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Gesellschaft

Wenn Verbraucher zu „Mitbauern“ werden

Mehr Transparenz geht fast nicht: Immer mehr Verbraucher suchen den Landwirt ihres Vertrauens und gehen mit ihm eine Partnerschaft ein.
Von Klaus Tscharnke, dpa

Der Gemüsebauer Jörg Hofmann befindet sich im Knoblauchsland in Nürnbergauf einem Gemüsefeld, welches er in Parzellen verpachtet. Hofmann praktiziert solidarische Landwirtschaft schon seit vier Jahren. Foto: dpa

Nürnberg.Manche wollen einfach nur wissen, wo ihr Gemüse herkommt. Anderen geht es um die Lust an bäuerlicher Arbeit. Wieder andere verstehen es als ein Bekenntnis zur kleinbäuerlichen Landwirtschaft – die Motive für eine Mitarbeit bei einem Projekt der „Solidarischen Landwirtschaft“ sind vielfältig. Was vor einigen Jahren mit dem Buschberghof in Fuhlenhagen bei Hamburg begann, findet inzwischen auch in Bayern immer mehr Anhänger.

Vor allem in Franken und der Oberpfalz schließen sich inzwischen zumeist ökologisch wirtschaftende Höfe der noch jungen Bewegung an. Ihr Hauptziel: Brücken zwischen Erzeugern und Verbrauchern zu schlagen – und damit traditionell wirtschaftende Betriebe zu erhalten.

Noch ist die Bewegung klein

Noch ist die Bewegung klein. Bundesweit gibt es nach Angaben von Werner Ebert vom Nürnberger Umweltreferat rund 50 Höfe, die Projekte der Solidarischen Landwirtschaft betreiben. Er leitet die städtische Aktion „BioMetropole Nürnberg“. Seit gut einem Jahr sei das Interesse aber stark steigend, beobachtet er. Koordiniert vom Umweltreferat beteiligten sich inzwischen allein im Großraum Nürnberg fünf Höfe an „Solawi“-Projekten, wie die Bewegung in der Szene abgekürzt genannt wird.

Für ein erfolgreich wirtschaftendes „Solawi“-Projekt seien pro Hof rund 100 Verbraucher erforderlich, berichtet Ebert. Mit der Unterzeichnung einer Teilnahmeerklärung werden sie zu „Mitbäuerinnen und Mitbauern“ und unternehmen auf ganz unterschiedliche Weise Verantwortung für den jeweiligen Betrieb. Die Modell unterschieden sich oft von Hof zu Hof.

Die Palette reiche von jährlich erneuerten Abnehmegarantien der Verbraucher für Obst und Gemüse des Betriebs bis zur Beteiligung von Verbrauchern an Ernte- oder anderen Arbeitseinsätzen; diese würden dann mit Erzeugnissen des Landwirts vergütet. Einzelne Modelle sehen auch eine finanzielle Beteiligung an einem Hof vor. In anderen Projekten bewirtschafteten die Städter ihr eigenes Gemüsefeld, die ihnen ihr Partner-Landwirt verpachte.

Für diesen Weg hat sich beispielsweise der Gemüsebauer Jörg Hofmann im Nürnberger Knoblauchsland entschieden. Solidarische Landwirtschaft praktiziert er schon seit vier Jahren. Inzwischen bewirtschaften Projektteilnehmer 25 Parzellen á 50 Quadratmeter. Im Frühjahr bereitet er für seine Kleinpächter den Boden für die Pflanzung vor und stellt ihnen ein Starterkit aus Jungpflanzen und Samen zur Verfügung. Neulinge werden in einem zweitägigen Einführungskurs mit den Besonderheiten des Gemüseanbaus vertraut gemacht.

Nicht nur finanzielle Gründe

Für Jörg Hofmann spielen bei der Solidarischen Landwirtschaft aber nicht nur finanzielle Gründe eine Rolle. Er hofft damit, wieder mehr Wertschätzung bei Verbrauchern für seine Arbeit als Gemüsebauer zu finden. „Mein Ziel ist es, dass den Leuten wieder klar wird, was für eine Arbeit in unseren Produkten steckt“. Vielleicht lernten Verbraucher dann auch Nahrungsmittel wieder mehr zu schätzen.

Einen anderen Weg geht der Landwirt Uwe Neukamm aus Vorderhaslach (Landkreis Nürnberger Land). Bei ihm kann man sich als sogenannter Ernteteiler zum Saisonauftakt einkaufen. Insgesamt 75 Anteile an seiner Ernte hat er ausgegeben. Für einen monatlichen Beitrag von 55 Euro erhält jeder Anteilseigner wöchentlich Gemüse aus eigener Erzeugung – jeden Samstag abzuholen in Neukamms Depot in Hersbruck. Worin Neukamm den größten Vorteil des Modells für sich sieht: „Wir konnten so Kunden fest an unseren Hof binden“.

Nach einem ähnlichen Prinzip wollen auch die fünf vom Nürnberger Biometropolregion-Büro koordinierten Höfe wirtschaften. Zur Zeit bauen sie gerade ein Depot in Nürnberg auf. Was Landwirte zum Mitmachen motiviert, hat nach Einschätzung von Werner Ebert folgende Gründe: „Viele Landwirte sind es leid, ständig vom Einzelhandel Preise und Konditionen diktiert zu bekommen. Manche wollen einfach wieder unabhängige, authentische Landwirte sein“.

Wohlwollend begleitet auch der Bayerische Bauernverband die Entwicklung. „Das ist eine Möglichkeit, dass der Verbraucher nicht auf den Griff in Supermarktregal angewiesen ist, sondern sich bewusst für regionale Lebensmittel entscheiden kann“, betont Verbandssprecher Markus Peters. Allerdings sei die Solidarische Landwirtschaft derzeit nur eine Nische. Und sie sei nur eine Möglichkeit, wie sich bayerische Landwirte aufstellen können, um den direkten Kontakt zu Verbraucher zu sichern, gibt Peters zu bedenken.

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