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Mobilität

Tschüss, nervige Parkplatz-Suche

Ein neues Carsharing-Konzept in Nürnberg orientiert sich an Bremen – dort teilen sich mittlerweile 12 000 Menschen 250 Autos.
Von Katrin Böhm

Benutzen, aber nicht besitzen: Dieses Konzept überzeugt nicht nur den Plakat-Udo, dessen Buchstaben für „Use it, don‘t own it“ stehen, sondern auch die Nürnberger Initiatoren.
Benutzen, aber nicht besitzen: Dieses Konzept überzeugt nicht nur den Plakat-Udo, dessen Buchstaben für „Use it, don‘t own it“ stehen, sondern auch die Nürnberger Initiatoren. Foto: Böhm

Nürnberg.Wer in der Stadt wohnt, kennt das Problem. Man kommt abends von der Arbeit nach Hause, will eigentlich nur noch etwas essen und vielleicht einen Film sehen. Zuvor muss aber das vermaledeite Auto irgendwo abgestellt werden. Doch Parkplätze sind rar – und so stellt man das Auto nach fünf entnervten Runden um den Block halblegal irgendwo am Rande einer Kreuzung ab und nimmt dabei in Kauf, am nächsten Morgen einen Strafzettel unter den Scheibenwischern hervorzuzerren.

Die Stadt Nürnberg will nun zumindest einen kleinen Beitrag dazu leisten, „ein bisschen Parkdruck aus den Straßen zu nehmen“, wie Planungs- und Baureferent Daniel Ulrich sagt – gestern wurde an der U-Bahn-Station Rennweg der erste „Mobilitätspunkt“ freigegeben, sieben weitere sollen in den nächsten beiden Wochen folgen. Dort können Bürger nicht nur die U-Bahn nutzen oder ein Leihfahrrad mieten, sondern seit gestern auch Autos.

Zur Flotte gehören 50 Autos

Drei Autos hat der Anbieter Scouter Carsharing dort in Kooperation mit der Stadt platziert –wer sich bei Scouter angemeldet und das Auto reserviert hat, kann einsteigen und losfahren. „Ob jemand nur mal zum Baumarkt oder in den Sommerurlaub fährt, spielt für uns keine Rolle“, sagt Thomas Grossnann, Geschäftsführer des Marburger Unternehmens.

Vor drei Jahren hat Scouter in Nürnberg ein Carsharing-System aufgebaut, bisher waren die Autos ausschließlich auf Privatparkplätzen geparkt. Mittlerweile ist die Flotte auf 50 Autos angewachsen („die Nürnberger sind offen für Neues“), ein Großteil davon steht künftig an insgesamt acht Mobilitätspunkten, die übers Stadtgebiet verteilt sind. Das Besondere an den Stationen: die Verknüpfung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Überall können Carsharing-Nutzer in die U-Bahn oder aufs Fahrrad umsteigen.

„Mittlerweile ist es cool, kein Auto zu haben.“

Michael Glotz-Richter, Senator für Umwelt, Bau und Verkehr in Bremen

Dass dieses Konzept funktionieren kann, davon ist man in Nürnberg überzeugt – dank guter Erfahrungen in Bremen. Seit vielen Jahren tauscht Nürnberg mit der Hansestadt im Rahmen der Beziehungen über das gemeinschaftliche Stadtentwicklungsprojekt „koopstadt“ Ideen aus – und kam dabei auf die Mobilitätspunkte. Denn die gibt es in Bremen schon seit 2003, wie Michael Glotz-Richter, Senator für Umwelt, Bau und Verkehr in Bremen, sagt. 24 Mobilitätspunkte mit 80 Autos haben sich in Bremen etabliert, insgesamt sind 250 Carsharing-Autos registriert. Die Leute sind offensichtlich begeistert von dem Konzept – die Zahl der Nutzer steigt jedes Jahr um 15 bis 20 Prozent, sagt Glotz-Richter. „Mittlerweile ist es cool, kein Auto zu haben.“ Außerdem gebe es in Bremen kein Geld für etwa den Bau von Tiefgaragen. Daher wachse die Carsharing-Idee ständig weiter.

Derzeit gibt es in Bremen etwa 12 000 Menschen, die aktiv Carsharing nutzen. „Auf diese Weise haben wir 4000 Autos von der Straße geholt“, sagt Glotz-Richter. Gehwege seien nicht mehr zugeparkt, Fahrradständer aufgestellt worden. Gerade für Menschen, die ihr Auto zwei, drei Tage gar nicht nutzten, sei Carsharing ideal. „Und man hat nichts mehr an der Mütze mit Winterreifen-Wechsel oder Werkstatt – das fällt alles weg.“

257 000 Fahrzeuge in Nürnberg

Auch Glotz-Richter selbst hat kein eigenes Auto mehr, sondern lebt seine Überzeugung und nutzt Carsharing. „Das bedeutet nicht Verzicht, sondern Qualität – man hat alle möglichen Typen vom Kompaktwagen bis zum Minibus zur Auswahl.“ Außerdem steige die Lebensqualität. „In der Zeit, in der Ihr Nachbar dreimal um den Block fährt, sitzen Sie schon längst beim Kaffeetrinken.“

Dass sich diese positiven Effekte auch in Nürnberg einstellen, darauf hofft Baureferent Ulrich – schließlich sind in Nürnberg 257 000 Fahrzeuge registriert, also auf jeden zweiten Bürger eines. „Es wäre schön, wenn wir dort, wo jetzt alles zugeparkt ist, wieder Bäume pflanzen könnten“, sagt er.

Um dem Umweltgedanken gerecht zu werden, gehören auch Elektroautos zur Flotte – vorerst allerdings nur zwei. Wenn diese angenommen würden, denke man allerdings auch an einen Ausbau, sagt Geschäftsführer Grossnann. Damit die Elektroautos einsatzbereit sind, wird bei ihren Parkplätzen eine Ladesäule aufgestellt.

Und so funktioniert das Ausleihen:

1. Registrierung:

Schritt 1: Registrieren.
Schritt 1: Registrieren. Foto: Böhm

Wer ein Carsharing-Auto nutzen will, muss sich unter scouter.de anmelden und dort Adresse, Führerscheindaten und Ausweisnummer hinterlegen. Außerdem muss eine Bankverbindung angeben werden, da nicht jede einzelne Fahrt, sondern ähnlich wie bei der Telefonrechnung immer zum Ende des Monats abgerechnet wird.

2. Öffnen per Karte:

Schritt 2: Auto per Karte öffnen.
Schritt 2: Auto per Karte öffnen. Foto: Böhm

Das Auto ist reserviert – geöffnet wird es mit der Kundenkarte, die der Kunde nach der Registrierung erhält und die zu den Reservierungszeitpunkten freigeschaltet wird. Der Nutzer hält die Karte vor einen Sensor hinter der Windschutzscheibe – das Auto öffnet sich. Im Innenraum liegt dann der Schlüssel, der während der Reservierungszeit zum Auf- und Zusperren benutzt werden kann.

3. Losfahren:

Schritt 3: Losfahren.
Schritt 3: Losfahren. Foto: Böhm

Eine Stunde oder eine Woche: Das Auto kann beliebig lange gebucht werden. Die günstigsten Autos wie dieser VW Up kosten ein Euro pro Stunde, die teuersten (Mini-Van) vier Euro. Hinzu kommt bei allen Autos eine Pauschale von 29 Cent pro Kilometer. Sprit (im Wagen liegt eine Tankkarte) ist inbegriffen.

4. Zurückbringen:

Schritt 4: Auto wieder zurückbringen.
Schritt 4: Auto wieder zurückbringen. Foto: Böhm

Die Autos müssen immer an dem selben Mobilitätspunkt, an dem sie abgeholt wurden, zurückgebracht werden. Um zu garantieren, dass der Parkplatz nicht von anderen Autos belegt wird und diesen zu blockieren, gibt es einen Poller, der mit einem Schlüssel, der ebenfalls im Auto liegt, nach dem Ausparken aufgestellt wird.

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