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Messe

Pioniere wollen Welt verändern

Die BioFach ist das größte Schaufenster der Branche. Die Experten in Nürnberg sind sich einig: Es muss sich vieles ändern.
Von Birgit Ropohl

Dr. Franz Ehrnsperger kämpft für sauberes Wasser. „Denn es ist die Grundlage unseres Lebens“. Fotos: Birgit Ropohl
Dr. Franz Ehrnsperger kämpft für sauberes Wasser. „Denn es ist die Grundlage unseres Lebens“. Fotos: Birgit Ropohl

Nürnberg.Wetterkapriolen: ausgetrocknete Äcker, überflutete Wiesen. Unter den Experten der Bio-Branche herrscht Einigkeit. Es muss etwas geschehen. „Wir können uns nicht erlauben, Landwirtschaft zu betreiben, die nicht enkeltauglich ist“, sagt zum Beispiel die IFOAM-Vorsitzende (weltweiter Biolandwirtschafts-Verband) Louise Luttikholt. Gar von einer „dramatischen Zeitenwende“ spricht Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bundes ökologischer Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Seine Frage: „Wollen wir sie beeinflussen oder uns als Opfer der – größtenteils menschengemachten– Veränderungen zurücklehnen? Seine klare Antwort: „Wenn wir die große Veränderung hinkriegen wollen, die uns die Zeitenwende aufdrängt, brauchen wir Pioniere.

Sonderschau „Wasser“

Vegane Fertigprodukte wie Tofu-Variationen liegen voll im Trend. Fotos: Birgit Ropohl
Vegane Fertigprodukte wie Tofu-Variationen liegen voll im Trend. Fotos: Birgit Ropohl

Pioniere kämpfen für Ideen. Sie sind ihrer Zeit voraus. Sie setzen sich für Dinge ein, über die andere noch die Nase rümpfen. Wie etwa Dr. Franz Ehrnsperger. Viele Jahre hat er die Neumarkter Lammsbräu geleitet und – trotz heftigster Widerstände gerade am Anfang – seinen Traum vom Bio-Bier durchgesetzt. Inzwischen engagiert er sich für sauberes Wasser – und wundert sich, dass „dass sich lange niemand über unser wichtigstes Lebensmittel Gedanken gemacht hat, um auch da die Bio-Richtlinien anzuwenden.“

Das mache durchaus Sinn. Denn „Wasser ist eine Frucht des Bodens, genau wie Kartoffeln oder Möhren.“ Die Bodenqualität entscheide über die Qualität der Frucht. Dabei sei wichtig, dass der Boden nicht mit Stoffen verunreinigt werde, die nicht dorthin gehörten. „Stoppt zu viel Stickstoff, Kunstdünger und Pestizide!“ Ökologisches Wasser sei die Garantie, dass Enkel auch noch sauberes Wasser hätten.

Kosmetik aus natürlichen Rohstoffen hat hohe Wachstumsraten.  Fotos: Birgit Ropohl
Kosmetik aus natürlichen Rohstoffen hat hohe Wachstumsraten. Fotos: Birgit Ropohl

Das hochaktuelle Thema Wasser greift die BioFach mit einer neuen Sonderschau in Halle 8 auf. „Wasser – gefährdete Grundlage des Lebens?“ heißt sie, organisiert in Zusammenarbeit mit der „Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser“, die Dr. Ehrnsperger ins Leben gerufen hat und deren Vorsitz er hat. In täglich wechselnden Vorträgen und zahlreichen wissenschaftlichen Formaten präsentieren dort 15 Verbände, Institutionen und Unternehmen ihre Projekte und Produkte rund um Wasser. Mit ihren Aktionen wollen sie Menschen dafür sensibilisieren, sauberes Wasser nicht als Selbstverständlichkeit zu sehen.

„Man kann etwas bewegen“

Vorreiter und Kämpfernaturen wie Dr. Ehrnsperger gibt es in der Bio-Branche einen ganze Reihe. Wie Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann aus Zwettl im niederösterreichischen Waldviertel. Er hat eine „Schmutzkübel-Kampagne“ gestartet. Auch er sei ausgelacht worden, erzählt er, als er 2008 begonnen habe, dem „Verpackungswahnsinn“ den Kampf anzusagen. Inzwischen habe er sein Ziel, ausschließlich nachwachsende, abbaubare und recyclingfähige Verpackungen für seine Gewürze, Tees und Kaffee zu verwenden, bereits zu 96 Prozent erreicht.

Sonnentor-Chef Johannes Gutmann setzt auf abbaubare Verpackungen. Fotos: Birgit Ropohl
Sonnentor-Chef Johannes Gutmann setzt auf abbaubare Verpackungen. Fotos: Birgit Ropohl

„Ich bin es gewohnt, neue Wege zu gehen.“ Die Bio-Messe – er stellt im 30. Jahr aus – sei für ihn „ein Traum“, weil hier alle „Bio denken“. 50 Mitarbeiter hat Gutmann diesmal mitgenommen, die den Stand betreuen: „Für sie ist Nürnberg immer ein tolles Event. Sie sind glücklich, dabei zu sein.“ Gutmann: „Hier trifft man Menschen, die sich über Sachen Gedanken machen, die andere noch nicht sehen.“ Das schärfe den Blickwinkel, man spüre, dass man etwas bewegen kann. „Danke an den Messeplatz Nürnberg!“

Biofach und die Vivaness mit neuem Rekord

  • Aussteller: 3792 Aussteller, so viele wie nie zuvor, geben bei der BioFach und der begleitenden Vivaness noch bis zum Samstag einen Überblick über die weltweite Bio-Lebensmittel-und Naturkosmetik-Branche. Aus 110 Ländern kommen die Aussteller. Erstmals dabei sind Angola, Kasachstan und die Mongolei.

  • Trend: Im Trend sind Innovative Verpackungskonzepte, Abfallvermeidung, Veganes, wasserfreie Kosmetikprodukte in Pulverform und das Thema Region 2.0, wohinter sich Produkte mit regionaler Herkunft verbergen, die eine emotionale Verbindung zu den Verbrauchern aufbauen und die heimische Landwirtschaft unterstützen.

  • Pflege: Naturkosmetik wächst ausgesprochen stark. Laut Expertin Elfriede Dambacher „bringen sehr viele neue Käufer und neue Marken“ die Kosmetikindustrie unter Druck, was für eine „radikale Veränderung zum Positiven“ sorge. Jetzt erobere auch Hanf den Naturkosmetikmarkt, gerade in der Hauptpflege.

Dr. Jane Goodall setzt sich für Artenvielfalt ein

Etwas bewegen, das ist auch das Anliegen der inzwischen 85-jährigen Dr. Jane Goodall. Als Verhaltensforscherin ist sie durch ihr Leben bei Schimpansen bekannt geworden. Inzwischen wirbt sie als Umweltaktivistin und UN-Friedensbotschafterin für den Abschied von der industriellen Landwirtschaft. Bei der Eröffnung der BioFach fordert sie – unter Standing Ovations – in einem leidenschaftlichen Appell, die durch den „Missbrauch mit Agrar-Chemikalien ausgelaugten Böden“ wiederzubeleben. „Wir müssen die Artenvielfalt wieder herstellen, die für eine gesunde Umwelt sorgt. Das kann nicht gelingen, solange wir weiterhin unsere Felder vergiften.“ Alle müssten dazu beitragen, „den von uns angerichteten Schaden wieder in Ordnung zu bringen. Wir brauchen die Natur, von ihr bekommen wir saubere Luft und Wasser.“ Bio wirkt.

Timo Burger von Burgis Fotos: Birgit Ropohl
Timo Burger von Burgis Fotos: Birgit Ropohl

Zwar hält die Umstellungswelle auf Bio in der deutschen Landwirtschaft an. 2019 sind nach Auskunft von Louise Luttikholt 2000 neue Betriebe entstanden. Doch es sind immer noch nur knapp über zehn Prozent aller Landwirte, die nach den Bio-Richtlinien arbeiten. Obwohl die Verbraucher gerne mehr regionales Bio kaufen würden, bevorzugt Kartoffeln, Gemüse und Obst, aber auch Käse, Milch und Mehl. Denn das Bewusstsein in der Bevölkerung steigt. Die Menschen merken, dass Bio wirkt. Das freut Dr. Ehrnsperger. Sein Wunsch: „Meine Enkel sollen sich in 30 bis 40 Jahren nicht mehr um die Qualität von Wasser kümmern müssen. Weil wir handeln. Jetzt!“

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