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NürnbergMesse vor dem Neustart

Aussteller und Kunden vernetzen: Das geschieht künftig nicht nur vor Ort, sondern verstärkt in digitaler Form.
Von Birgit Ropohl

Zur Zeit ist Abstand angesagt – auch bei den beiden erfolgreichen Messe-Chefs Peter Ottmann und Dr. Roland Fleck.
Zur Zeit ist Abstand angesagt – auch bei den beiden erfolgreichen Messe-Chefs Peter Ottmann und Dr. Roland Fleck. Foto: Birgit Ropohl

Nürnberg. Die Vorzeichen standen noch vor wenigen Monaten ausgezeichnet: 2020 wäre – unter normalen Bedingungen – das beste Jahr in der mehr als 45-jährigen Geschichte der NürnbergMesse geworden. Ein absolutes Rekordjahr mit einem voraussichtlichen Umsatz von 350 Millionen Euro. „Doch dann hat Corona unser Geschäftsmodell schockgefrostet“, sagt Geschäftsführer Peter Ottmann am Dienstagmittag bei der Bilanzpressekonferenz.

Statt Einnahmen zu verbuchen, musste die Messe Geld zurückzahlen – zum Beispiel an Aussteller, die für dieses Jahr bereits Flächen für Messen bezahlt hatten, die dann gar nicht stattfinden konnten. 41 Messen in ihrem weltweiten Netzwerk mussten die Nürnberger bislang absagen oder verschieben, davon allein 23 im Messezentrum Nürnberg.

Vieles wird anders

Doch langsam ist Licht am Ende des Tunnels. Ab September sind in Bayern Messen wieder erlaubt. „Damit unser Wiedereinstieg ins Messegeschäft erfolgreich gelingt, haben wir uns in den vergangenen Monaten intensiv mit verschiedenen Zukunftsszenarien für Messen auseinandergesetzt und neue Konzepte entwickelt – sowohl von Messen mit Corona als auch für die Zeit danach“, erklären Ottmann und sein Geschäftsführer-Kollege Dr. Roland Fleck.

Vieles ist ab September anders als gewohnt. Vor allem gilt laut Ottmann und Fleck ein dreistufiges Schutz- und Hygienemodell: die Verordnung des Freistaates Bayern für Messen in Bayern, ein Schutz- und Hygienegesetz für den Messeplatz Nürnberg und ein jeweils veranstaltungsbezogenes Konzept für die einzelnen Messen.

Es beinhaltet neben der üblichen Maskenpflicht und Abstandsregelung weitere Punkte wie „crowd managing“, also die räumliche Verteilung und Steuerung der Besucher, ausschließlichen Online-Ticketverkauf, kontaktlose Bezahlsysteme und den Verzicht auf Abendveranstaltungen.

„In der Krise haben wir auch eine wunderbare Erfahrung gemacht“, sagt Ottmann, „dass wir als Team fest zusammen stehen. Wir haben gemeinsam die Ärmel hochgekrempelt.“ Schnell sei klar gewesen, „dass noch viel schneller als ursprünglich geplant das bewährte reale Messe-Angebot durch neue hybride und digitale Plattformen erweitert werden müsse.

So fand vorige Woche die erste virtuelle Ausgabe der Medtec statt, bei der sich die Branche auf einer gemeinsamen Online-Plattform austauschte. Bei der GaLaBau im Herbst werden unter anderem Fachforen und Live-Präsentationen im Messezentrum virtuell zugänglich gemacht. Die it-sa bietet ab 6. Oktober laut Ottmann und Fleck „ganzjährige innovative Digitalformate, um die IT-Sicherheitsindustrie bestmöglich zu vernetzen“. Digitale Erweiterungen der realen Messeveranstaltungen bieten nach Überzeugung der beiden Geschäftsführer echten Mehrwert für Kunden und Gäste.

Thema Wasserstoff

Neue Wege geht die NürnbergMesse auch beim zukunftsträchtigen Thema Wasserstoff. Ottmann und Fleck: „Wir wollen die europäische Wasserstoffindustrie und -forschung vernetzen – mit dem Ziel, Nürnberg zur Wasserstoff-Hauptstadt Europas zu machen. Der Anfang ist bereits gemacht, der nächste Schritt folgt am 18. November mit dem „Hydrogen Dialogue“ in Nürnberg.

Dass die Verantwortlichen der NürnbergMesse derart optimistisch in die Zukunft blicken, ist nicht zuletzt dem beachtlichen Finanzpolster zu verdanken, das sie im vergangenen „goldenen Messejahrzehnt“ erwirtschaftet haben. Die Sicherung der Liquidität hat zudem seit Beginn der Corona-Krise höchste Priorität.

Um sie zu erreichen, wurden während der vergangenen Monate laut Fleck und Ottman in allen Bereichen des Unternehmens konsequent Kosten reduziert und Ausgaben eingespart. Beispielsweise habe man als erste Messegesellschaft in Deutschland im März 2020 Kurzarbeit eingeführt, unterstütz von Persolabteilung und Betriebsrat. Verschoben wurden millionenschwere Investitionen wie das geplante neue Kongresszentrum Süd und ein neues Mitarbeitergebäude. Außerdem habe sich die Belegschaft „mit großer Leidenschaft“ daran beteiligt, „ihre“ NürnbergMesse fit zu halten.

Erfolgreicher Beginn in China

Inzwischen stehen, freuen sich Ottmann und Fleck, „alle in den Startlöchern und warten ungeduldig darauf, dass es wieder losgeht – in Nürnberg und weltweit.“ Aktueller Vorreiter bei der NürnbergMesse Group ist die NürnbergMesse China. Sie hat bereits vorige Woche unter strengen Sicherheits- und Hygienestandards mit drei Messen und einem Kongress einen erfolgreichen Re-Start hingelegt, „hoffentlich die Initialzündung für einen erfolgreichen Re-Start des gesamten Unternehmens“.

Ein Glücksgriff in Athen: 2019 kauften die Nürnberger die größte griechische Messegesellschaft mit über 60 Mitarbeitern.
Ein Glücksgriff in Athen: 2019 kauften die Nürnberger die größte griechische Messegesellschaft mit über 60 Mitarbeitern. Foto: Birgit Ropohl/Birgit Ropohl

Allerdings steht schon jetzt fest: Ein absolutes Rekordjahr im positiven Sinn, wie am Jahresanfang erwartet, wird 2020 nicht werden. Statt 350 Millionen Euro dürften am Ende vielleicht 100 Millionen Euro Umsatz erreicht werden. „Entscheidend wird sein, wie unsere Kunden reagieren.“ Noch herrsche weitgehend mangelndes Vertrauen in Reisemöglichkeiten. Außerdem hätten Kunden Angst, von Reisen krank zurückzukehren und damit ihren Betrieb lahm zu legen.

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