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Region Nürnberg
Dienstag, 21. August 2018 29° 3

Geruch

Seltene Düfte mit einer Geschichte

Jessica Parker hat in der Nürnberger Innenstadt eine kleines Geschäft eröffnet, das sich „Craft Parfums“ verschrieben hat.
von Thomas Tjiang

In den Regalen von Jessica Peters Parfumladen in Nürnberg finden sich seltene Düfte aus kleinen Serien.
In den Regalen von Jessica Peters Parfumladen in Nürnberg finden sich seltene Düfte aus kleinen Serien. Foto: Tjiang

Nürnberg.Wer sich in die Nürnberger Innenstadt aufmacht, um ein Parfum zu kaufen, landet in der Regel bei den klassischen Anbietern. Also in der Regel Großdrogieren mit einem Standardsortiment an Düften. Die kleine Galerie Parfum in der historischen Weißgerbergasse 22 hingegen wird man kaum per Zufall entdecken. Dort allerdings findet man Düfte, die die großen Marktplayer nicht im Sortiment haben. Und man lernt Geschichten hinter einer Kreation kennen, die auch ihren Reiz haben.

Für die Inhaberin Jessica Peter, lautet das Konzept: „Craft Parfum“. Ähnlich wie bei Obst, Gemüse, Bier oder Burgern rücken Zutaten, Herstellung und Individualität in den Vordergrund. Etwa bei der kanadischen Duftreihe „7 Virtues“, mit den Namen „Mittlerer Osten Frieden“, „Patschuli aus Ruanda“ oder „Edle afghanische Rose“. Für letztere werden für einen 50 Milliliter-Flakon „178 handgepflügte Rosenblütenblätter“ benötigt.

Das hat auch eine ethische Dimension, findet die US-Amerikanerin: „Wer Rosen in einem Krisengebiet wie Afghanistan anbaut, baut kein Opium an.“ Handwerklich wird das Rosenöl mit „derselben Presse wie vor 300 Jahren“ gewonnen. Das ist aufwendig, erfordert viel Handarbeit und hat einen limitierenden Faktor. Mehr als „ein paar 100 Liter Parfum im Jahr“ sind gar nicht herzustellen.

Nach Nürnberg der Liebe wegen

Es sind Geschichten wie diese, die Jessica Peter in einem Gemisch aus englisch und deutsch erzählt. In den USA studierte sie „Natural Perfumery“, sammelte zehn Jahre Erfahrung in der Beauty-Industrie, hatte selbst einen eigenen Laden und kreierte auch ihr eigens Parfum-Label. Als sie vor Jahren den Nürnberger Constantin Peter über gemeinsame Freunde wiedertraf, den sie vor 16 Jahren als Austauschstudenten kennengelernt hatte, funkte es bei beiden. Sie heirateten im vergangenen Jahr, zogen nach Nürnberg und in diesem Mai eröffnete in einem engen Sandsteinhaus ihr erstes deutsches Geschäft.

Nur die Rezepte für ihre eigene Marke hat sie in den USA gelassen. „In Europa sind die Zulassungsregularien zu schwierig“, findet sie. Außerdem „gibt es so viele gute Parfums“. Und um ihren Anspruch auf eine kleine Nische zu untermauern, fügt sie an: „Parfums sind kleine Kunstwerke.“ Im Gegensatz zu manch gängigen Eau de Toilette oder Eau de Parfum ist der Anteil an „Öl und Essenzen“ deutlich höher – das sorge auch für „komplexe Duftnoten“.

Und so schlägt dem Besucher beim Betreten des kleinen Geschäfts auch keine betäubende Duftwolke entgegen. Peter greift ins Regal nimmt auf dem kopfstehende Schnapsgläser mit einem saugfähigen Papier am Boden in die Hand und lässt vorsichtig daran riechen. Mal entführt der Geruch an tropische Strände, mal an kühles Wasser. Die rauchige Note aus dem 100 Milliliter-Flakon von „Aedes de Venutas“ setzt beim Preis das obere Limit für stolze 210 Euro. Die Duftwelt stammt von zwei Bayern, die sich von New York aus einen Namen in der Parfumwelt gemacht haben.

Die Preisbandbreite der über 200 Sorten beginnt bei 29 Euro für einen „Nürnberg Duft“. Doch von den Preisen sollen sich Geruchsneugierige nicht abhalten lassen. Man könne einfach kommen, und den „Spaß, an den Gläsern zu schnuppern, ausleben“. Wer sich nicht entscheiden könne, profitiere von einem besonderen Service. Peter füllt viele Düfte auch in kleine Einheiten mit fünf oder zehn Millilitern um.

Molekular-Duft ist kaum zu riechen

Gewöhnungsbedürftig ist ein Molekular-Duft, des sich kaum erschnuppern lässt. Erst auf der Haut entfaltet er seine Wirkung und unterstreicht den individuellen Körpergeruch. Den allerdings könne man nicht selbst beurteilen, man muss ihn testen und Partner oder Kinder nach der Wirkung fragen.

Peter selbst, die in den USA über 300 Parfums im Ankleidezimmer hatte, liebt es, mit „Düften Regeln zu brechen“. Im Winter, „wenn es grau ist“, entscheidet sie sich schon mal für eine Zitrusnote, die an Sommer und Sonne erinnert. „Geruch ist immer subjektiv“, es gibt kein richtig oder falsch. Sie selbst freut sich auf den Wintergeruch der Stadt, eine Mischung aus „Bratwurstduft, frischen Lebkuchen, Mandeln und Tannengrün“.

Am Donnerstag von 18 bis 20 Uhr stellt die Bamberger Duft-Designerin und Feng-Shui Meisterin Deana Wyland-Fries ihre Reihe „Essence of Chi - Elementals“ in der Galerie Parfum vor und erläutert das Duft-Konzept nach der Fünf-Elemente-Lehre.

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