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Nügida

Proteste gegen Nürnberger Pegida-Ableger

Das Pegida-Phänomen ist in Deutschland auf dem Rückzug. In Nürnberg kam es am Montag jedoch zu einer Premiere – mit Problemen.
Von Nikolas Pelke, MZ

  • Die Polizei zeigt bei der Gegendemo am Plärrer starke Präsens. Foto: Pelke
  • „NoNügida“ – Gegendemonstranten gehen auf die Barrikaden. Foto: Pelke
  • Etwa 150 Nügida-Teilnehmer stehen im Annapark in Nürnberg im Dunkeln. Foto: Pelke
  • Der ehemalige NPD-Funktionär Rainer Biller (l.) ist „als Berater“ bei Nügida dabei. Foto: Pelke

Nürnberg.Langsam bekommt Rico die Krise. „Ich dreh’ durch. Wir brauchen die Anlage hier“, sagt der Mann mit der Nürnberg-Mütze auf dem Kopf und dem thüringischen Akzent auf den Lippen. „Ich habe die Demo angemeldet. Ich bin in Thüringen geboren. Aber ich bin kein böser Nazi“, sagt Rico, der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will.

Die Demonstration, das ist der Nürnberger Ableger der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“, kurz Nügida. Während andernorts in Deutschland die Pegida-Bewegung auf dem Rückzug ist, soll in Nürnberg erstmals gegen die angebliche Islamisierung Europas demonstriert werden.

Um halb sieben ist es im Nürnberger Annapark fast stockdunkel. Im Zentrum der kleinen Gartenanlage stehen ein paar Nügida-Teilnehmer zusammen. „Wir sind alle durchsucht worden“, empört sich ein Mann und zieht an seiner Zigarette. Rund um den Park hat die Polizei einen kleinen Grenzwall aus Absperrgittern aufgebaut. „Das mit der Einwanderung muss endlich eingedämmt werden“, sagt der Mann und schnippt seine Kippe auf den Boden.

Demo ohne Verstärkeranlage

50 Meter hinter der Absperrung steht Rico. In der einen Hand hält er ein Transparent mit der Aufschrift: „Vereint gegen Glaubenskriege auf deutschem Boden.“ Mit der anderen Hand hält Rico ein Handy ans Ohr. Das Auto mit der Verstärkeranlage stecke immer noch irgendwo fest, erklärt er. Auch warte man noch auf weitere Teilnehmer. Insgesamt rechnet Rico mit 150 Nügida-Demonstranten.

Derweil nähert sich ein Mann mit Tirolerhut auf dem Kopf und Megafon in der Hand. „Kann nicht mal jemand dem Rico das Transparent abnehmen?“, fragt Rainer Biller, ehemaliger NPD-Funktionär. Mit seiner rechtsextremistischen Vergangenheit sei allerdings Schluss, behauptet Biller. Bei Nügida fungiere er lediglich als Berater. Dann ruft er den Gegendemonstranten „Antifa heißt Kapitulation“ entgegen. „Wir sind das Volk!“, skandieren die Nügida-Teilnehmer daraufhin lautstark im Chor.

Die Gegendemonstranten hinter der Absperrung gehen wie auf Kommando auf die Barrikaden. Die meisten halten den Mittelfinger in die Luft. Andere pusten mit voller Kraft in Trillerpfeifen oder rufen aus voller Kehle „Hoch die Internationale“.

Weitere „Spaziergänge“ angemeldet

Derweil verschiebt sich der Abmarsch der Nügida-Demonstranten immer wieder. Eigentlich wollten die selbst ernannten Retter des Abendlandes schon um 19 Uhr vom Annapark in Richtung Bundesministerium für Flüchtlinge ziehen. Aber auch zwei Stunden später stehen die Nügida-Leute immer noch auf dem dunklen Annapark in der Kälte, weil etwa 1500 Gegendemonstranten die geplante Route blockieren. Für die nächsten Wochen hat Nügida bereits weitere „Spaziergänge“ angemeldet.

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