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Nürnberg
Dienstag, 25. September 2018 15° 1

Saisonauftakt

FCN 2018/19: Viel Talent, kaum Erfahrung

Der Aufsteiger aus Nürnberg will auch in der Bundesliga für Furore sorgen. Robert Bauer kommt auf Leihbasis.
Von Daniel Frasch und Thorsten Drenkard

Robert Bauer wechselt auf Leihbasis zum Club. Foto: Eibner
Robert Bauer wechselt auf Leihbasis zum Club. Foto: Eibner

Personalien: Diese Neuzugänge sollen den Club in der Bundesliga halten

Bislang hielten sich die Verantwortlichen beim 1. FC Nürnberg mit Transfers zurück, zum Start in die Vorbereitung begrüßte Trainer Michael Köllner nur vier Neuzgänge. Der erfahrenste unter ihnen ist Christian Mathenia.

Der 26-Jährige kommt von Bundesligaabsteger Hamburger SV nach Franken und soll das Duell im Kampf um die Nummer mit Fabian Bredlow anheizen. Der gebürtige Mainzer brachte es bislang auf 71 Bundesligaeinsätze für den HSV und Darmstadt 98 und passt laut Sportvorstand Andreas Bornemann wegen „seiner Vita und seines Alters perfekt ins FCN-Profil.“

Der Einlauf der Spieler auf den Platz zum ersten Saisontraining:

In Franken bestens bekannt ist auch der Name Timothy Tillmann. Der gebürtige Nürnberger, der bereits für den ASV Zirndorf und die Spielvereinigung Greuther Fürth auflief, bestritt in der vergangenen Saison 31 Partien für die Reserve des FC Bayern München, in denen er sechs Tore erzielte und sieben weitere vorbereitete.

Der deutsche U-19-Nationalspieler gilt als eines der größten Talente des deutschen Fußballs und rückte aufgrund seiner technischen Fähigkeiten sogar in den Fokus des großen FC Barcelona. „Ein sehr eleganter Spieler, technisch hervorragend ausgebildet“, sagt Köllner über Tillmann und freut sich auf „ein spannendes Projekt mit dem 19-Jährigen“.

Coach Köllner mit den Neuzugängen beim Trainingsauftakt am Dienstag. Foto: Eibner
Coach Köllner mit den Neuzugängen beim Trainingsauftakt am Dienstag. Foto: Eibner

Angreifer Törles Knöll (HSV II) und Außenbahnspieler Kevin Goden (1. FC Köln) sollen an den Profikader herangeführt werden und sollen sich mit guten Leistungen über die U21 empfehlen.

Am Donnerstagvormittag vermeldete der FCN dann seinen Neuzugang Nummer fünf: Defensiv-Allrounder Robert Bauer wechselt auf Leihbasis vom Ligakonkurrenten Werder Bremen nach Nürnberg. Zusätzlich haben sich die Franken eine Kaufoption für den ehemaligen Ingolstädter gesichert.

Der 23-Jährige kann in der Defensive sowohl auf der rechten als auch auf der linken Außenbahn eingesetzt werden. Auch in der Innenverteidigung stand der gebürtige Pforzheimer bereits seinen Mann. Bauer erhält beim Club die Rückennummer 8. Bislang absolvierte Bauer 67 Partien in der ersten Liga. Dabei gelangen ihm zwei Treffer, vier weitere bereitete er vor.

Robert Bauer und Sportvorstand Andreas Bornemann besiegeln den Wechsel:

Sportvorstand Andreas Bornemann: „Robert ist ein vielseitiger Spieler, den wir variabel einsetzen können. Damit erweitert er die Optionen für unser Trainerteam. Trotz seines jugendlichen Alters verfügt er schon über einiges an Bundesliga-Erfahrung.“

Ein weiterer, wenn auch verkappter Neuzugang ist Sebastian Kerk, der nach seiner schweren und langwierigen Achillessehnenverletzung wieder ins Mannschaftstraining gestoßen ist. Im August des vergangenen Jahres riss beim technisch versierten Rotschopf im Spiel gegen Union Berlin die Achillessehne, womit die Aufstiegssaison für den 24-Jährigen vorzeitig beendet war.

Durch die Rückkehr Kerks erhoffen sie sich bei den Franken einen kreativen Lückenschluss im Mittelfeld, nachdem Kevin Möhwald sich Richtung Bremen verabschiedet hat.

Vorbereitung: Sieben Wochen Schweiß und Altbewährtes:

Sieben Wochen hatten die Nürnberger Spieler Zeit, um abzuschalten und sich von den physischen sowie psychischen Strapazen der zurücklegenden Aufstiegssaison zu erholen. Sieben Wochen sind es auch, die Trainer Michael Köllner anberaumt hat, um seine Truppe wieder auf Vordermann zu bringen und sie bestmöglich auf das Unterfangen Klassenerhalt vorzubereiten.

Dabei greift der Oberpfälzer auf Altbewährtes zurück: Auf die ersten Testspiele beim FSV Erlangen-Bruck (Sonntag, 8. Juli) und SV Seligenporten (Donnerstag, 12. Juli) folgt erst ein dreitägiger Trip nach Lichtenfels.

Den Großteil der Vorbereitung verbringt der Club, wie bereits in der vergangenen Sommerpause, in Südtirol. In der 3000-Seelen-Gemeinde Natz-Schabs will Köllner der Mannschaft den letzten Feinschliff verpassen, bereits 2017 schwärmte der 48-Jährige von den hervorragenden Bedingungen auf dem Apfelhochplateau der Provinz Bozen.

Neben schweißtreibenden Einheiten und taktischen Übungen stehen Testpartien gegen den Regionalligisten TSV 1860 Rosenheim und den italienischen Serie-A-Klub FC Bologna auf dem Programm. „Wir werden viel laufen, weil wir auch in der Liga mehr laufen werden müssen als unsere Konkurrenten“, verriet Köllner bereits nach der ersten Trainingseinheit vergangenen Dienstag. „Wenn wir eine gute Vorbereitung hinkriegen, haben wir eine Chancen, auch in der Bundesliga zu bestehen“, gibt sich Köllner zuversichtlich.

Baustellen: Wo sich die Franken noch verstärken müssen:

Inklusive der vier bisherigen Neuzugänge Mathenia, Knöll, Goden und Tillmann besteht der Nürnberger Kader aktuell aus 22 Spielern - für einen Bundesligaverein nicht besonders üppig. Vom erfolgreichen Kader der vergangenen Saison hat mit Kevin Möhwald jedoch nur ein Stammspieler die Franken verlassen, weshalb auch kein akuter Bedarf an einer quantitativen Aufstockung der Mannschaft besteht.

Zudem kehrte mit Sebastian Kerk ein Langzeitverletzter zurück, der die vakante Möhwald-Position im offensiven Mittelfeld perfekt ausfüllen kann. Sportvorstand Andreas Bornemann verlängerte die Verträge von Eduard Löwen, Tim Leibold und Ondrej Petrak, zudem besitzen die Leistungsträger Hanno Behrens, Ewerton, Georg Margreitter und Mikael Ishak langfristige Kontakte.

Über ausreichend Talent verfügt die Nürnberger Mannschaft zweifellos, allein sie ist sehr unerfahren: Keiner der acht Defensivspieler bestritt bislang ein Bundesligaspiel, im Mittelfeld lief nur Sebastian Kerk im deutschen Oberhaus auf (29 Spiele für Freiburg). Immerhin 17 Minuten bestritt Angreifer Törles Knöll in Liga eins (HSV), Federico Palacios brachte es immerhin auf 54 Spielminuten für RB Leipzig.

Die mangelnde Erfahrung ist auch Bornemann nicht entgangen, der auf eine „Regulierung des überhitzten Transfermarktes“ hofft. Nur so sei der Club in der Lage, „Spieler zu bekommen, an die wir momentan nicht im Entferntesten denken können.“

Spielplan: Der Auftakt hätte schlimmer kommen können:

Mit Hertha BSC Berlin, dem FSV Mainz 05 und dem SV Werder Bremen trifft der Club an den ersten drei Spieltagen auf namhafte und etablierte, aber sicherlich nicht unbezwingbare Bundesligisten.

Mit einem Auswärtsspiel in die neue Saison zu starten ist freilich nicht perfekt, in Anbetracht der Auswärtsstärke in der abgelaufenen Saison (32 Punkten) aber kein Beinbruch. Weitere Highlights folgen mit den Gastspielen bei Borussia Dortmund (Ende September) und dem FC Schalke 04 (Ende November). Das erste Duell mit dem Erzrivalen Bayern München steigt Anfang Dezember.

Trainer: Wie Michael Köllner den Club spielen lassen möchte:

Zielstrebiger Offensiv-Fußball gepaart mit einer soliden, mannschaftlich geschlossenen Defensive – so führte Michael Köllner den 1. FC Nürnberg zurück in die Bundesliga. Der Club zeigte attraktives, schnelles Kombinationsspiel, ohne dabei die Ordnung zu verlieren.

Trotzdem kündigte Nürnbergs Trainer an, in der Vorbereitung „die Spielweise optimieren und stückweise auch verändern zu wollen“. Obwohl der Fokus im Oberhaus mehr auf die Defensive gerichtet sein wird, dürfen sich die Fans auch in der Bundesliga auf einen mutigen und offensiv ausgerichteten Club freuen.

Lokalkolorit: Wie sich Oberpfälzer in der Mannschaft schlagen werden:

Mit Linksverteidiger Dennis Lippert und Mittelfeldspieler Patrick Erras stehen zwei waschechte Oberpfälzer in Reihen des 1. FC Nürnberg. Die meiste Spiezeit wird dabei Erras entfallen, immerhin kämpfte sich der 23-Jährige nach seiner schweren Knieverletzung im März 2016 und einer einjährigen Zwangspause in der vergangenen Saison zurück in die Startelf.

Der gebürtige Amberger ist eine wichtige Stütze im defensiven Mittelfeld und weiß mit Trainer Michael Köllner einen ausgesprochenen Fan seiner Spielweise hinter sich. Nicht selten betonte Nürnbergs Coach die Wichtigkeit des 1,96-Meter großen Schlacks, lobte dessen Zweikampf- und Kopfballstärke.

Ein weiterer Beweis seiner Stellung innerhalb des Vereins: Während seiner Ausfallzeit verlängerte Sportvorstand Andreas Bornemann den Vertrag mit dem 23-Jährigen vorzeitig bis 2020. Doch ei aller Lobhudelei muss sich Erras in der neuen Saison steigern, kam er in der vergangenen Saison doch nur selten an die starken Leistungen seiner Premierensaison 2015/2016 heran.

Der Leistungstest vor dem Saisonstart beim FCN:

Weitaus schwieriger gestaltet sich die Situation bei Dennis Lippert. In sechs Zweitligapartien wusste der kleine Linksverteidiger zu überzeugen, ehe ihn ein Kreuzbandriss außer Gefecht setzte. Der gebürtige Weidener wird es schwer haben, sich links hinten gegen den gesetzten Tim Leibold durchsetzen. Lippert wird sich vorerst mit dem Nürnberger U-21-Team begnügen müssen.

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