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Sonntag, 23. September 2018 19° 4

Genuss

Teure Biere für besondere Momente

Felix vom Endt ist ein spezieller Brauer aus Nürnberg. Großen Durst sollte man mit seinem Gerstensaft aber nicht löschen.
Von Nürnberg-Korrespondent Nikolas Pelke

Nach seinem Studium absolvierte Felix vom Endt eine Lehre zum Bierbrauer in Berlin. Jetzt stellt er seine Getränke in Nürnberg her. Foto: Pelke
Nach seinem Studium absolvierte Felix vom Endt eine Lehre zum Bierbrauer in Berlin. Jetzt stellt er seine Getränke in Nürnberg her. Foto: Pelke

Nürnberg.In einem alten Milchbottich schwimmt die Maische. Das Rührwerk funktioniert noch per Hand. Und selbst beim Abfüllen der Bierflaschen kann der 31-jährige Brauer nicht auf einen Knopf drücken und die Füße hochlegen. „Für mich bedeutet Bierbrauen noch richtig viel Arbeit. Meine Biermanufaktur hat nur einen Ein- und Ausschalter“, sagt Felix vom Endt und erzählt von zehnstündigen Brautagen mit Muskelkater-Garantie.

In einer Industriehalle im Knoblauchsland bastelt der Bierpionier an seiner Zukunft. „Ich will davon schon leben können“, sagt vom Endt und wuchtet sich eines der schweren Stahlfässer auf die Schultern.

Vor einem Jahr hat der Quereinsteiger gemeinsam mit seiner Frau das Unternehmen gegründet. Einen passenden Namen hatten die beiden schnell gefunden: Orca Brau. Damit will vom Endt nicht nur auf den „Killergeschmack“ seiner Biere im Zeichen der Schwertwale hinweisen. „Nach meinem Studium habe ich mit meiner Frau Susa ein Jahr an der kanadischen Westküste gelebt“, berichtet vom Endt und erzählt, wie er seine ersten Bier-Dollars in einer Brauerei mit Blick auf den Pazifik verdient hat.

Ungewöhnlicher Lebenslauf

Mit der häufig als „Craft Beer“ bezeichneten Bier-Revolution im Kampf gegen die industriellen Einheitsbiere hat der Nürnberger Jungunternehmer schon früher zu tun gehabt. Bereits an der Hochschule in Coburg habe er über die fränkische Biervielfalt in seinem Internet-Blog „www.lieblingsbier.de“ geschwärmt. Nach der Auszeit in Kanada ist er trotz Uni-Diplom in die Lehre gegangen. Klassisch hat er die Lehrzeit nicht verbracht. „Ich habe in einer Szene-Brauerei in Berlin-Kreuzberg das Brauen gelernt.“ Als man sich dort eine neue Brauanlage zulegte, griff vom Endt zu und schnappte sich die alten Milchbottiche und Stahltanks.

Orca Brau setzt auf Qualität. Foto: Pelke
Orca Brau setzt auf Qualität. Foto: Pelke

Nach der Geburt des ersten Sohnes und dem Umzug nach Franken baute er seine Mini-Brauerei vor den Toren der fränkischen Metropole in einer Lagerhalle im Knoblauchsland auf. Seit über einem Jahr sprudelt vom Endt hier vor kreativen Bierideen über. „Meine neueste Kreation habe ich ‘Boomshakalaka’ genannt“, sagt vom Endt. Er erzählt von der wilden Rauchbier-Rezeptur mit Himbeeren und Habanero-Chili. „Das ist schon sehr speziell“, muss selbst der mutige Bier-Revoluzzer zugeben. Auf seine malerischen Etiketten muss er deshalb „alkoholhaltiges Malzgetränk“ schreiben.

Als Bier-Frevel empfindet dies der gebürtige Oberbayer nicht.

Neue Biere aus Nürnberg

  • Gründer:

    Der 31-jährige Felix vom Endt hat im Januar 2017 seine „Orca Brau“ in Nürnberg gegründet. Gebraut wird in einer Industriehalle im Knoblauchsland. Die Adresse lautet „Am Steinacher Kreuz 24“.

  • Verkauf:

    Jeden Donnerstagnachmittag verkauft vom Endt seine Bierpakete direkt aus der Brauerei. Am Freitagnachmittag kann man sogar die ein oder andere neue Kreation aus dem Hause „Orca Brau“ in der wilden Hopfenküche vor den Toren der Stadt verkosten.

„Ich braue nach dem Natürlichkeitsgebot. Bei mir kommen nur natürliche Zutaten in den Gärbottich.“ Neben Hopfen, Malz, Hefe und Wasser experimentiere er mit vielen anderen Zutaten wie mit Kräutern oder Früchten, welche die Geschmacksvielfalt im Bier durch den Kronkorken katapultieren können.

Dabei ist zum Beispiel das „Wildfang Hashtag 1“-Bier entstanden, das nach Pflaumen schmeckt. Gleichzeitig greift vom Endt auf Bier-Traditionen aus aller Welt zurück. Besonders die Braukunst der belgischen Mönche scheint es dem 31-Jährigen angetan zu haben. Sein „Roosdaal“ duftet im Glas zart nach Koriandersamen und schmeckt verführerisch nach Orangenschalen.

Eine eigene Bier-Philosophie

Nur auf Exotik setzt „Orca Brau“ nicht. „Ich mache auch ein schönes, helles Lagerbier.“ Das heißt bei vom Endt „normal“ und wird mit einer „ordentlichen Schippe“ vom guten Hopfen aus der Hallertau gebraut. Ein anderer Klassiker aus seinem bunten Sortiment heißt „Wanderlust“. Dahinter verbirgt sich ein kräftiges „Pale Ale“, das bei jedem Fan der „Craft Beer“-Revolution die Herzen höher schlagen lassen dürfte.

In dieser aufstrebenden Szene der handwerklichen Bierbrauer sieht auch vom Endt seine Heimat. Mit viel Herzblut, Leidenschaft und Enthusiasmus bastelt er an neuen Bierideen. „Ich will spannende Geschmäcker ins Bier bringen. Gleichzeitig sollen meine Art-Biere trinkbar bleiben“, bringt vom Endt seine Bier-Philosophie auf den Punkt.

Nur gegen den Durst sollte man die neuen „Killerbiere“ aus dem Knoblauchsland allerdings nicht trinken. Ein Flasche kostet rund drei Euro. „Meine Biere sollte man in besonderen Momenten genießen“, sagt vom Endt. „Mit Freunden am Lagerfeuer zum Beispiel.“

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