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Soziales

Stadtmission hilft seit 30 Jahren Autisten

Es gibt in der Ambulanz und in sieben Außenstellen Therapie-Angebote.

Eine Schulbegleitung ist für autistische Kinder wichtig.
Eine Schulbegleitung ist für autistische Kinder wichtig. Foto: Stefan Minx

nürnberg. Die Autismus-Ambulanz der Stadtmission wird 30 Jahre alt – das frankenweit einzigartige Therapiezentrum sei seither Vorreiter bei der Entwicklung der Versorgungsstrukturen für Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS), sagt Sabine Eßler, Leiterin der Ambulanz. So seien aus dem Therapiezentrum in Nürnberg inzwischen sieben weitere Außenstellen in Ober- und Mittelfranken erwachsen. Im Jubiläumsjahr will die Autismus-Ambulanz eine qualitative Versorgungslücke schließen und sich fachlich breiter aufstellen.

Entweder Psychotherapie oder autismusspezifische Therapie – selten hätten Menschen mit Autismus die Chance, beide Hilfen in Anspruch zu nehmen, ein Finanzierungsmodell der öffentlichen Kostenträger gebe es dafür nicht, sagt Eßler. Psychologische Betreuung erhielten erwachsene Autisten nur, wenn ihnen die Krankenkassen entsprechende Psychotherapien finanzieren. „Wir wissen aber, dass gerade erwachsene Autisten ganz häufig auch mit Depressionen, Ängsten und Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) zu kämpfen haben. Da braucht es Spezialisten und ein Zusammenspiel aus psychologischer und pädagogischer Begleitung“, sagt Sabine Eßler. In Nürnberg wisse sie jedoch von keinem niedergelassenen Psychologen, der eine fachliche Spezialisierung für erwachsene Menschen mit ASS mitbringe. Ab Juli werde im Team der Autismus-Ambulanz deshalb auch eine Psychologin tätig sein, die diese Versorgungslücke zumindest in Mittelfranken schließen könne.

Aktuell betreut die Autismus-Ambulanz der Stadtmission in Ober- und Mittelfranken 350 Autisten und ihre Familien, noch sind es vorwiegend Kinder. 14 Sozialpädagogen arbeiten dafür im Team. Mit den Außenstellen will die Stadtmission Kindern und Erwachsenen wohnortnahe Therapien anbieten – diese seien gerade für Menschen aus dem autistischen Spektrum enorm wichtig, da sie jeder Exkurs aus dem alltäglichen Wohnumfeld unter Stress setzen könne, sagt Eßler.

Grund zur Hoffnung gibt Sabine Eßler das neue Bundesteilhabegesetz (BTHG), das erwachsenen Menschen mit Autismus den Zugang zu Therapiehilfen erleichtern soll. Bisher seien diese gezwungen gewesen, bei einem Selbstbehalt von 2600 Euro mit den eigenen Ersparnissen Therapiestunden zu finanzieren. Mit dem neuen BTHG steige die Grenze für das sogenannte „Schonvermögen“ auf bis zu 27 000 Euro, ab 2020 auf bis zu 50 000 Euro.

Damit würden die Hürden auch für erwachsene Autisten sinken, Therapien in Anspruch zu nehmen, weil die Eingliederungshilfe – zumindest sozialpädagogische Angebote – künftig stärker mitfinanzieren werde. Die Autismus-Ambulanz begrüße diese Entwicklung als wichtigen Schritt hin zu mehr Teilhabe für Menschen mit ASS – unabhängig vom Lebensalter.

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