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Geld

Ohne Schufa geht heute nichts mehr

Die Auskunftei sammelt Daten von 66 Millionen Deutschen. Experten erklärten in Nürnberg, was Verbraucher wissen sollten.
von Thomas Tjiang

Informierten am Daten-Dienstag über Datenschutz bei der Schufa und anderen Auskunfteien: Dr. Wulf Kamlah (li.) von der Schufa und Bayerns oberster Datenschützer Thomas Kranig
Informierten am Daten-Dienstag über Datenschutz bei der Schufa und anderen Auskunfteien: Dr. Wulf Kamlah (li.) von der Schufa und Bayerns oberster Datenschützer Thomas Kranig Foto: Tjiang

Nürnberg.Viele Verbraucher sehen es ganz entspannt. Die Daten, die die Auskunftei Schufa über 66 Millionen geschäftsfähige Menschen in Deutschland sammelt, sind im Prinzip kein Problem. Erst wenn es zu Schwierigkeiten bei der Ratenzahlung kommt oder man einfach Rechnungen und Mahnungen schlampig übersehen hat, wird es problematisch. Mit einem negativen Schufa-Eintrag gibt es bei einer Bank keinen Kredit und keinen Telefonvertrag. Selbst ein Energieversorger, der vor Vertragsabschluss die Schufa-Daten abruft, kann sich querstellen.

Im Prinzip findet das Thomas Kranig, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht, richtig, wie er zum Auftakt der Veranstaltungsreihe Daten-Dienstag im Kommunikationsmuseum Nürnberg erklärte. „So werden in Summe zum Beispiel Kreditzinsen günstiger, weil das Ausfallrisiko sinkt.“

Ohne Schufa-Auskunft kein Vertrag

Die Kehrseite der Medaille: An der Schufa kommt kein Verbraucher vorbei. Jeder Handyvertrag, erklärt Kranig, enthält eine sogenannte Schufa-Klausel. Setzt ein Kunde sein Häkchen, willigt er in die Datenabfrage bei der Schufa ein. „Freiwillig ist es nicht“, urteilte Bayerns oberster Datenschützer. „Egal ob Telekom, Vodafone oder O2, jeder schließt diese Vertragsklausel ein.“ Zu Deutsch: Wer nicht akzeptiert, bekommt keinen Vertrag.

Der Chefsyndiskus der Wiesbadener Auskunftei Schufa, Dr. Wulf Kamlah, erklärte zunächst den Besuchern des Daten-Dienstags, wie das Prinzip funktioniert. Möchte ein Verbraucher einen Konsumentenkredit oder einen Immobilienkredit, willigt er zunächst mit der Schufa-Klausel in den Bankunterlagen einer Datenabfrage bei der Schufa ein. Das Kreditinstitut übermittelt die Kundendaten – datenschutzgerecht – an die Schufa, die sendet ihre Daten, oft in Form eines kompliziert berechneten Score-Wertes, zurück an die Bank. So soll ein Kreditgeber besser beurteilen, „welches finanzielle Ausfallrisiko“ er eingeht. Ähnlich verfahren auch Leasingfinanzierer, Versandhändler oder Onlineshops“.

Die Schufa in Zahlen

  • Gründung:

    1927 beginnt die Gründungsgeschichte der Schufa bei den Berliner Elektrizitätswerke, die vor dem Ratenverkauf von Staubsaugern und Kühlschränken die Bonität der Kunden kennen wollten.

  • Entwicklung:

    1983 war das Ende der Karteikarte, alle Daten waren elektronisch erfasst. Fast 87 Prozent der Schufa-Anteile gehören Banken, Sparkassen und Genossenschaftsinstituten, der Rest dem Handel und anderen Anteilseignern.

  • Datenmenge:

    728 Millionen Daten hat die Schufa über 66,3 Millionen Bürger und 4,3 Millionen Unternehmen gespeichert. Pro Tag werden rund 300 000 Auskünfte an Unternehmen erteilt.

  • Zu mehr als 90 Prozent der Personen sind nur positive Infos gespeichert.

Gab es beim Kunden allerdings einen Zahlungsausfall, sieht es schlecht aus. Das ist dann der Fall, wenn eine „Forderung trotz Fälligkeit nicht erbracht“ wurde, erläutert Kamlah, trotz „zweifacher Mahnung und Hinweis auf drohenden Schufa-Eintrag“. Das wird an das anfragende Geldinstitut übermittelt, im sogenannten „Nachmeldeverfahren“ aber auch an andere Kreditgeber. Konto-Guthaben oder Sparbücher werden bei der Schufa nicht berücksichtigt, sondern nur das Zahlungsverhalten bei Bezahlen von Versandbestellungen sowie Leasing- oder Kreditraten.

Aus den Daten, die der Schufa gemeldet werden, berechnet sie einen Wahrscheinlichkeits- oder Scorewert“, der das „zukünftige Zahlungsverhalten prognostiziert“. Hierzu nutzt die Auskunftei ein „wissenschaftlich mathematisch-statistisches Verfahren für zulässige Dateien“. Da etwa Banken aus diesem Scorewert die individuelle Kreditzinshöhe ermitteln, wurde immer wieder dagegen prozessiert.

Höchstrichterliche Urteile gaben der Schufa Recht: „Scorewerte sind Meinungsäußerungen“ hieß es 2011 und in einem weiteren Urteil: „Auf Änderung eines Scorewertes besteht kein Anspruch“. Das werde von Verbrauchern „immer wieder als unbefriedigend gesehen“, räumte Kamlah ein.

Die Rechte der Verbraucher

Laut deutschem Datenschutz haben Verbraucher das Recht, von Unternehmen, wie Auskunfteien, Banken oder E-Commerce-Anbietern, über sie gespeicherte Informationen abzufragen. „Das sollten Sie auch machen“, mahnte Kranig. „Das führt bei den Unternehmen zu einer Sensibilisierung“. Kranigs Behörde hat in Bayern, seinem Zuständigkeitsgebiet, Auskünfte an Verbraucher unter die Lupe genommen. „Das beste und vollständigste Verfahren hatte die Schufa“. Das hörte Kamlah gern.

Datenschützer Kranig erinnert Schufa-Nutzer auch daran, dass sie „nur zur Beurteilung eines Ausfallrisikos“ Daten abfragen dürfen. Im Versandhandel ist es bei „Nachnahme oder Vorkasse unzulässig“, stellt er fest. Auch die „gelegentliche Praxis“ von Vermietern, von allen Mietinteressenten zur Besichtigung eine Schufa-Selbstauskunft mitzubringen, „darf nicht sein“. Die Auskunft dürfte nur zum Vertragsabschluss eingefordert werden.

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