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Ministerium

Nürnberg hat Angst vor Fürth

Nürnberg befürchtet, dass ihnen die Fürther das neue Gesundheitsministerium vor der Nase wegschnappen könnten.
Von Nikolas Pelke

Noch residiert das Gesundheitsministerium im Nürnberger Gewerbemuseum. Aber die Suche nach einem neuen Standort hat bereits begonnen. Foto: Karmann/dpa
Noch residiert das Gesundheitsministerium im Nürnberger Gewerbemuseum. Aber die Suche nach einem neuen Standort hat bereits begonnen. Foto: Karmann/dpa

Nürnberg.Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) ist mit seinem Plan im Stadtrat grandios gescheitert, das Gesundheitsministerium im schicken Gewerbemuseum beim Nürnberger Hauptbahnhof dauerhaft unterzubringen. Dafür hätte das städtische Bildungszentrum (BZ) aus dem Prachtbau ausziehen müssen.

Selbst die eigenen Genossen sind gegen diese Maly-Idee auf die Barrikaden gegangen. Jetzt befürchtet der CSU-Fraktionsvorsitzende Marcus König gar, dass sich Nachbarstädte wie Fürth um die Ansiedlung des Gesundheitsministeriums bemühen könnten. Gerüchten zur Folge soll es laut Marcus König bereits Interessenbekundungen seitens der Nachbarstadt Fürth gegeben haben. Deshalb will der CSU-Fraktionschef den Stadtrat so schnell wie möglich zu einem Bekenntnis zum Standort Nürnberg des Gesundheitsministeriums bewegen.

Derweil weist der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) entsprechende Gerüchte auf Anfrage zurück. „Die Stadt Fürth hat sich zu keinem Zeitpunkt als Standort für das Gesundheitsministerium ins Spiel gebracht“, erklärt Jung gegenüber diesem Medienhaus am Donnerstag auf Anfrage. Das habe die Nürnberger CSU als Gerücht wahrgenommen. „Dies entbehrt aber jeder Grundlage.“ Jung weist allerdings auch auf die vielen Vorteile hin, die eine neue Behörde in und für die Kleeblattstadt bringen würde.

Konkrete Erfahrungen gemacht

Jung hat bereits konkrete Erfahrungen mit einer Behördenverlagerung gemacht. Das Bayerische Landesamt für Statistik hat im Jahr 2016 seinen Sitz vollständig von München nach Franken verlegt. In der Zeit der Quellekrise sei diese Botschaft laut Jung „psychologisch außerordentlich wichtig“ gewesen. „Wir hatten hier ein Sonderarbeitsamt und Arbeitslosenquoten im zweistelligen Bereich“, erinnert sich Jung an die Krisenjahre zurück. Jetzt liege die Arbeitslosigkeit in Fürth unter fünf Prozent. Die Ansiedlung des Statistikamtes habe Stabilität für den Arbeitsmarkt mit sich gebracht. Obendrein sei die Stadt Fürth durch die Statistikbehörde bayernweit deutlich bekannter geworden. „Immer wieder gibt es jetzt Meldungen in den Medien aus Fürth, nämlich immer dann, wenn das Statistikamt neue Zahlen oder Statistiken veröffentlicht“, freut sich Jung über diesen positiven Nebeneffekt der Behördenverlagerung von Oberfranken nach Mittelfranken.

Jung macht vor dem Hintergrund dieser positiven Erfahrungen keinen Hehl daraus, dass er selbstverständlich nicht abgeneigt wäre, falls Gesundheitsministerium Melanie Huml (CSU) in Fürth anklopfen würde. „Wir würden ein entsprechendes Angebot aus München immer dankbar annehmen“, sagt Jung in aller Deutlichkeit in Richtung der nördlichen Nachbarstadt. Überhaupt sei Fürth mit Nürnberg bereits so verwachsen, dass es „faktisch keinen Unterschied“ macht, ob ein Ministerium auf Fürther oder Nürnberger Stadtgebiet liege. Jung hat noch weitere Argumente, die für seine Stadt sprechen. Im Vergleich zu allen anderen Großstädten in Bayern sei Fürth bei bayerischen Behördenarbeitsplätzen immer noch weit unterrepräsentiert.

Suche nach neuem Standort

Deshalb dürfen sich die Nürnberger wohl nicht wundern, wenn Fürth bald tatsächlich und ganz offiziell um die Gunst des Gesundheitsministeriums buhlt. „Wir freuen uns grundsätzlich über jedes Ministerium und jede Bayerische Staatsbehöde für unser Stadtgebiet“, unterstreicht Jung. Diese Aussagen dürften die „Gerüchteküche“ rund um das Nürnberger Rathaus weiter anheizen. Der Nürnberger Wirtschaftsreferent, Michael Fraas (CSU), verspricht unterdessen, das Huml-Ministerium bei der drängenden Immobiliensuche „selbstverständlich“ unterstützen zu wollen. Fraas kritisiert gleichzeitig die Grünen, die den Behördenumzug von München nach Nürnberg infrage stellen. Auch der Fürther Oberbürgermeister spricht sich für den Behördenumzüge aus. „Der Behördenumzug des Gesundheitsministeriums von Oberbayern nach Mittelfranken ist richtig“, ist sich Thomas Jung sicher. München brodele über.

Kurz & knapp

  • Umzug: Seit 2017 zieht das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sukzessive nach Nürnberg um. Der Umzug geht auf eine Entscheidung des Ministerrats von 2016 zurück.
  • Stand:Momentan sind am Nürnberger Dienstsitz rund 70 Mitarbeiter tätig - bis Ende des Jahres 2019 werden es voraussichtlich rund 100 sein“, erklärte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU)

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