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Wirtschaft

NürnbergMesse: Glücksgriff Griechenland

28 Millionen Euro Gewinn im Rekordjahr 2018, 60 neue Mitarbeiter in Athen: Die NürnbergMesse schreibt Geschichte.
Von Birgit Ropohl

Pressesprecher Dr. Thomas Koch (v.l.), Dr. Roland Fleck und Peter Ottmann in Athen: Gleich beginnt die Bilanzpressekonferenz.Fotos: Birgit Ropohl
Pressesprecher Dr. Thomas Koch (v.l.), Dr. Roland Fleck und Peter Ottmann in Athen: Gleich beginnt die Bilanzpressekonferenz.Fotos: Birgit Ropohl

Nürnberg.Die Geschäftsführer Dr. Roland Fleck und Peter Ottmann sprechen von einem „historischen Ereignis“: Als erste deutsche Messegesellschaft steigt die NürnbergMesse in den griechischen Markt ein – und landet gleich einen Volltreffer. Sie erwirbt den profitablen Marktführer Forum SA – als ihre sechste internationale Tochtergesellschaft. Mit 60 Mitarbeitern ist sie auf Anhieb die größte.

„Ein echter Glücksgriff“, sagen die Nürnberger. Das ist auch der Grund, warum sie erstmals eine Bilanzpressekonferenz ins Ausland verlegt haben. Nach Athen, dorthin, wo Forum seinen Sitz hat. Im innovativen Kulturzentrum am Rande der Altstadt, mit Blick auf Akropolis und Parthenons, verkünden Fleck und Ottmann die Bilanz-Zahlen aus dem so „fulminanten Geschäftsjahr 2018“.

Umsatz von 315, 1 Millionen Euro

Kulisse: Kann denn Tagen schöner sein? Hoch oben im 9. Stock des Kulturzentrums befinden sich Tagungsräume und eine riesige Freifläche, von der sich ein grandioser Blick auf Athen, die umgebenden Hügel und das Meer bietet. Sogar die Akropolis und der Parthenon sind zu sehen. Foto: Ropohl
Kulisse: Kann denn Tagen schöner sein? Hoch oben im 9. Stock des Kulturzentrums befinden sich Tagungsräume und eine riesige Freifläche, von der sich ein grandioser Blick auf Athen, die umgebenden Hügel und das Meer bietet. Sogar die Akropolis und der Parthenon sind zu sehen. Foto: Ropohl

Es sei das bislang erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte gewesen, der „Eintritt in eine neue Dimension“. Rekorde in allen Bereichen. Sowohl beim Umsatz von 315, 1 Millionen Euro (plus 9,4 Prozent gegenüber dem turnusbedingt vergleichbaren Jahr 2016) als auch beim Ertrag: Satte 28 Millionen Euro Gewinn (nach Steuern), so viel wie noch nie.

Dazu weitere Rekorde: 35 462 Aussteller (plus 10 Prozent), 181 Veranstaltungen (plus 5 Prozent), über 1,2 Millionen Quadratmeter vermietete Quadratmeter, erstmals wieder seit 1999 (große Sonderveranstaltungen) mehr als 1,5 Millionen Besucher. Damit hat die Messe ihre für 2020 gesetzten Ziele bereits 2018 erreicht.

Rückenwind für Investitionen

Messegelände: In unmittelbarer Nähe zum Flughafen befindet sich die Metropolitan Expo, ein modern ausgestattetes Messezentrum. Hier finden 95 Prozent aller griechischen Messen statt. Die Ausstellungsfläche in den vier Hallen beträgt 45 000 Quadratmeter. Foto: Ropohl
Messegelände: In unmittelbarer Nähe zum Flughafen befindet sich die Metropolitan Expo, ein modern ausgestattetes Messezentrum. Hier finden 95 Prozent aller griechischen Messen statt. Die Ausstellungsfläche in den vier Hallen beträgt 45 000 Quadratmeter. Foto: Ropohl

Das gibt Rückenwind für Investitionen wie den Kauf von Forum. Wie es dazu kam? Forum-Gründer und Besitzer Nikos Choudalakis ist 68 Jahre alt, hat keine Kinder und war auf der Suche nach einem starken Käufer, der sein Lebenswerk in seinem Sinne fortführen werde. Er checkte eine Reihe von Interessenten. Seine Wahl fiel schließlich auf die NürnbergMesse. Die Chemie habe gestimmt, sagt Choudalakis. 80 Prozent der Anteile hat die NürnbergMesse erworben, 2o Prozent bleiben bei Choudalakis.

Auch Nürnberg profitiert

„So eine Perle lässt man nicht liegen“, erklärt Ottmann. Auch der Heimatstandort Nürnberg werde von dem Kauf profitieren, ein echtes Win-win. Inhaltlich passten die Forum-Messen mit Schwerpunkt auf den Segmenten Essen, Getränke und Hotellerie exzellent zu gleich mehreren internationalen Produktfamilien der NürnbergMesse. Perfekt, um Synergien zu nutzen. Darüber hinaus sei Forum kerngesund.

Weiter an Bord

Kulturzentrum: Das Stavros Niarchos Kulturzentrum, errichtet von einer Stiftung und ein begehrter Veranstaltungsort, liegt vier Kilometer südlich vom Stadtzentrum, nahe einer Uferzone. Die war 2004 als Freizeitlandschaft für die Olympischen Spiele gebaut worden. Foto: Ropohl
Kulturzentrum: Das Stavros Niarchos Kulturzentrum, errichtet von einer Stiftung und ein begehrter Veranstaltungsort, liegt vier Kilometer südlich vom Stadtzentrum, nahe einer Uferzone. Die war 2004 als Freizeitlandschaft für die Olympischen Spiele gebaut worden. Foto: Ropohl

Die erfolgreiche Führungsmannschaft, jung und motiviert, solle weiter an Bord bleiben. Ottmann ist überzeugt, dass sich die griechische Krise dem Ende nähere. Er geht von einer guten langfristige Perspektive aus. Gemeinsam mit dem Team vor Ort wollen die Nürnberger die bestehenden acht Messen vergrößern, neue erarbeiten und die Internationalität steigern. Chancen sehen sie vor allem Richtung Balkan, aber auch Italien und Indien. Die entsprechende Infrastruktur ist vorhanden. Direkt beim Flughafen liegt das moderne Expo-Zentrum Metropolitan. Vier private Investoren haben es gebaut. Dort finden 95 Prozent aller griechischen Messen statt.

Medien: Messe-Geschäftsführer Dr. Roland Fleck war (wie auch sein Kollege Peter Ottmann) begehrter Interviewpartner von deutschen wie auch regionalen Medien. Ein enormes Aufgebot von griechischen Medienvertretern interessierte sich für den Einstieg der Nürnberger in Athen. Foto: Ropohl
Medien: Messe-Geschäftsführer Dr. Roland Fleck war (wie auch sein Kollege Peter Ottmann) begehrter Interviewpartner von deutschen wie auch regionalen Medien. Ein enormes Aufgebot von griechischen Medienvertretern interessierte sich für den Einstieg der Nürnberger in Athen. Foto: Ropohl

Expo-Direktor D. Marinos-Marinos rechnet, als Folge der Neuwahlen vom Wochenende, mit einem Erstarken der Wirtschaft. Es bestehe Nachholbedarf. Aufbruchstimmung herrsche, geprägt von Optimismus, erklärt er in perfektem Deutsch. Er hat längere Zeit in Deutschland gelebt, kennt die Mentalität beider Länder. Ob seine Landsleute Probleme mit Deutschen haben? Nein, meint er. Manche Politiker würden zwar etwas anderes sagen, aber die breite Bevölkerung nicht. Die wisse, dass Griechenland über seine Verhältnisse gelebt habe. „Auch ich habe zu viele Kredite aufgenommen. Die Bank hat sie mir ja jeden Tag angeboten“, gesteht er.

Schwarze Zahlen

Über schwarze Zahlen hingegen kann sich die NürnbergMesse bei all ihren Tochtergesellschaften freuen. Die bisherigen fünf Töchter in China, Indien, Brasilien, Italien und Nordamerika sind wesentlich am Erfolg der Unternehmensgruppe beteiligt. 30,1 Millionen Euro steuerten sie zum Umsatzrekord 2018 bei. 2019 wächst das internationale Veranstaltungsportfolio auf 75 Fachmessen. Zu den acht in Athen gesellen sich acht weitere neue Produkte, darunter die erste Getränkemesse in Mittelamerika (Beviale Mexico).

Hohe Investitionen zu Hause

Trotz der strategischen Ausrichtung, im Ausland kontinuierlich zu wachsen, schlägt das Herz der Messe-Gruppe am Heimatstandort Nürnberg. Hier wird weiterhin kräftig investiert. Nach dem Flächenausbau auf 180 000 Quadratmeter stehen jetzt vor allem Investitionen in die digitale Infrastruktur (zehn Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren) und weitere Service-Verbesserungen an. „Förmlich aus den Händen gerissen“ wird den Nürnbergern laut Roland Fleck die Ende 2018 integrierte Halle 3C, ein architektonisches wie technisches Schmuckstück – und als weltweit erste Messehalle von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltigkeit mit dem höchsten Prädikat „Platin“ ausgezeichnet.

Vielversprechend hat auch das Jahr 2019 begonnen. Die zehn internationalen Messen der ersten sechs Monate wuchsen überproportional, die dynamische Entwicklung dürfte sich im zweiten Halbjahr fortsetzen.

Zum Jahresende erwarten Fleck und Ottmann einen Konzernumsatz von über 270 Millionen Euro. Der liegt zwar unter dem Rekord von 2018, wäre aber der höchste Umsatz in einem ungeraden Jahr, in dem turnusbedingt stets weniger Messen stattfinden als in geraden Jahren.

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