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Geschichte

So begrüßte Nürnberg die Moderne

In einem Bildband zeigt das Nürnberger Stadtarchiv die Entwicklung zwischen 1970 und 1995, die bis heute prägend ist.
Von Nikolas Pelke

Beach-Feeling in Nürnberg: Surfer auf dem Wöhrder See in den 70er Jahren.  Foto:
Beach-Feeling in Nürnberg: Surfer auf dem Wöhrder See in den 70er Jahren. Foto:

Nürnberg. Zwischen 1970 und 1995 hat sich die Frankenmetropole gewaltig modernisiert. Besonders der Verkehr und das Zusammenleben in Nürnberg hat sich in dieser Zeitspanne nachhaltig verändert. Gemeinsam mit kulturellen Neuerungen hat sich in diesen entscheidenden Jahrzehnten zwischen dem Aufblühen der Bundesrepublik und der Vollendung der Wiedervereinigung auch die Alltagskultur in der fränkischen Großstadt verändert. Sogar Strand-Feeling ist aufgekommen, als sich Windersurfer in den 70er Jahren plötzlich auf dem Wöhrder See tummelten.

Diesem grundlegenden Wandel hat das Nürnberger Stadtarchiv nun ein ganzes Buch gewidmet. Nürnberg hat eben nicht nur nach dem Krieg wie ein Weltmeister gebaut. Besonders ab 1970 sei die Stadt durch Bagger und Beton neu geprägt worden, ist sich Ruth Bach-Damaskinos vom Stadtarchiv Nürnberg sicher und verweist insbesondere auf den Ausbau der U-Bahn und die Eröffnung der ersten S-Bahn-Linien. „Zu den weiteren zukunftsweisenden Maßnahmen gehörten der Bau des Staatshafens, der 1972 eingeweiht wurde, die Verlegung der Messe vom Stadtpark nach Langwasser im Jahr 1973, die Vergrößerung des Flughafens durch ein neues Luftfracht-Terminal 1971 sowie vier Jahre später durch eine neue Ankunftshalle“, berichtet Ruth Bach-Damaskinos und verweist auf eine weitere Besonderheit.

Mehr Freizeit in der City

Durch den wachsenden Wohlstand und wohl auch durch die kürzeren Wochenarbeitszeiten seien auch die Ansprüche der modernen Großstadt-Franken an das Freizeitbedürfnis sprunghaft gestiegen. Das neue Freizeitgefühl habe sich laut Bach-Damaskinos hauptsächlich in der Errichtung von Sport- und Erholungsstätten niedergeschlagen. Ab 1975 seien in Nürnberg gleich eine ganze Reihe neuer Hallen- und Freibäder aus dem Boden gestampft und in Betrieb genommen worden.

Überhaupt hat sich das Leben nach der Zeit der Blumenkinder im Jahr 1968 und dem Amtsantritt von Willy Brandt als Bundeskanzler im Jahr 1969 grundlegend gewandelt. In der alten Reichsstadt hat – wie könnte es anders sein – ein historisches Ereignis für einen neuen Geist zwischen den engen Gassen gesorgt.

1971 hat die Frankenmetropole den 500. Geburtstag von Albrecht Dürer gefeiert. Die Einladung zum Mitfeiern in der Dürer-Stadt haben laut Bach-Damaskinos „wahre Besuchermassen“ angenommen. Bahnbrechend sei das „Symposium Urbanum“ gewesen, dass die Bewohner der (Alt)Stadt mit moderner Kunst hautnah in Berührung gebracht habe.

Rund um den runden Geburtstag seien neue Museen wie das Spielzeugmuseum oder die Graphische Sammlung wie Kulturpilze aus dem Boden der Noris geschossen.

Umgestaltung zum Jubiläum

Das Dürer-Jahr habe laut Bach-Damaskinos nicht nur Folgen für die Hochkultur gehabt, sondern habe gleichermaßen den Beginn bis heute populärer Veranstaltungen wie beispielsweise das Bardentreffen oder den Trempelmarkt markiert.

Auch touristische Attraktionen wie der Handwerkerhof würden die Nürnberger den Feierlichkeiten zum 500. Dürer-Geburtstag verdanken. Hermann Glaser, der von 1964 bis 1991 das städtische Schul- und Kulturreferat leitete, sei der „Impulsgeber und Vordenker“ für dieses neue Kulturleben in den alten Mauern gewesen. „Glaser entwickelte das Konzept der Soziokultur, mit dem allen gesellschaftlichen Schichten, Altersgruppen und Nationalitäten der Zugang zu Kunst und Kultur ermöglicht werden sollte“, erklärt Ruth Bach-Damaskinos.

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Wandel in Nürnberg

  • Inhalt Mit 170 Farbfotos will der neue Bildband des Stadtarchivs die zweieinhalb Jahrzehnte in den Mittelpunkt rücken, in denen Stadt- und Verkehrsplanung in Nürnberg einen Strukturwandel bewirkten und sich das kulturelle Leben nachhaltig veränderte.

  • Kosten Das Buch ist im Sutton Verlag erschienen und kann für den Preis von 29,99 Euro im Buchhandel erworben werden.

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