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Gesellschaft

Projekt soll Nürnberg gesünder machen

Menschen aus sozial schwachem Umfeld sind öfter krank. Das neue Gesundheitsforum will für sie gezielte Angebote schaffen.
Von unserem Nürnberg-Korrespondenten Thomas Tjiang

Kinder aus sozial benachteiligten Familien sind öfter übergewichtig. Dem will das neue Gesundheitsforum mit speziellen Kursen Rechnung tragen.
Kinder aus sozial benachteiligten Familien sind öfter übergewichtig. Dem will das neue Gesundheitsforum mit speziellen Kursen Rechnung tragen. Foto: Grubitzsch

Nürnberg.Dass Nürnberger Rostbratwürste und das fränkische Schäufele der Gesundheit der Nürnberger besonders schaden, will der Chef des Nürnberger Gesundheitsamtes, Dr. Fred-Jürgen Beier, nicht gelten lassen. Zwar weist auch der letzte Gesundheitsbericht der Stadt aus, dass die Nürnberger je 100000 Einwohner deutlich häufiger als der Bayerndurchschnitt an Leberkrankheiten, Bluthochdruck oder Herzinfarkt sterben. Doch für Beier liegt die Erklärung in soziologischen Aspekten: „Besonders sozial benachteiligte Bürger sterben früher“.

Auch wenn es hohe qualitative und quantitativen Versorgungsmaßnahmen gebe: Im Durchschnitt sinkt die Lebenserwartung von Männern um elf Jahre, von Frauen um acht Jahre, wenn ihr Haushaltseinkommen im unteren Viertel liegt. In Zahlen bedeutet das: Ein alleinstehender Erwachsener verfügt über rund 710 Euro im Monat, ein Alleinerziehender mit Kind unter 14 Jahren hat nicht mehr als 920 Euro in der Kasse.

Angebote besser vernetzen

Diesen Aspekt will die sich morgen konstituierende Gesundheitsregionplus Nürnberg-Stadt konkret angehen. Die zuständige Geschäftsstelle holt alle Beteiligten an Bord und fungiert als Steuerungs- und Koordinierungsgremium, ergänzt Nürnbergs Gesundheitsreferent Dr. Peter Pluschke. Dieses Forum will eine Brücke zwischen den einzelnen Einrichtungen schaffen – also etwa Gesundheits-, Senioren- und Schulamt, Krankenkassen, Ärzte und Kliniken sowie Vereine. Die einzelnen guten Initiativen und Kompetenzen sollen besser vernetzt und mehr in die Breite getragen werden.

Haben sich für die Nürnberger Gesundheitsregionplus besonders Hilfe für sozial Benachteiligte auf die Fahnen geschrieben: (v.l.) Gesundheitsamtschef Fred-Jürgen Beier, Gesundheitsreferent Peter Pluschke und Leiterin Romy Eißner. Foto: Thomas Tjiang
Haben sich für die Nürnberger Gesundheitsregionplus besonders Hilfe für sozial Benachteiligte auf die Fahnen geschrieben: (v.l.) Gesundheitsamtschef Fred-Jürgen Beier, Gesundheitsreferent Peter Pluschke und Leiterin Romy Eißner. Foto: Thomas Tjiang

Rund 30 Einrichtungen will die neue Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregionplus Nürnberg-Stadt, Romy Eißner, im ersten Schritt an einen Tisch bringen. „Das Gesundheitsforum steht aber auch weiteren Akteuren offen.“ Es will die gesundheitliche Situation der Nürnberger besser erfassen und eine Plattform zum Austausch anbieten.

Mehr Geld für die Prävention

Zudem verpflichtet das neue Bundespräventionsgesetz Kranken- und Pflegekassen, die Ausgaben für Prävention von 280 Millionen Euro auf 500 Millionen Euro fast zu verdoppeln. „Nach Nürnberg könnten 1,4 Millionen Euro mehr fließen“, hat Beier ausgerechnet. Das neue Koordinationsgremium soll dafür sorgen, dass das Geld dort ankommt, wo es gebraucht wird.“

Das lässt sich klar eingrenzen: Es geht vor allem um die Stadtteile St. Leonhard, Schweinau sowie die Südstadt, wo die Bewohner besondersvon Armut bedroht sind. Aus den Schuleingangsuntersuchen ist bekannt, dass dort beispielsweise doppelt so viel Kinder mit Übergewicht auffallen wie im gesamten Stadtgebiet. Vor Jahren gaben bei der Befragung von Hauptschülern in St.Leonhard und Schweinau mehr als zwei Drittel der Schüler an, dass es sich bei Aids nicht um eine Immunschwächekrankheit, sondern um eine Geschlechtskrankheit handle. Zwar wussten mehr als vier von fünf Befragten, dass man sich durch Kondome schützen kann, aber 20 Prozent hielten auch Vitamine für eine geeignete Prävention.

Mehr Bildung – weniger krank

Den Zusammenhang zwischen Bildung und Gesundheit erläutert Beier an einem weiteren Beispiel: „Mit der Diagnose zu hoher Blutdruck oder zu hohes Cholesterin kann jemand in einer sozial schlechten Situation nicht viel anfangen“. Durch das neue Gesundheitsforum könnte maßgeschneiderte Präventivangebote entwickelt werden.

Dabei sind die Angebote im Stadtgebiet gar nicht so schlecht. Auch in der Südstadt macht sich etwa der Bildungscampus für gesundes Ernähren und Bewegung stark. Die Initiative BioMetropole will vielen Erstklässlern mehr Lust auf gesunde Ernährung machen. Krankenkassen sind teils stark bei der Prävention in Betrieben aktiv. Pluschke will deshalb „den Flickenteppich, den wir haben, zu einem Ganzen weben“.

Als ein zentrales Problem bei Angeboten zur Gesundheitsprävention gelten allerdings die Datenbestände, etwa zu Erkranken. Bundesweit gibt es wegen „komplizierter Datenschutzbestimmungen“ Schwierigkeiten, etwa die Daten der Stadt mit dem von Kliniken und Krankenkassen zu verknüpfen. Pluschke ist mit Krankenkassen und Krankenhäusern im Gespräch: „Aber der Weg ist mühsam.“

Das Programm

  • Konzept: Die Nürnberger Gesundheitsregionplus ist bayernweit eine von insgesamt 24 geförderten Regionen. Das programm wurde vom bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege initiiert.

  • Förderung: In Nürnberg fördert der Freistaat das auf zunächst fünf Jahre angelegte Projekt mit jährlich 50 000 Euro, um den Großteil der Personalkosten für die Leiterin abzudecken. Sachkosten muss die Einrichtung über „Bordmittel des Gesundheitsreferates“ oder Drittmittel abdecken.

  • Ziel: Das ist die Kooperation und Koordination der Gesundheitsversorgung, Prävention und Gesundheitsförderung auf kommunaler Ebene.

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