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Politik

Nürnberg streitet über Drogentests

Die SPD fordert mobile Drogentests vor Discos, um Nachtschwärmer vor schlechtem „Stoff“ zu schützen. Die CSU ist dagegen.
Von Nikolas Pelke

SPD wünscht sich Drogen-Checks vor Discos, damit Feiernde durch Partydrogen besser geschützt sind. Foto: Christine Dierenbach
SPD wünscht sich Drogen-Checks vor Discos, damit Feiernde durch Partydrogen besser geschützt sind. Foto: Christine Dierenbach

Nürnberg.Die SPD will Partygänger in Nürnberg vor qualitativ schlechten Drogen schützen. Vor Clubs und Discotheken soll die Stadt in einem Pilotversuch legale Qualitätschecks für Rauschmittel anbieten. Mit den mobilen Drogen-Laboren will die SPD besonders Gelegenheitskonsumenten vor einem „schlechten Trip“ bewahren. Partyhauptstädte wie Amsterdam oder Zürich haben die Nürnberger SPD-Fraktionschefin Anja Prölß-Kammerer auf die Idee mit den mobilen Testlaboren für die Reinheit von Partydrogen gebracht.
Wer in den Metropolen wie Berlin mehrere Nächte hintereinander durchtanzen will, greift dort immer häufiger zur Feierdroge. Die Nürnberg-SPD nimmt an, dass dieser fragwürdige Trend vor der Frankenmetropole nicht halt macht. Um die Gesundheit der Feierdrogen-Konsumenten besser zu schützen, will die SPD die Einführung von legalen Qualitätschecks für Feierdrogen in Nürnberg zunächst in einem Pilotversuch testen. Der anonym bleibende Konsument könne laut SPD einen Teil seiner illegalen Substanz zur chemischen Analyse abgeben. Nach dem Schnelltest könnten die Feierwütigen vor Verunreinigungen oder problematischen Dosierungen in ihren bunten Pillen gewarnt werden. Damit könne die Gefahr einer gefährlichen Überdosierung und gravierenden Gesundheitsschädigung reduziert werden. Nach dem Test sollen die Rauschmittel zum Konsum zurückgegeben werden.

Kurz in das Gewissen reden

Vorher soll den Freizeit-Konsumenten aber noch zumindest kurz ins Gewissen geredet werden. „Eine Testmaßnahme sollte sich nicht auf die reine Vornahme einer Analyse beschränken, sondern stets ein zumindest kurzes Gespräch mit einem Berater beinhalten, um sich über das Analyseergebnis und Risiken des Konsums austauschen zu können“, schreibt die SPD-Fraktionschefin Anja Prölß-Kammerer in ihrem Antrag „Drogen-Check als Präventionsmaßnahme“. Auf den erhobenen Zeigefinger will die SPD bei der Aktion also nicht ganz verzichten. Denn die Kenntnis über die Gefährdungspotenziale, so die Hoffnung der SPD, könnten die Partyszene zunächst zum Nachdenken bewegen. Ins Grübeln hat der SPD-Vorstoß für einen „Drogen-Check als Präventionsmaßnahme“ bereits den Partner in der großen Rathauskooperation gebracht. CSU-Fraktionschef Marcus König ist strikt gegen die Idee. Selbst einen Pilotversuch lehnt König ab. „Die Idee klingt absurd, man lässt vor dem Diskobesuch ganz einfach mal von der Stadt die Drogen prüfen und bekommt sie dann zum baldigen Konsum zurück“, erklärt der CSU-Fraktionschef seine Absage an die Idee. Dieser „Service“ würde laut König sicher auch dankbar von Kleindealern angenommen, die auf diesem Wege kostenlos und städtisch gefördert die Reinheit ihrer Ware prüfen lassen könnten. Obendrein seien die mobilen Test-Labore für Partydrogen kaum mit den geltenden Gesetzen in Einklang zu bringen. Die CSU verweist nicht ohne Genugtuung darauf, dass selbst die Stadtverwaltung im „roten Rathaus“ den SPD-Vorschlag ebenfalls kritisiert.

Falsche Sicherheit

Das Gesundheitsamt Nürnberg geht beispielsweise davon aus, dass durch den Check der Partydrogen ein Effekt der Verharmlosung eintreten könnte. Auch die Landesapothekerkammer sieht eine Gefahr bei der Analyse der Produkte. Bei mobilen Tests sei es nicht immer möglich, alle potenziel toxischen Inhalte herauszufinden. Drogen-Checks würden deshalb nur eine gewisse, aber keine vollständige Sicherheit für die Konsumenten bieten. Das Polizeipräsidium Mittelfranken kritisiert, dass durch Qualitätstests der falsche Eindruck entstehen könnte, dass der Konsum von Partydrogen schadlos wäre. „Ich bin froh, dass alle Behörden diesen Antrag der SPD ablehnen“, freut sich CSU-Fraktionschef Marcus König. Eigentlich hätte der Sozialreferent, Reiner Prölß (SPD), schon heute den mehr oder weniger vernichtenden Sachstandsbericht zum Antrag seiner Parteifreunde vortragen müssen. Die Sitzung des Gesundheitsausschuss esist allerdings vom 23. Mai auf den 6. Juni verschoben worden.

Kurz & knapp

  • Vorbild Andere Partyhauptstädte wie Amsterdam oder Zürich haben die Nürnberger SPD auf die Idee mit den mobilen Testlaboren für die Reinheit von Partydrogen in der Frankenmetropole gebracht.

Strategie Mit den Drogen-Checks vor Clubs und Discos könnte laut SPD die Gefahr einer Überdosierung reduziert werden. Nach dem Test sollen die Rauschmittel zum Konsum zurückgegeben werden.

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