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Kultur

Nürnberger Kunsthalle eröffnet

Nach einer Zwangspause wird der moderne Kunsttempel mit der Schau „Hidden Beauty“ am Wochenende wieder begehbar sein.
von Nikolas Pelke

Hidden Beauty: Die Nürnberger Kunsthalle feiert Wiedereröffnung.  Foto:Pelke
Hidden Beauty: Die Nürnberger Kunsthalle feiert Wiedereröffnung. Foto:Pelke

Nürnberg.Nürnberg Eigentlich ist die Kunsthalle nicht zu übersehen. Zwischen grauen Bankhäusern springen die griechischen Säulen des Eingangsportals sofort ins Auge. Und doch liegt ein großer Teil des modernen Kunsttempels für den Betrachter verborgen. Sieben der acht Ausstellungsräume verstecken sich regelrecht hinter der Stadtmauer am Marientor.

Die Überschrift „Hidden Beauty“ (Versteckte Schönheit) für die aktuelle Ausstellung, mit der die Kunsthalle nach 18-monatiger Schönheitskur an diesem Wochenende bei freiem Eintritt ihre Wiedereröffnung feiert, ist vor diesem Hintergrund äußerst passend gewählt. „Die eigentliche Schönheit ist die versteckte Kunsthalle zwischen der Stadtmauer“, ist sich Ellen Seifermann, die Leiterin der Kunsthalle, sicher. Von der Straße sei die Größe des Musentempels noch nicht einmal zu erahnen, ärgert sich Seifermann über das Mauerblümchen-Dasein. Nach dem klassischen Eingangsportal mit seinen dorischen Rundsäulen ist nur der relativ kleine Eingang für hastig vorbeieilenden Großstädter von Außen auf den ersten Blick zu erhaschen.

Hidden Beauty

  • Party Die Wiedereröffnung der Kunsthalle wird am Wochenende gefeiert. Los geht es am Freitagabend ab 18 Uhr mit Foodtruck, Drinks und Musik.

Das findet Seifermann bedauerlich. „Unsere Architektur ist so besonders“, versucht Seifermann aus der versteckten Not eine urbane Tugend zu machen. Wer den Eingang einmal gefunden habe, werde schließlich von einem über 500 Quadratmeter großen Kunstraum mit sieben genauso verschachtelten wie fensterlosen Ausstellungsflächen überrascht.

Fühlen wie Alice im Wunderland

„Spätestens im zweiten oder dritten Raum fühlen sich die Besucher wie Alice im Wunderland“, sagt Seifermann und schwärmt von dem endlosen Labyrinth, das nur mit Deckenfenstern beleuchtet wird. Besonders das Oberlicht würde den Hallenräumen eine Aura der Konzentration verleihen. „Bei uns wird der Besucher nicht abgelenkt“, ist sich Seifermann sicher. Weil es zuletzt allerdings immer häufiger durch die verglasten Dachöffnungen getröpfelt hatte, musste sich die 106 Jahre alte Kunsthalle einer 18-monatigen Schönheitskur unterziehen. Für insgesamt rund 3,3 Millionen Euro ist das städtische Museum für moderne Kunst wieder wetterfest gemacht worden. Mit dem Geld sind gleichzeitig auch noch neue LED-Lampen angeschafft worden, die das Kunsterlebnis besonders an dunkelgrauen Herbsttagen deutlich „erhellen“ dürften.
Zurück zur versteckten Architektur der Kunsthalle. In diese hat Ellen Seifermann zur Wiedereröffnung allerlei Installationen versammelt. Den Anfang macht die zwar nur virtuell, aber durchaus geräuschvoll zuschlagende Video-Tür von Monica Bonvicini. Anschließend sorgen besonders die vertikal im Raum verteilten Flugzeugböden, die der in Köln lebende Michail Pirgelis auf Airbusfriedhöfen findet, für überraschende Wahrnehmungseffekte.

Am Ende steht die Umkehr

Am Ende des Ausstellungsrundganges steht für jeden Besucher die Umkehr. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wie in einem Kopfbahnhof müssen die Besucher den umgekehrten Weg antreten, um wieder ins Freie zu gelangen. Auf dem Rückweg kann der Besucher die Räumlichkeiten ein zweites Mal aus neuer Perspektive bewundern. Dabei kann so etwas wie Liebe auf den zweiten Blick entstehen. Oder wie Seifermann sagen würde: „Die DNA unseres Hauses liegt in ihrer Architektur verborgen.“

Manch einer wird den allerletzten Raum vor der Umkehr freilich nicht mehr so schnell verlassen wollen. Denn hier hat Laure Prouvost kleine Sehnsüchte und große Träume in Kühlschränke verfrachtet, die Botschaften ins Universum flüstern.

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