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Insekten

Nürnberg setzt auf Blühwiesen

Eigentlich ist die Idee gar nicht so neu: Dafür hat sich eine berühmte Biologin schon vor 350 Jahren eingesetzt.
von Nikolas Pelke

Wild wucherne und bunt blühende „Bienenweide“ beim Kontumazgarten in Nürnberg  Foto: Nikolas Pelke
Wild wucherne und bunt blühende „Bienenweide“ beim Kontumazgarten in Nürnberg Foto: Nikolas Pelke

Nürnberg.Damit Biene & Co. in der City nicht schmachten müssen, ist beim Kontumazgarten gerade eine 300 Quadratmeter große „Bienenwiese“ entstanden, die sich an den historischen Forschungen der Nürnberger Naturpionieren, Maria Sibylla Merian, orientiert. Die berühmte Biologin hat sich direkt nach ihrer Ankunft in Franken im Jahr 1668 bereits intensiv mit der heute mehr denn je aktuellen Frage beschäftigt, welche Pflanzen den possierlichen Tierchen besonders gut schmecken könnten.

Wie in einem bunt kolorierten Bilderbuch leuchten die Blumen auf der „Merianin-Wiese“ beim Kontumazgarten an der Hallerweise um die Wette. Im letzten Jahr hat die Stadt die „Bienenweide“ angesät. Jetzt blühen 50 Wild- und Kulturpflanzenarten wie Korn- oder Ringelblume in voller Pracht. Die Zusammenstellung des „Bienen-Restaurantes“ basiert laut Stadt auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen der „Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau“ im unterfränkischen Veitshöchheim bei Würzburg. Neben „blühfreudigen Arten“ könne der Blumen- und Bienenfreund auf der „Merianin-Wiese“ auch „langlebige Wildstauden“ entdecken. Nach dem Verblühen von einjährigen Arten wie Sonnenblume & Co. prägen nun mehrjährige Pflanzenarten wie Königskerze, Wildmalve oder Wiesensalbei in diesem Sommer das prächtige Blumenbild. Insgesamt sollen sich die Stadt-Bienen rund fünf Jahre an der neuen „Bienenwiese“ am Kontumazgarten laben können. Selbst über den Winter sollen die trockenen Stängel nicht „unters Messer“ kommen und die Wiese als Winterquartier für die Insekten ungeschoren stehen bleiben dürfen.

Nach diesem Muster sollen zukünftig viele weitere „Blumenweiden“ in Nürnberg entstehen, erklärt Ulrike Göken-Haidl, Sprecherin des städtischen Servicebetriebs für den öffentlichen Raum (SÖR) auf Anfrage dieses Medienhauses. Beispielsweise sollen schon im nächsten Jahr weitere Blühwiesen bei der Sternwarte am Rechenberg und im Cramer-Klett-Park bei der Ohm-Hochschule entstehen. Entlang der großen Verkehrsachsen wie beispielsweise der Münchner Straße im Stadtsüden würden mittlerweile ebenfalls „Blühwiesen“ angelegt, berichtet die SÖR-Sprecherin weiter.

Hohes Gras, faule Stadt

Auf diese neue „Bienen-Offensive“ müssten sich die Bürger in Nürnberg laut Göken-Haidl erst einstellen. Häufig würden sich derzeit noch Bürger über ungestutzte Wiesen beschweren. Bei dem Anlegen von „Bienenweiden“ sei das Mähverhalten allerdings entscheidend, erklärt SÖR-Sprecherin Göken-Haidl. „Wir reduzieren unsere Mahd im Straßenbegleitgrün und in den Grünanlagen. Das müssen wir der kritischen Bürgerschaft gegenüber offensiv und positiv erklären“, ist sich Göken-Haidl sicher. Häufig würden sich momentan noch Bürger nach dem Motto „Allmächd, ich seh` mein Hund nicht mehr in der Wiese!“ oder „Warum seid Ihr von der Stadt so faul und mäht ned?“ bei der Stadt beschweren.

Akzeptanz für Wildwuchs

Um die Akzeptanz für die neuen, wild wuchernden Blütenmeere in Nürnberg zu erhöhen, arbeitet die Stadt beispielsweise mit Bürgervereinen oder Naturschutzverbänden zusammen, die sich wiederum um die Pflege der Blühwiesen kümmern. Nach diesem Muster ist kürzlich im Nürnberger Stadtteil Zerzabelshof beim Tiergarten ein ödes Rasenstück in ein buntes Wiesenfeld umgewandelt worden. „SÖR stellt eine seiner Flächen zur Verfügung, die der Bund Naturschutz (BN) zusammen mit dem Vorstadtverein Zabo in Eigenregie in eine Blühwiese verwandeln wird“, freut sich Göken-Haidl. Von dem 2000 Quadratmeter großen Rasenstück wird ein 120 Quadratmeter großes Teilstück als Bienenweide dienen. Überall in der Stadt kann der Wildwuchs nicht dominieren. Die Bürgerschaft brauche laut Göken-Haidl klassisch kurzgeschorene Rasenflächen zum Liegen, Spielen und Feiern.


Kurz & knapp

  • Idee: Mehr Lebensräume für Bienen und andere Insekten will Nürnberg schaffen. Die Nürnberger Naturpionieren, Maria Sibylla Merian, ist Patin für viele Projekte.
  • Straßen: Durch naturnahe Pflege sollen blühende Wegränder und artenreiche Mittelstreifen entstehen.
  • Wiesen: Auf größeren Flächen setzt die Stadt auf insektenfreundliche wild wuchernde Wiesen.

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