MyMz
Anzeige

Verteidigung

Reservisten bilden Landesregiment

Neue Aufgaben für die Reserve: Das bundesweit erste Landesregiment wird am Samstag in Roth offiziell in Dienst gestellt.
Von Nikolas Pelke

In Cadolzburg wurden 2013 die drei fränkischen RSU-Kompanien in Dienst gestellt. Am Samstag bekommt das Landesregiment seine Fahne. Foto: Florian Wüst/Reservistenverband
In Cadolzburg wurden 2013 die drei fränkischen RSU-Kompanien in Dienst gestellt. Am Samstag bekommt das Landesregiment seine Fahne. Foto: Florian Wüst/Reservistenverband

Roth.Mit einem Traum hat alles begonnen. „Ich träume davon, dass 2026 in jedem Bundesland ein Landesregiment mit einem charismatischen Kommandeur, einer Truppenfahne und einem Verband zwischen 800 und 2000 Reservisten zur Unterstützung von Polizei und Bundeswehr in Notlagen vorhanden ist“, hat Oswin Veith, Präsident des Reservistenverbandes, im Herbst 2016 gesagt. Drei Jahre später wird die Vision von Veith bereits Realität. Im Rother Stadtpark erhält das neue Landesregiment am Samstag die eigene Fahne.

Für die Reservisten ist nicht nur die Fahne und das neue Regiment eine große Sache. Die Zeit des Däumchensdrehens soll für die Reservisten der Vergangenheit angehören. Endlich bekommen die Reservisten wieder eine wirkliche Aufgabe. Danach haben sich die Ex-Soldaten seit Jahren gesehnt. Menschen robben nicht für ein noch so großzügiges Taschengeld in Tarnwesten durch den Matsch. Viele Reservisten sind Idealisten. Durch die Sparrunden und Rosskuren der letzten Haushaltsdekaden kamen sich immer mehr Reservisten immer überflüssiger in ihren Uniformen vor. Auslandseinsätze waren in, Reservisten waren out. Zuletzt hatten sich deshalb immer weniger Bundeswehr-Ausscheider bei der Reservetruppe gemeldet. Ein Reservist will einen Grund haben, um sich die Militärstiefel für das Manöver zu schnüren, statt in Urlaub zu fliegen.

Heimat schafft Bindung

Zur Lösung dieser Sinnfrage kommt erneut der „Traum“ ins Spiel. Mit seiner Vision von den neuen Landesregimentern will Oswin Veith seine Kameraden über eine „emotionale Bindung“ wieder stärker für die Reserve motivieren. Sogar Ungediente sollen neuerdings für die Reserve mobilisiert werden. Nach dem Motto: Wer kämpft nicht gerne für die eigene Heimatregion? Oswin Veith hat dies kürzlich in einem Interview mit seiner Verbandszeitung so formuliert: „Nach meiner Vorstellung sollten die Landesregimenter vor allem den Heimatschutz und die Landesverteidigung sicherstellen, also konkret zuständig für Katastrophenhilfe, Sicherungs-, Schutz- und Unterstützungsaufgaben sein.“ Mit der Idee von den neuen Landesregimentern, so das weitere Kalkül, käme Veith auch der neuen Ausrichtung der Bundeswehr entgegen, die sich im Hinblick auf wachsende Bedrohungen und bröckelnde Bündnistreue wieder stärker auf die Landesverteidigung konzentrieren will.

Landesregimenter

  • Lage:

    Die Bundeswehr will vor dem Hintergrund wachsender Unsicherheiten durch asymmetrische Bedrohungen für den Heimatschutz wieder stärker auf Reservisten zurückgreifen.

  • Bayern:

    Der Freistaat übernimmt bei den neuen Reservisten-Regimentern bundesweit die Vorreiterrolle. Das deutschlandweit erste Landesregiment wird am Samstag in Roth offiziell in Dienst gestellt.

Verteidigungspolitisch könnte Veith also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Die Reservisten besser bei Laune halten und die Streitkräftebasis der Bundeswehr mit erfahrenem Personal erhöhen. Und Veith ist einer, der tatsächlich wissen könnte, wie der Hase sicherheitspolitisch läuft. Veith ist als Oberst nicht nur vom Fach. Veith kann als Bundestagsabgeordneter im Verteidigungsausschuss den höchsten Entscheidungsträgern auch ganz genau auf die Finger schauen und wenn nötig darauf wohl auch mal wenn nötig klopfen. Und dies in einer Zeit, da die verantwortlichen Politiker in Berlin ein Problem haben. Seit der Abschaffung der Wehrpflicht hat die Armee ein Fachkräfteproblem. Genau diesen Personalengpass könnte der CDU-Bundestagsabgeordnete aus der Wetterau mithilfe der „stillen Reserve“ entschärfen. Nach dem Motto „Einmal Soldat, immer Soldat“ will Veith die ehemaligen Soldaten mit dem „Heimat-Appell“ zurück in die Regimenter bringen.

Von der Leyen will testen

Ob der Plan funktioniert, will von der Leyen nun mit dem bundesweit ersten Landesregiment in Bayern in den nächsten zwei Jahren zunächst einmal testen. Die Wahl ist nicht von ungefähr auf den Freistaat gefallen. Im Bayernland gibt es viele ehemalige Soldaten. Rund um den Weißwurst-Äquator gibt es viele Patrioten. Und hier wird die Tradition noch groß geschrieben, sich nach der aktiven Militärlaufbahn weiterhin in Soldatenvereinen und Kameradschaften zu treffen. Veith spricht etwas eleganter von den „guten strukturellen Bedingungen“, die für Bayern als Vorreiter gesprochen hätte. Die Vision wird tatsächlich Wirklichkeit. Logisch, dass sich der Oberst der Reserve freut.

Mehr aus Neumarkt und Umgebung:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht