. In dem Gebäude werden etwa 100 Mitarbeiter arbeiten.

Markus Söder im November vor dem künftigen Heimatministerium. Foto: dpa

Nürnberg.Das neue Heimatministerium ist an diesem Tag nicht zu übersehen: Ein breites blaues Band mit weißem Schriftzug prangt an der Front. Minister Söder frohlockt zur Eröffnung und streichelt mehrfach die fränkische Seele.

Der Spott war schließlich groß gewesen, als die Pläne von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bekanntwurden: Der Freistaat sollte als einziges Bundesland ein Heimatministerium bekommen. Typisch für die Bayern, mag sich mancher jenseits des Weißwurstäquators gedacht haben und das Ganze als Wahlkampffolklore abgetan haben. Schnell wurden Spitznamen für das neue Haus gefunden wie Heimatmysterium, Heimatmuseum oder „Homeland-Security“.

Doch dann wurde recht schnell Ernst gemacht: Finanzminister Markus Söder (CSU) wurde zum Heimatminister erkoren, Nürnberg als zweiter Dienstsitz des Finanzministeriums benannt und ein repräsentatives Gebäude in der Altstadt gefunden. Am Donnerstag nun wurde das Haus feierlich eröffnet. Söder betont, dies sei ein historischer Tag: „Nürnberg ist jetzt Mitregierungssitz in Augenhöhe von München.“

Erstmals seit der Staatsgründung 1806 werde Regierungshandeln nun dauerhaft nicht nur in der Landeshauptstadt stattfinden. „Jetzt ist nicht mehr nur München alleiniges Mekka für politisches Handeln.“ Vor zahlreichen Landräten und Regierungspräsidenten streichelt Söder vor allem die fränkische Seele: „Wir sind aus Lust und Leidenschaft in Franken“, sagt er. Und: „München ist schön, aber Nürnberg ist schöner.“

Sein Herz habe von Anfang an für das von Sep Ruf gebaute frühere Staatsbank-Gebäude geschlagen. „Es ist ein Stück gelebter Nürnberger Geschichte. Einen besseren Platz gibt es in Nürnberg nicht, mit Blick zur Kaiserburg und direkt an der Lorenzkirche.“

Im bis zu 200 Gäste fassenden Foyer sollen künftig auch regelmäßig Tagungen stattfinden. Der Raum schaffe eine „innovativ-kreative Atmosphäre“. Diese soll dann wohl auch den Kabinettsmitgliedern zugutekommen, die ihre Sitzungen künftig ein- bis zweimal im Jahr dort abhalten sollen. Gewöhnen müssen sich Söders Kollegen dann sicher auch an daran, dass der Raum von außen gut einzusehen ist.

Die Abteilungen sollen sich um das schnelle Internet, den demografischen Wandel und die Landesentwicklung kümmern. „Damit ist das Heimatministerium zuständig für die vielleicht wichtigste Aufgabe des Landes“, sagt Söder. Diese müsse so gesteuert werden, dass nicht nur München prosperiere.

Dass das neue Ministerium dieser Aufgabe gerecht werden kann, hat die SPD von Anfang bezweifelt. Heimat könne nicht aus einem Ministerium ferngesteuert werden, sagte SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. Und Heimat brauche keine „CSU-Zentralbürokratie“. Stattdessen sollten die Regionen und die Kommunen gestärkt werden. Kritisiert wurde auch, dass ausgerechnet Bayerns zweitgrößte Stadt ausgesucht wurde, um von dort aus den ländlichen Raum zu fördern.

Befürchtungen, zwei Standorte könnten die Zusammenarbeit innerhalb der Behörde erschweren, wischt Söder vom Tisch: „Es gibt auch Paare, die sich innerhalb eines Hauses mit dem Telefon anrufen, weil es ihnen zu weit ist.“ Auch in Behörden tausche man sich per E-Mail aus und laufe nicht immer nicht über den Gang. „Es wäre ja ein Armutszeugnis, wenn in Zeiten von elektronischer Datenverarbeitung wir nicht in der Lage wären, Aktenvorgänge von unterschiedlichen Standorten aus korrekt zu bearbeiten.“

Söder und sein Staatssekretär Albert Füracker, Chef der künftig 100 Mitarbeiter in Nürnberg, werden ihre Büros wohl im Mai beziehen. Bis Anfang 2015 sollen dann alle Mitarbeiter in dem 3500 Quadratmeter großen Gebäude sein.

(dpa)

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