mz_logo

Region Nürnberg
Dienstag, 25. September 2018 15° 1

Mittelalter

Wallenstein und Mäuseroulette in Altdorf

Wer in die Welt Wallensteins am Marktplatz in Altdorf eintauchen wollte, musste erst einmal Zeche zahlen und Taler zücken.
Von Sabine Rösler

Zuerst sorgten sie für Feierlaune, dann räuberten sie wieder und sorgten für Unruhe: Die Marodeure. Foto: Rösler
Zuerst sorgten sie für Feierlaune, dann räuberten sie wieder und sorgten für Unruhe: Die Marodeure. Foto: Rösler

ALTDORF.„Wir treiben es wild und bunt hier in der Buntenrepublik Deutschland. Wir Franken haben es drauf: Gehet saufen, fressen und vermehret Euch und kauft die Marktstände leer“, brüllten die Gaukler bei akrobatischen Kunststücken mit Hullahupp-Reifen in lustigen Kostümen auf der Bühne vor dem Kulturrathaus. In der Langen Nacht vom vergangenen Samstag auf Sonntag erfuhr man alles über das Handwerk und das Leben im 17. Jahrhundert.
Die Kroaten waren die Schutztruppe Wallensteins. Mit ihren originellen Kanonen-Donnern ließen sie es am Weiher laut krachen. Die Kosaken waren flüchtige Leibeigene, verwegene Abenteurer aus dem Osten und ließen sich gern als Söldner anheuern. Der Gute-Laune-Garant in Sachen Musik liegt eindeutig in Zigeuners Hand. Doch Vorsicht: Kaum sorgt einer für Heiterkeit und Lustigkeit, will er auch schon Geld dafür oder man verliert beim Mäuseroulette.

Wallenstein und seine Welt

Wer in die Welt Wallensteins am Marktplatz eintauchen wollte, musste erstmal Zeche zahlen und die Taler zücken. In der Holkschen Horde klärten die Männer die Besucher unter anderem über Sprüche auf, die aus dieser Zeit überliefert wurden.

Sammeln Sie noch mehr Impressionen aus Altdorf zu Wallenstein: Hier geht es zur Bildergalerie.

Verletzt und besoffen marschierten die Studenten quer durch die Marktstraße. Dabei sangen sie lautstark und schunkelten. Ab und zu kehrten sie bei den Schweden ein. Dort wurde man kulinarisch verköstigt. Oder man ließ es sich mit Grillgut und Bier von der Bürgerwehr verwöhnen.

Dreckige Wäsche waschen

Im Feld-Lazarett wurde währenddessen die dreckige Wäsche gewaschen. Solange sie vom Feldherrn schlecht bis gar nicht bezahlt werden, sorgen sie selbst auf brutale Art für ihr Überleben und das ihres Trosses. Ihre Spezialität ist Gesetzlosigkeit: Die Marodeure sorgten stets für Unruhe. Mit ihren Lied „Alle, die mit uns zum Plündern fahren und mit uns saufen wollen, müssen Männer mit Bärten sein“ schleimten sie sich beim Volk ein.

Im Dreißigjährigen Krieg waren die Musketiere die Experten für den Umgang mit der Handfeuerwaffe. Die Festzugtruppe sorgte immer wieder für festliche Stimmung. Die Dragoner luden ein, an ihrer kleinen Friedenstafel über Gott und die Welt, Krieg und Frieden und andere weltbewegende Dinge zu diskutieren.

Die Familie ernähren

Im Handwerkerhof am Schlossplatz erlebte man hautnah, wie schweißtreibend die Arbeiter Geld verdient haben, um die Familie ernähren zu können.

Hier durfte auch das ganz junge Publikum mitunter den Hammer schwingen. Steinmetz, Schmied, Töpferin, Schornsteinfeger, Stuckateur, Zimmermann, Schreiner, Buchdrucker und viele Handwerker mehr konnte man über die Schulter schauen. Beim Backofen ist gerade eine leckere Pizza fertig geworden. Kaufleute feilschten und priesen ihre Waren, wie Schmuck, Klamotten, Stoffe und Pelze an. Doch plötzlich kam der Henker mit einem Gefangenen. Dieser soll gleich gehängt werden, denn er hat sich nicht an die Regeln gehalten und Böses angestellt. Trotz dieses weniger schönen Zwischenfalls ging das Gaukler-Spektakel weiter.

Feuerschau vor Mitternacht

Spektakuläre Vorführungen mit Kunststücken und musikalischen Einlagen wie mit einer hinreißenden Feuerschau kurz vor Mitternacht waren eine wahre Augenweide. Im Hof der ehemaligen Universität fanden unterdessen die Festspiel-Aufführungen der Altdorfer- und Schiller-Version statt. In wenigen Stunden versetzte man sich in das bunte, aber auch wilde, Leben von Wallenstein, alias Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein.

Die Lange Nacht in Altdorf

In der Langen Nacht wurde noch lange nicht das Feldbett aufgeschlagen und auch am Sonntag zeigten sich die Gaukler von ihrer besten Seite. Bis Sonntag, 22. Juli, dauern die Festspiele noch an. Am kommenden Wochenende findet eine Kinder-Rallye statt. Schießen mit der Luftdruck-Kanone und Hufeisenwerfen sorgen für Gaudi. Wer alle Stationen erfolgreich durchlaufen hat, kann sich auf eine kleine Belohnung freuen. Sonntags finden außerdem kostenlose Stadtführungen statt.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht