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Zoo

Tiergarten litt unter schlechtem Wetter

Eine kalte und stark verregnete erste Hälfte 2013 ließ Einnahmen und Rücklagen des Tiergartens Nürnberg schrumpfen. 100 000 Besucher kamen weniger.
Von Birgit Ropohl

  • Ein trüber Wintertag – den Giraffen schmeckt es trotzdem. . Foto: Ropohl
  • La Bamba war die älteste Brillenbärin Europas. Sie ist am 2. Januar gestorben. Foto: Tiergarten

Nürnberg.Dem Tiergarten geht es ähnlich wie den Freibädern im Sommer: Herrscht strahlender Sonnenschein, strömen die Besucher nur so herbei. Ziehen hingegen dunkle Wolken auf, kommt kaum noch jemand. So haben die kalten Temperaturen in den ersten Monaten 2013 – inklusive der verregneten Oster- und Pfingstferien – schon von Anfang an schlechte Vorzeichen gesetzt.

Das konnte dann auch der, wie Direktor Dr. Dag Enke sagt, „beste Dezember in der Tiergarten-Geschichte“ nicht mehr ausgleichen. Am Jahresende stand fest: 2013 kamen lediglich 997 474 Besucher, rund 100 000 weniger, als im Vorjahr. Finanziell bedeutete dies: Die Rücklagen schmolzen um eine Million auf 600 000 Euro.

Die Erwartungen, dass die Delfinlagune und das Manatihaus auf Dauer mehr Gäste in den Zoo bringen könnten, haben sich nicht erfüllt. Enke: „Es hat sich gezeigt: Nur wenn etwas wirklich neu ist, kommen mehr Besucher.“ Die gleichen Erfahrungen machten andere Tiergärten ebenfalls. Für Nürnberg geht Enke deshalb davon aus, dass sich hier die Besucherzahl auch in den kommenden Jahren zwischen 1,0 und 1,1 Millionen bewegen dürfte.

Als positiv bewertet Enke den deutlichen Zuwachs – 93 Prozent – beim Verkauf von Dauerkarten. 5800 Besucher gönnten sich mit dem Kauf einer Dauerkarte (65 Euro) vielfache Zoo-Spaziergänge. Außerdem: In der Beliebtheitsskala (TripAdvisor) sei der Tiergarten auf Platz zwei (hinter dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände) vorgeschnellt.

So wie beim Wetter lagen auch bei den Tieren 2013 Leid und Freude zusammen. „Ein ganz schmerzlicher Verlust“, sagt Enke, traf den Tiergarten erst zu Neujahr. Füchse hatten zwei Kropfgazellen getötet. Sie zählten allgemein zu den gefährdeten Tieren. In Europa gäbe es nur noch 80 ihrer Art.

Wildernde Füchse sind laut Enke schon seit vielen Jahren ein großes Problem für den Tiergarten am Schmausenbuck. Durch einen etwa drei Kilometer langen Zaun um Teile des Geländes könne man sie zwar weitgehend abfangen. Doch sie fänden immer wieder Schlupflöcher. Fallen und notfalls auch Abschüsse sollen ihr tödliches Treiben eindämmen.

Die zweite traurige Nachricht dieser Tage: Brillenbärin La Bamba, eine Seniorin mit knapp 33 Jahren, hat am 2. Januar wegen schmerzhaften Arthrosen eingeschläfert werden müssen. Sie lebte seit 1981 in Nürnberg und hat vier Jungtiere erfolgreich aufgezogen. Enke: „. Sie war die älteste Brillenbärin Europas.“ Mit ihrem Tod sei die Haltung von Brillenbären in Nürnberg ausgelaufen.

Zu den Lichtblicken im Jahresablauf zählte unter anderm der Einzug der Erdmännchen- und Fuchsmangustenpaare. Sie und ihr putziger Nachwuchs gehören zu den Publikumslieblingen. Der hoch bedrohte Fidschi-Leguan hat im Naturkundehaus Einzug gehalten. Nach Angaben von Dr. Helmut Mägdefrau, dem Stellvertretenden Tiergarten-Direktor, kam das Paar im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) nach Nürnberg; es hatte einem privaten Züchter gehört.

Baulich hat sich im vergangenen Jahr „nicht überwältigend viel“ getan. „Wir hätten zwar Ideen, müssen aber finanziell auf dem Boden bleiben, sagt Enke: „Was man nicht hat, kann man nicht verbauen.“ Immerhin werde das Flusspferdehaus, das im dritten Jahr leer stehe, zum Trockenhaus für eine afrikanische Wüstenlandschaft umgebaut. Dies gestalte sich äußerst schwierig, da das Gebäude, als Passivhaus, einmal fast ohne Fremdenergie auskommen solle. Sehr erfreulich: 70 Prozent der Kosten übernehme der Tiergarten-Förderverein.

Nachdem sich – durch altersbedingten Tod – das Rudel der Wölfe verkleinert hat, sollen die Wölfe ein neues Revier bekommen. Ihr Bereich ist als künftige Heimat für Luchse gedacht. Eine moderne Besucherkanzel soll laut Enke einen freien Blick ins Gehege ermöglichen.

Als langfristige Maßnahme bezeichnet Enke den Ausbau des oberen Tiergarten-Bereichs bis hinauf zur Waldschänke. Das komplette Gebiet soll – über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren – neu erschlossen werden, unter anderem mit einem Baumwipfelpfad. Derzeit laufen interne Vorplanungen.

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