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Region Nürnberg
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Sport

Profi-Boxer live in Nürnberg

Das Halbfinale der Muhammad-Ali-Trophy war perfekt organisiert. Es gab nur ein Problem: die derzeitige Grippewelle.
Von Nürnberg-Korrespondent Peter Budig

  • Callum Smith – schon vor dem Kampf in Siegerpose Foto: Budig
  • Sara Beverley Jones trainiert mit den Nummerngils. Foto: Budig

Nürnberg.Der erste Sieger dieser Boxnacht hat seine verheerende Arbeit bereits vorher erledigt: der Grippe-Virus, der gerade halb Deutschland flachlegt. Kurzfristig musste der deutsche Headliner des Halbfinales der World Boxing Series, Jürgen Brähmer, in der Woche vor dem Kampf absagen. Das Fehlen des Stralsunder Ex-Weltmeisters konnte sportlich ausgeglichen werden. Doch die Plätze in der Arena Nürnberger Versicherung waren nur halb belegt.

Dennoch wird das neue Format um die „Muhammad-Ali-Trophy“ das Profiboxen verändern: Vorerst in zwei Gewichtsklassen (Supermittel- bis 76,2 Kilo und Cruisergewicht bis 90,7 Kilogramm) haben sich die vier Verbände zusammengetan. Je acht Boxer treten im K.O.-System gegeneinander an. Das Tournament ist mit 50 Millionen Euro dotiert. Der Gesamtsieger soll etwa sechs Millionen Euro erhalten. Das Finale wird im Mai ausgetragen.

Halbfinale in Nürnberg

In Nürnberg fand am Samstag das Halbfinale im Supermittelgewicht zwischen dem Briten Callum Smith und dem kurzfristig eingesprungenen Niederländer Nieky Holzken statt. Die Auswahl des Ersatzgegners ist ein weiter Ausweis der hohen Qualität der Serie. Holzken hat zwar mit 13 Profiboxkämpfen und keinerlei WM-Ehren vermeintlich keine vergleichbare Karriere zu Gegnern wie dem deutschen Ex-Weltmeister Jürgen Brähmer, Callum Smith, oder dem Finalisten George Groves, der am Samstag Zuschauer in Nürnberg war. Doch der 34-jährige Niederländer ist eine europäische Legende im Muay Thai/Kickboxen, hochdekoriert und von seinen Fans verehrt. Wie viele Kampfsportler ist er zum Boxen übergewechselt – der besseren Verdienstmöglichkeiten wegen. Erst im Februar hatte er gekämpft, musste kaum Gewicht gutmachen und konnte beim offiziellen Wiegen ebenso wie sein Konkurrent 76 Kilo auf die Waage bringen. „Es ist eine riesige Chance für ihn und er wird sie nutzen. Er will die Tour gewinnen“, erzählte seine Ehefrau Nathalie am Rande des offiziellen Pressetrainings.

Trotzdem waren die Ausgangsvoraussetzungen ungleich. Smith, 1,91 groß, ist nicht nur fast sieben Jahre jünger, sondern verfügt auch über die deutlich bessere Reichweite. Das reichte am Samstag zum Sieg gegen einen beherzt auftretenden Gegner.

Am Beispiel des Briten konnte man gut verfolgen, mit welcher Professionalität und welchem Aufwand der Boxberuf heute optimiert wird. Ein Gruppenbild beim Training in Alexander Awdijans Box-und Fitness-Palastes am Nürnberger Kohlenhof zeigt nur einen Ausschnitt seines Trosses mit seinem Irischen Trainer Joe Gallagher, dem Juristen Sean O’Toole und Raquelle Gracie. Die 31-jährige Yoga-Expertin, Mutter zweier kleiner Kinder, hat bereits eine beeindruckende Karriere hinter sich. In London betreibt sie mit einer Kollegin ein Yoga-Studio, das sich aufs Unterrichten bereits fortgeschrittener Yogalehrer spezialisiert hat. Zum Yoga kam sie eigentlich als Entspannungstechnik, den Gracie war schon in jungen Jahren als Model, Schauspielerin und Sängerin in Großbritannien erfolgreich. Über Yoga kam sie zur Betreuung von Leistungssportlern und nun begleitet sie Callum Smith.

Professionelle Organisation

Vonseiten des Veranstalters wurde alles getan, um eine Top-Veranstaltung zu garantieren. Die Briten übernahmen die Herrschaft in der Arena, alles war durchgetaktet. Dazu gehörte ein starkes Boxer-Umfeld, darunter Lokalmatador Wanik Awdijan. Für den 22-Jährigen war der Kampf gegen den 36-jährigen Deutschen Florian Wildenhof, den er nach acht Runden sicher nach Punkten gewann, alles andere als eine Routineangelegenheit. Verletzungen im Schulterbereich und mehrere Operationen hatten ihn fast ein Jahr außer Gefecht gesetzt. Trotz der alten Freundschaft war die Begegnung äußerst hart umkämpft. Auch der Kroate Filip Hrgovic, der sich bei Peter Althof im Studio vorbereitet hatte, gewann seinen Schwergewichtskampf souverän. „Ein sehr guter Mann, ganz ruhig und außerordentlich konzentriert und diszipliniert“ lobte Althof.

Diese Fähigkeit, auf den Punkt perfekt zu sein, zeichnet auch die Damen aus, die zwischen den Runden knapp bekleidet durch den Ring stöckeln. Viele fragen sich, wie es die „Nummerngirls“ schaffen, auf den dünnen Stilettos und im engen Outfit so graziös den Boxring erklimmen: Sara Beverley Jones hat die Antwort darauf. Sie macht es nicht nur vor, sondern leitet auch eine Modelagentur in Manchester. „Wir fahren mit dem gleichen Team von Mädchen mit der ganzen Tour der WBSS mit. Wir trainieren das extra, das ist kein Zufall“, sagt sie.

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