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„Ratu“ hat sich schon seine Fans erobert

Im Tiergarten Nürnberg ist ein ständiger Wechsel bei den tierischen Attraktionen. 3431 lebten laut Statistik auf dem Gelände.
Von Eva Gaupp

Der Tiergarten in Nürnberg ist nicht nur im Sommer eine Attraktion.

Nürnberg.Von Angst keine Spur. Nicht einmal schüchtern wirkt „Ratu“. Die seltene Wildkatze mit den schwarzen Fleckchen scheint viel mehr zu wissen, dass sie zu den neuen Stars im Nürnberger Tiergarten gehört. Anmutig stolziert der Kater am Wassergraben entlang, schaut neugierig zu den Journalisten jenseits der Mauer hinüber, posiert kurz für die Kameras, bevor er dann mit einem Sprung auf dem dicken Ast eines Baumes landet, wo seine Pflegerin Alexandra Hoffmann etwas Fressbares ausgelegt hat.

Genüsslich verputzt „Ratu“ das, was wie die Hälfte einer weißen Ratte aussieht. „Er frisst alles“, lacht Alexandra Hoffmann – beileibe nicht nur Fisch – trotz seines Namens. Ratten, Mäuse, Hühnchen, Küken. Damit der Kater seine Figur behält, wurde er vor kurzem auf Diät gesetzt. Das scheint ihm wenig geschmeckt zu haben: Denn kurzerhand erbeutete er einen Graureiher, der es leichtsinnigerweise seinerseits auf der Anlage der Fischkatzen auf Fisch abgesehen hatte.

Hoffnung auf Nachwuchs

Im März war Kater „Ratu“ aus Berlin nach Nürnberg gekommen. Ein Dreiviertel Jahr später gesellte sich Katze „Fingha“ aus Frankreich hinzu.

Kater „Ratu“ ist eher neugierig als scheu. Foto: Gaupp
Kater „Ratu“ ist eher neugierig als scheu. Foto: Gaupp

Noch dürften sich die beiden nur durch Scheibe oder Gitter kennen lernen, sagte der stellvertretende Tiergartendirektor Dr. Helmut Mägdefrau bei der Pressekonferenz mit Jahresrückblick am Donnerstag. „Wir warten, bis die Katze in den nächsten Wochen rollig ist, dann sind beide besser drauf.“ Doch bereits jetzt reagierten die beiden sehr freundlich aufeinander.

Fischkatzen können exzellent schwimmen und tauchen. Foto: Tiergarten Nürnberg
Fischkatzen können exzellent schwimmen und tauchen. Foto: Tiergarten Nürnberg

Das Besondere der Fischkatzen, die aus Südostasien stammen und auf der Roten Liste stehen: Sie sind überhaupt nicht wasserscheu, sondern fangen Fische und tauchen dafür sogar unter Wasser. Für sie wurde das ehemalige Gehege der Brillenbären hergerichtet. Der große Wunsch wäre, dass die beiden Nachwuchs bekommen. So, wie es ihnen Tigermama Katinka gleich nebenan vorgemacht hat.

Insgesamt zählte der Tiergarten zum Jahresende 3431 Tiere aus 286 Arten. Allerdings – so ganz genau lässt sich das natürlich nicht sagen. Denn nicht alle sind so leicht zu zählen wie die Säugetiere, von denen 77 im Zoo leben. Vogelarten seien es nun 49, sagte Dr. Mägdefrau. Schließlich leben allein im Manatihaus unzählige Blattschneiderameisen und Hunderte Schmetterlinge. Letztere indessen waren zwischendurch von Fledermäusen dezimiert worden, die eigentlich als Vegetarier galten, wie der stellvertretende Tiergartendirektor erzählte. Deshalb wurden sie nach Pilsen ausquartiert. Auch momentan gebe es wieder Verluste unter den zarten Insekten – ein Professor untersuche deshalb abends die Rufe der Fledermäuse, ob sich noch einige der gefräßigen Sorte unter die harmlosen gemischt haben.

Ein neues Wüstenhaus

Während das Manatihaus die tropische Amazonaslandschaft begehbar und erlebbar macht, soll das ehemalige Flusspferdehaus in eine Wüstenlandschaft verwandelt werden. Das Besondere daran: Der Wüstensand aus der Sahelzone liefert lebenswichtigen Dünger für das Amazonasgebiet. Da schließt sich der Kreis. Was die Besucher dort außer Sand und Steine erwartet? Käfer!

„Wir wollen den Besuchern erklären, welche Tiergruppen auf der Erde tatsächlich von Bedeutung sind“, sagte Mägdefrau nicht ohne ein leises Schmunzeln. Ein Löwe könne ohne weiteres durch einen Menschen mit Gewehr ersetzt werden, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. „Aber wenn es in der Serengeti keine Mistkäfer mehr gäbe, würde die Wüste in Kacke ersticken.“

Diese putzigen Zeitgenossen - Kurzohrrüsselspringer - werden in das neue Wüstenhaus ziehen. Foto: Susanne Kern/Wilhelma Stuttgart
Diese putzigen Zeitgenossen - Kurzohrrüsselspringer - werden in das neue Wüstenhaus ziehen. Foto: Susanne Kern/Wilhelma Stuttgart

Neben Käfern, Reptilien und Vögeln soll es aber auch „süße“ Tiere im neuen Wüstenhaus geben, das 2017 eröffnet wird: Kurzohrrüsselspringer zum Beispiel, die manchmal auch als Kurzohr-Elefantenspitzmaus bezeichnet werden – und genau so aussehen. Die Tiergartenfans dürfen also gespannt sein. Etwa eine Million Euro wird die neue Attraktion kosten.

Ob die Schwimmwühlen auch zu den künftigen Besucherlieblingen zählen, wird sich zeigen: Die Amphibien sehen wie Aale aus, leben im Wasser und bringen lebenden Nachwuchs zur Welt. Sie werden sich ebenso wie die Steppenmurmeltiere nach Ostern der Öffentlichkeit präsentieren. Die Totenkopfäffchen – der berühmteste Vertreter ist wohl Pippi Langstrumpfs „Herr Nielsson – machen sich hingegen erst einmal rar. Bis Pfingsten wird ihre Innenanlage saniert.

Besondere Veranstaltungen 2016:

8./9. Februar: Jedes KInd bis 13 Jahre, das als Zootier verkleidet ist, hat freien Eintritt.

14. Februar: Zooführungen zum Liebesleben der Tiere; Anmeldung bis 8. Februar, Tel. (0911) 5454-833

27. März: Der Osterhase kommt in den Tiergarten.

24. April: Der Tiergarten öffnet die Ställe von Eisnbär und Co.

3. Juni: Tiergartenlauf für Kinder und Erwachsene (limitierte Startplätze, Anmeldung unter www.tiergartenlauf-nuernberg.de)

17. Juni: Benefizkonzert in der Delfinlagune

August: 28. Sommernacht-Filmestival

Zahlen und Daten

  • Arbeiten an der Lagune:

    Aufgrund von Baumängeln muss die Delfinlagune saniert werden. Im Sommer 2011 fertiggestellt, war Salzwasser durch eine Fuge am oberen Rand des Betonbeckens ausgetreten. Das Salzwasser hatte ein angrenzendes rund 1000 Quadratmeter großes Wäldchen vernichtet. Wie die Arbeiten voranschreiten und wie es weitergeht – darüber wird in einer gesonderten Pressekonferenz im Februar informiert.

  • Begehbare Voliere:

    Die neue Heimat der Bartgeier wird etwas Besonderes: Denn die Voliere wird für die Besucher begehbar sein. Im Gegensatz zu anderen Greifvögeln sind die Bartgeier, die immerhin eine Flügelspannweite von bis zu knapp drei Metern aufweisen, zurückhaltend und nicht aggressiv. In der Voliere unter dem 1500 Quadratmeter großen Netz werden auch Steppenmurmeltiere und Alpensteinhühner leben.

  • Wichtige finanzielle Hilfe:

    Ohne den Förderverein Tiergartenfreunde Nürnberg wären viele Projekte nicht realisierbar. Sie haben die neue Anlage für die Fischkatzen mit 50 000 Euro unterstützt sowie mit 100 000 Euro die neue Voliere für die Bartgeier bezuschusst. Dank der Irene Thiermann Stiftung konnten Unterstände für die Schottischen Hochlandrinder sowie für die Kamele und Kulane errichtet werden.

  • Den Hunger stillen:

    So mancher Christbaum liegt nun in Gehegen vierbeiniger Zoo-Bewohner. Mähnenschafe und Guanakos (Bild) lassen sich die Nadelbäume schmecken. Ansonsten wurden 2015 verfüttert: 10,7 t Äpfel, 19 500 Salatköpfe, 2 t Chinakohl, 9000 Kiwi, 4,,2 t Tintenfisch, 14 500 Mäuse, 58 000 Küken, 1870 Ratten, 170 t Heu (145 t aus eigenem Anbau), 30 t Kraftfutter für Wildtiere und 1150 kg Salzlecksteine.

  • Lernen im Tiergarten:

    Die Zoopädagogik bietet für Kinder, Kindergärten und Schulklassen spezielle Führungen an, Zeltlager, Übernachtungen im Blauen Salon und betreuten 2015 insgesamt 4068 Teilnehmer und 480 Lehrer. Die Führungen zu Sonderprogramm wie „Besuch beim Lieblingstier“ oder „Besondere Augenblicke“ nahmen 9744 Teilnehmer wahr. Au wurden Mitarbeiter des Zolls und der Feuerwehr ausgebildet.

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