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Natur

Rätselraten nach Bombenfund

Experten fragen sich noch immer, wie die Fliegerbombe in den Oberen Wöhrder See gelangen konnte. Jetzt gibt es zwei Theorien.
von Nikolas Pelke

Vorsichtig schaufelt der schwimmende Bagger den Schlamm vom Boden des Oberen Wöhrder See auf eine Transportschute.  Foto: WWA Nürnberg
Vorsichtig schaufelt der schwimmende Bagger den Schlamm vom Boden des Oberen Wöhrder See auf eine Transportschute. Foto: WWA Nürnberg

Nürnberg.Eine gute Erklärung hat Ulrich Fitzthum immer noch nicht gefunden: „Wir rätseln noch immer darüber, wie die Fliegerbombe überhaupt in den Wöhrder See gelangen konnte“, sagt der Leiter des staatlichen Wasserwirtschaftsamts Nürnberg gegenüber diesem Medienhaus auf Anfrage. Besonders der Fundort stellt den Experten vor ein großes Rätsel. Die Bombe sei nicht in großer Tiefe, sondern in der Schlammschicht zwei Meter unter der Wasseroberfläche gefunden worden. Ursprünglich habe die Tiefe des Sees bis zu drei Meter betragen. Heute seien es an vielen Stellen oft nur noch 50 Zentimeter. Die Bombe habe aber in einer Tiefe von „nur“ zwei Metern gelegen.

Diese Schicht bestehe aus dem abgelagerten Schlamm aus den letzten Jahrzehnten. „Der Stausee wurde erst 1981 und damit viele Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fertig“, sagt Fitzthum und erklärt, dass die Bauarbeiter eigentlich schon beim Bau des Stausees auf die Fliegerbombe hätten stoßen müssen. Die Bombe könne nach Adam Riese daher eigentlich nur nachträglich in den See gelangt sein. Die Frage ist nur wie?

Vom Hochwasser bewegt?

Zur Erklärung des rätselhaften Bombenfundes präsentiert Ulrich Fitzthum zwei Theorien. „Die eine ist wie die andere nur schwer zu glauben“, erklärt Fitzthum warnend vorneweg. Die erste Erklärung ist die „Hochwasser-Theorie“. Demnach sei die Bombe im Weltkrieg im obereren Pegnitztal nördlich von Nürnberg gelandet und im weichen Auenboden nicht explodiert. Danach hätten die jährlichen Hochwasser die Bombe wie einen Kieselstein „Stück für Stück“ flussabwärts in den 1968 begonnenen und 1981 fertiggestellten Stausee befördert. Einen Haken gibt es an dieser Hochwasser-Theorie: „Die Bombe hätte auch das Wehr an der Flussstraße passieren müssen.“ Selbst wenn die Pegnitz bei Hochwasser große Mengen an Sand und Schlamm transportiert. Aufgrund der geringen Fließgeschwindigkeit hätten sich zwischenzeitlich rund 300000 Kubikmeter dieser Sedimente auf dem Seeboden abgelagert.

Die zweite Theorie klingt fast noch fantastischer. Demnach wäre die Bombe über dem Gebiet des heutigen Stausees in der Nähe des Fundortes abgeworfen worden. Durch Vibrationen im Boden soll die Bombe im Laufe der Jahrzehnte durch das Erdreich von unten nach oben gewandert seien. Dafür hätte die Bombe nicht nur die Schwerkraft überwinden müssen. Außerdem fragt sich Fitzthum, wo es dort Vibrationen in ausreichendem Umfang gegeben haben könnte, die eine Bombe an die Oberfläche wandern lassen würde? Ulrich Fitzthum gibt zu, dass das „Bomben-Rätsel“ vorerst wohl ungelöst bleiben muss.

Stattdessen müssen die Arbeiten am Oberer Wöhrder See weitergehen. Und zwar aus Angst vor weiteren unliebsamen Entdeckungen im Schlammsediment mit höchster Vorsicht und Konzentration. Bei den Baggerarbeiten sei laut Fitzthum immer ein Kampfmittelexperte vor Ort. Im Vorfeld der Arbeiten seien haargenaue Karten mit möglichen Fundstellen angefertigt worden. Damit die Bauarbeiter auf dem See nicht die Orientierung verlieren, sei immer ein GPS-Gerät an Bord des Schwimmbaggers dabei. Bei heiklen Verdachtspunkten würde besonders vorsichtig gearbeitet.

Keine weiteren Funde

Nach dem Bombenfund vor sechs Wochen hätten die Bauarbeiter zwischenzeitlich mit ihrem Schwimmkran und den Schlamm-Schuten schon weitere Verdachtspunkte passiert. „Bislang sind wir von weiteren Bombenfunden verschont geblieben“, so Fitzthum. Die Arbeiten würden gut vorangehen. Rund 900 Kubikmeter des Schlamms schaffe man pro Tag aus dem See.

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