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Verkehr

ÖDP will „Autos aus der Altstadt holen“

Die ÖDP hat kostenlose Busse und Bahnen in und um die Nürnberger City vorgeschlagen. Damit soll der ÖPNV sexy werden.
Von Nikolas Pelke

Mit seinem Vorstoß einer Gratis-Zone will ÖDP-Stadtrat Jan Gehrke mehr Passagiere in Busse und Bahnen rund um die Altstadt bringen.  Foto: Karmann/dpa
Mit seinem Vorstoß einer Gratis-Zone will ÖDP-Stadtrat Jan Gehrke mehr Passagiere in Busse und Bahnen rund um die Altstadt bringen. Foto: Karmann/dpa

Nürnberg.Eine Freifahr-Zone für die Nürnberger City mit kostenlosen Bus- und Bahnfahrten rund um die Altstadt hat Jan Gehrke vorgeschlagen, Stadtrat der Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP). Vorbild seien Metropolen wie Melbourne. Zuletzt hat Augsburg eine „kostenlose City-Zone“ eingeführt. In Nürnberg soll mit dem Gratis-Modell für die Innenstadt nach den Vorstellungen der Öko-Partei insbesondere der ÖPNV-Appetit von Shopping-Touristen angeregt werden, die meist noch mit dem Auto die Nürnberger Altstadt ansteuern würden.

Die Idee: Mit dem Gratis-Ticket für die City würden die Besucher des Zentrums zwischen Lorenzkirche und Weißer Turm sowie entlang der Stadtmauer zwischen Rathenauplatz, Plärrer und Tiergärtnertor auf den Geschmack für Metro & Co. kommen. Das Kalkül: Viele Neu-Nutzer würden durch den Gratis-City-Fahrschein angespornt, für die Anreise aus dem Umland in die Innenstadt ganz auf das Auto zu verzichten. „Ich denke nicht nur an das Umland, sondern habe auch gerade viele Bewohner rund um die Altstadt im Blick. Für die wäre die City-Zone in und um die Stadtmauer genial“, erklärt Jan Gehrke gegenüber unserem Medienhaus. Die kostenlose City-Zone würde seiner Meinung nach gerade auch viele Bewohner der dicht besiedelten Nord- und Südstadt dazu verleiten, bei Kurzstrecken häufiger aufs Auto zu verzichten. „Damit könnten wir viele Autos aus der Altstadt herausholen“, ist sich Gehrke sicher und betont, nicht wie linke Sozialisten einer Umsonst-Mentalität das Wort reden zu wollen. „Uns geht es um den Einstieg in den kostenlosen Nahverkehr. Die City-Zone wäre ein erster wichtiger und sinnvoller Schritt“, findet Gehrke.

VAG listen Kritikpunkte auf

Bei den städtischen Verkehrsbetrieben (VAG) hält man offensichtlich wenig von dem Vorstoß der Öko-Partei. VAG-Sprecherin Elisabeth Seitzinger weist gleich auf eine ganze Reihe von Gründen hin, die ihrer Meinung nach der Umsonst-Zone im Weg stehen. Erstens würden nur die Fahrgäste in der Innenstadt von der neuen Freifahrzone profitieren. Angeschmiert seien zahlungswilligere ÖNPV-Kunden, die aufgrund einer weiteren Anreise mit Bussen und Bahnen sowieso schon einen kostenpflichtigen Fahrschein gelöst haben. Hier denke die VAG zu kurz, kontert ÖDP-Stadtrat Gehrke die Kritik. „Durch die City-Zone werden auch kurze Fahrten innerhalb der Altstadt auf einmal für viel mehr Menschen attraktiv.“

Freifahr-Zone

  • Vorstoß:

    Eine Freifahr-Zone in und um die Nürnberger City mit kostenlosen Bus- und Bahnfahrten rund um die Altstadt vom Rathenauplatz über die Lorenzkirche und den Plärrer bis zum Tiergärtnertor hat Jan Gehrke, Stadtrat der (ÖDP), vorgeschlagen.

  • Vorbild:

    Seit 1. Januar gilt in Augsburg die neue City-Zone, in der kein Fahrgeld bezahlt und kein Ticket gelöst werden muss.

Zweitens warnt VAG-Sprecherin Elisabeth Seitzinger vor den zusätzlichen Autos, die rund um die neue Gratis-City-Zone abgestellt werden müssten. „Stimmt“, sagt Gehrke. Entlang der Stadtmauer gebe es tatsächlich kaum Parkhäuser. „Aber ich halte das Gegenargument für wenig stichhaltig.“ In der Praxis würden sich viele Autofahrer doch nicht den Stress machen, zunächst einen der raren Parkplätze außerhalb der Altstadt beispielsweise in Johannis zu suchen, um danach mit Bussen und Bahnen die letzten Meter in die City zurückzulegen. Elisabeth Seitzinger hat noch ein drittes Gegenargument: Am Verkehrsverhalten der autoverrückten Nation würde sich nicht viel ändern. Eine Freifahr-Zone in der City würde noch einen Anreiz schaffen, mit dem Auto die Parkhäuser in der Innenstadt aufzusuchen, um in den Genuss des kostenlosen ÖPNV-Tickets zu kommen. Das vorläufige Fazit der Verkehrsbetriebe lautet, dass durch eine kleine Umsonst-Fahrzone in der City „wahrscheinlich eher Fußwege“ durch den ÖNPV ersetzt, als neue Kunden für den Nahverkehr gewonnen werden.

Appetitanreger für Auto-Freunde

Dieses Gegenargument bringt Ideengeber Gehrke zumindest politisch auf die Palme. „Aus Diskussionen mit Bürgern weiß ich, dass gerade viele Nürnberger im Alttag überhaupt nicht Busse und Bahnen benutzen. Daher fände ich es wunderbar, wenn genau diese Gruppe der Gewohnheitsautofahrer durch das Gratis-Ticket einmal auf den Geschmack des ÖNPV kommt.“

Zu guter Letzt führt die VAG ins Feld, in der vorgeschlagenen City-Zone seien Busse und Bahnen auch mit dem kostenpflichtigen Ticket bereits gut ausgelastet. Alle Ideen müssten auch bezahlbar sein. Gehrke findet, man müsse alles versuchen, um den Nahverkehr attraktiver zu machen.

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