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Seit 20 Jahren Hilfe für „Feuerkinder“

Mediziner aus Rummelsberg und Nürnberg operieren in Tansania Kinder mit Brandwunden und orthopädischen Leiden.
Von Sabine Rösler

Seit über 20 Jahren ist Orthopädin Dr. Annemarie Schraml aus Waldsassen für das Hiilfsprojekt aktiv. Foto: Sabine Rösler
Seit über 20 Jahren ist Orthopädin Dr. Annemarie Schraml aus Waldsassen für das Hiilfsprojekt aktiv. Foto: Sabine Rösler

Nürnberg.Obwohl Dr. Annemarie Schraml (Waldsassen) bereits im Ruhestand ist, beansprucht das Projekt „Feuerkinder in Tansania“, das sie im Jahr 2000 mit Dr. Heinz Giering, einem Anästhesisten aus Nürnberg, im wahrsten Sinne des Wortes auf die Beine gestellt hat, sehr viel Freizeit. Was damals als einmalige Hilfsaktion geplant war, hat sich als feste Einrichtung mit großem Erfolg etabliert. Das medizinische Projekt wird durch Spenden finanziert und ist eine Art Hilfe zur Selbsthilfe.

Verletzungen am offenen Feuer

„Gerade in Entwicklungsländern, in denen an offenen Feuerstellen gekocht wird, erleiden Kinder starke Verbrennungen. Werden diese nicht richtig behandelt, kommt es häufig zu entstellten Gelenken und Funktionsstörungen“, erzählt die erfahrene Orthopädin aus der Rummelsberger Diakonie. Plastische Operationen, teils mit Hauttransplantationen, korrigieren diese Fehlstellungen. Daraus entstand der Name des Projekts.

Gut zu wissen

  • Teilhabe:

    Kinder und Jugendliche sollen ihre Arme und Beine benutzen können bzw. gehen und greifen können, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Nur, wenn die Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen können, gelangen sie aus der Spirale der Armut. Obendrein haben die Schulung, Ausbildung und Förderung einheimischer Mitarbeiter einen hohen Stellenwert.

  • Umfeld:

    Das Hilfsprojekt zielt auch auf eine verbesserung der Lebensumstände ab. So soll die Wasserversorgung verbessert werden, um den Fluoridgehalt im Trinkwasser zu senken. Es gibt einen Hilfsfonds für mittellose Patienten, jungen tansanischen Medical Officers wird ein Medizinstudium finanziert; Kinder von Mitarbeitern und Patienten werden bei der Schulausbildung unterstützt.

Alle notwendigen Materialen von Medikamenten und Narkosemitteln über Gipsbinden bis hin zu Instrumenten und OP-Kleidung werden von Spenden gekauft, vom Team verpackt und vorab nach Tansania transportiert. Einfuhrkontrollen erschweren oft die Logistik. Große Unterstützung in der logistischen Vorbereitung der Einsätze leistet seit 2005 Marion Belzner. Seit drei Jahren ist auch der Anästhesist Dr. Klaus Schwendner mit an Bord. Weitere Ärzte, Krankenschwestern, Physiotherapeuten, Orthopädietechniker und Handwerker im Norden Tansanias vervollständigen das Team. Im Nkoaranga-Krankenhaus werden Kinder und Jugendliche behandelt, aber auch Erwachsene medizinisch betreut. Behandelt werden auch Patienten mit orthopädischen Erkrankungen und Knochenbrüchen.

Hilfe für Patienten mit Klumpfuß

Mit 41 kleine OPs ging es los. Inzwischen wurden etwa 2200 Operationen und über 7200 ambulante Behandlungen durchgeführt. Außerdem ist eine spezielle Behandlungseinheit für Kinder mit einem Klumpfuß in Usa River entstanden, die nach der Ponseti-Methode von einheimischen Mitarbeitern behandelt werden. Und es wurde ein Klumpfuß-Netzwerk in Gesamt-Tansania in Kooperation mit Miracle-Feet aufgebaut.

Im Reha-Center Usa River erhälten die Patienten und ihre Angehörigen vielfältige konkrete Unterstützung, in Rothia durch Franziskanerinnen, in einer katholischen Missionsstation in Ifunda im Süden des Landes und in einem Waisenhaus für Massai-Mädchen in Arusha. Drei Häuser für äußerst arme Familien wurden errichtet. Ein weiteres Haus ist in Planung.

Besonders viel Wert wird auf die Aus- und Weiterbildung einheimischer Mitarbeiter gelegt. Immer wieder visualisiert Dr. Annemarie Schraml bei ihren Vorträgen auf der Leinwand Vorher-Nachher-Bilder junger Patienten. Starke X- und O-Beine entstehen durch fluorhaltiges Wasser. Vor der OP litten die Kinder starke Schmerzen, konnten kaum gehen. Heute genießen sie die Freiheit, gehen zur Schule, beteiligen sich am Gemeinschaftsleben, treffen Freunde, stehen im Berufsleben oder studieren, was vorher unmöglich war. Ohne große Investitionen wäre dies nicht möglich gewesen.

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