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Mittwoch, 23. Mai 2018 26° 8

Antrag

Nürnberg will „Eltern-Taxis“ ausbremsen

Viele Kinder werden mit dem Auto zur Schule gefahren. Stadträte wollen dagegen vorgehen und hoffen auf Hilfe der Polizei.
Von Nürnberg-Korrespondent Nikolas Pelke

Immer mehr Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule – und können so andere Kinder gefährden. Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Nürnberg.Sie sind bequem, sollen aber gefährlich für die Sicherheit auf dem Schulweg sein: „Eltern-Taxis“. Weil offensichtlich immer mehr Kinder in Nürnberg mit dem Privatauto zur Schule gefahren werden, will eine supergroße Koalition aus CSU, SPD, Grünen und FDP neue Maßnahmen gegen Mamas und Papas am Steuer auf den Weg bringen. Mit schärferen Parkverboten sollen die privaten Hol- und Bringdienste verbannt werden. Sogar die Polizei soll zum Einsatz kommen.

„Viele Eltern meinen, sie müssen ihren Nachwuchs bis in das Klassenzimmer fahren.“

Marcus König, CSU-Fraktionschef

Mit gutem Zureden können überzeugte „Helikopter“-Eltern offensichtlich nicht mehr erreicht werden. In den vergangenen Jahren hätten Elternabende und Elternbriefe „keinerlei Wirkung“ gezeigt, schreiben die Räte in ihrem Antrag. Trotz der Aufklärungsarbeit hätte sich der Trend zum „Eltern-Taxi“ in Nürnberg immer weiter verstärkt. „Viele Eltern meinen, sie müssen ihren Nachwuchs bis in das Klassenzimmer fahren“, bringt CSU-Fraktionschef, Marcus König, die Stimmungslage auf den Punkt. Deshalb sollen in Nürnberg nun wohl härtere Saiten aufgezogen werden.

Eltern als größtes Sicherheitsproblem

Auf die Palme bringt König das paradoxe Verhalten vieler Familien. „Die Eltern fordern Sicherheit vor Schulen, sind aber gleichzeitig das größte Sicherheitsproblem.“ Die Situation auf den Straßen vor den Schulen zum Schulbeginn um acht Uhr sowie zum Schulende um 13 Uhr habe sich trotz aller Bemühungen in der letzten Zeit noch verschärft. „Viele Eltern sind im Zeitdruck und fahren wie am Norisring viel zu schnell zur Schule, parken in der zweiten Reihe und lassen den Motor laufen, während sie die Schultasche ihren Sprösslingen hinterhertragen“, erklärt König im Tagblatt-Gespräch. „Nicht mehr zu tolerieren“ seien laut König die Bilder, die sich jeden Morgen hauptsächlich vor den Grundschulen abspielen.

Polizei zeigt wenig Begeisterung

Weil sich dieser Trend nach dem Befinden der Stadträte immer weiter verstärke, fordern diese eine härtere Gangart und neue Restriktion. Nach dem Motto „Wer nicht hören will, muss fühlen“ will die Mehrheit im Stadtrat die „Schul-Taxis“ mit neuen Park- und Halteverboten vor den Schulen ausbremsen. Mit Schildern allein ist das Problem allerdings wohl nicht zu lösen. Als Schwachstellen haben die Stadträte deshalb offensichtlich die Überwachung der Parkverbote ausgemacht. Schließlich sind legale Parkplätze schon heute vor den Schulen rar. Deshalb soll die Polizei die neuen Parkverbote kontrollieren. Die Polizei zeigt allerdings wenig Begeisterung und verweist auf die bereits bestehenden Bemühungen besonders zum Schuljahresbeginn. Eine „permanente flächendeckende Kontrolle aller Nürnberger Schulen“ sei aufgrund zeitgleich anderweitig anfallender Aufträge „nicht möglich“, teilt eine Sprecherin der mittelfränkischen Polizei mit. Ohnehin sei „keine wesentliche Verbesserung allein durch eine Steigerung des Überwachungsdruckes möglich“, ist man sich bei der Polizei sicher. Dort will man weiter auf Aufklärungsarbeit und Prävention setzen.

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Dagegen scheint den Stadträten die Lust auf gutes Zureden vergangen zu sein. In dem Antrag zeigen sie sich wild entschlossen, den Eltern mit empfindlichen Strafen endlich ins Lenkrad greifen zu wollen. „Ich bin der Meinung, viele Kinder schaffen den Schulweg auch zu Fuß. Wir wollen unseren Nachwuchs doch zur Selbstständigkeit erziehen“, erklärt König. Nürnberg versteht sich als bayerischer Vorreiter auf dem Gebiet der Schulwegsicherheit. „Wir haben als CSU den ersten Antrag 2010 gestellt, dass wir vor Schulen Tempo 30 einführen“, sagt König. Nach dem Vorbild des strikten Tempolimits vor Schulen sollen nun mithilfe der strengeren Parkverbote die „Helikopter-Eltern“ zur Räson gerufen werden.

Außerdem: In Regensburg startete ein Vater eine ungewöhnliche Aktion gegen „Eltern-Taxis“.

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