MyMz
Anzeige

Kultur

Wo Herren in Nürnberg ihre Sitze hatten

Eine sehenswerte Fotoausstellung widmet sich den Nürnberger Herrenhäusern, die wohl noch heute unbezahlbar wären.
Von Nikolas Pelke

Einer der am besten erhaltenen Herrensitze ist das Petzenschloss im Nürnberger Stadtteil Lichtenhof. Foto: Herbert Liedel
Einer der am besten erhaltenen Herrensitze ist das Petzenschloss im Nürnberger Stadtteil Lichtenhof. Foto: Herbert Liedel

Nürnberg.Diese Luxusobjekte würden auf dem Immobilienmarkt wohl heute noch weggehen wie warme Semmeln. Die fränkischen Herrensitze rund um Nürnberg sind seit dem Mittelalter die absoluten Sahnestücke auf dem Häusermarkt. Allein im heutigen Stadtgebiet der Frankenmetropole hat es genau 76 dieser herrschaftlichen Anwesen gegeben.

In manchen Stadtteilen, die noch heute zu den begehrtesten Wohnlagen gehören, haben sich diese Super-Bauten gleich haufenweise getummelt. In Mögeldorf standen sieben Herrensitze in der Nachbarschaft. Gleich gegenüber auf der anderen Seite der Pegnitz in Erlenstegen sind es sogar acht gewesen. Etwa die Hälfte dieser fränkischen Wehrschlösschen haben die Moden der Friedens- und die Wirren der Kriegszeiten überlebt.

Das Nürnberger Stadtarchiv widmet diesen romantischen Luxushäusern eine aktuelle Ausstellung. Unter dem Titel „Herrensitze und Schlösschen in Nürnberg – einst und jetzt“ werden historische Schwarz-Weiß-Fotografien aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert mit modernen Farbaufnahmen des 2015 leider verstorbenen Nürnberger Fotokünstlers Herbert Liedel gegenübergestellt.

Unten Stein, oben Fachwerk

Albrecht Dürer hat die Nürnberger Weiherhäuser in seinen Landschaftsbildern weltberühmt gemacht: Auf steinernen Sockeln thronen malerische Fachwerk-Konstruktionen. Meistens waren die fränkischen Herrensitze zur besseren Verteidigung von einem Wassergraben umgeben. Manchmal sind die Weiherhäuser auch gleich auf einer Insel inmitten eines Weihers errichtet worden. In Kriegszeiten dienten die „Sitzlein“ als Militärbastion. Die Reichsstadt hatte sogar offiziell das Recht, die in und um Nürnberg landschaftlich reizvoll verteilten Herrensitze mit Soldatentruppen zu belegen. Nicht immer haben die Luxushäuser die Waffengänge unbeschadet überstanden. Besonders im Ersten Markgrafenkrieg in der Mitte des 15. Jahrhunderts sind zahlreiche Prachtbauten zerstört worden. Glücklicherweise sind die Nürnberger so schlau gewesen, die alte Grandezza nach dem Krieg wiederherzustellen. In der Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Markgrafenkrieg, der wenige Jahre später von 1552 bis 1554 tobte, erhielten viele Weiherhäuser erst die typischen Erkertürmchen an den vier Gebäudeecken.

Herrensitze

  • Titel:

    Die Ausstellung „Herrensitze und Schlösschen in Nürnberg – einst und jetzt“ im Handwerkerhof (über der Töpferei) beim Königstor kontrastiert historische Schwarz-Weiß-Fotografien mit Farbaufnahmen des Nürnberger Fotokünstlers Herbert Liedel (1949 bis 2015).

  • Zeit

    : Die Ausstellung dauert vom 19. Juli bis zum 1. September 2019 und ist täglich von 10.30 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurden manche Anwesen wie das Jagdschloss Neunhof im Knoblauchsland, der Herrensitz der Patrizierfamilie Holzschuher in Almoshof oder das Hallerschloss in Großgründlach zu repräsentativen Barockanlagen umgebaut.

Die kleiner aber feine Ausstellung im Handwerkerhof kontrastiert historische Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus dem frühen 20. Jahrhundert mit modernen Farbansichten des bekannten Nürnberger Fotografen Herbert Liedel (1949–2015). „Herbert Liedel hat mit seinen Aufnahmen die Stadt mit seinem ganz eigenen Blick eingefangen“, schwärmt Ruth Bach-Damaskinos vom Nürnberger Stadtarchiv. Auffällig sei bei seinen Ansichten der Herrensitze, dass Liedel nicht nur die besondere Architektur mit der Kamera erfasst habe. Liedel habe es auch verstanden, so Bach-Damaskinos weiter, die umgebende Landschaft mit der Linse einzufangen.

„Lichtverhältnisse und jahreszeitliche Stimmungen sind Teil der ausgefeilten Bildkompositionen und verleihen den Fotografien eine ganz besondere Atmosphäre“, lobt die Kuratorin der Ausstellung die Farbaufnahmen des fränkischen Fotografen. Den Bildern sei laut Bach-Damaskinos anzusehen, wie viel Zeit sich Herbert Liedel für seine Motive genommen habe. Mit ungewöhnlichen Projekten hatte Liedel immer wieder für Furore gesorgt.

Heimatliebe mit der Kamera

Die für die aktuelle Ausstellung ausgewählten Fotografien könnten wie das Gesamtwerk von Herbert Liedel als „Ausdruck einer tiefen Verbundenheit und Liebe zu seiner fränkischen Heimat“ verstanden werden, erklärt Bach-Damaskinos, die gemeinsam mit Thomas Dütsch die sehenswerte Sommerausstellung des Nürnberger Stadtarchivs im Handwerkerhof kuratiert hat.

Mehr Geschichten aus der Metropolregion Nürnberg lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht