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Stadtentwicklung

Kaufland kann weiter planen

Der Einzelhandelsriese kann am Projekt an der Libourne-Allee festhalten. Der Planungsausschuss stimmt trotz Vorbehalten zu.
Von Hubert Heinzl

Kaufland kann am Standort Libourne-Allee in Schwandorf weiter planen. Foto: dpa
Kaufland kann am Standort Libourne-Allee in Schwandorf weiter planen. Foto: dpa

Schwandorf.Die Verantwortlichen von Kaufland können das Projekt Verbrauchermarkt an der Libourne-Allee weiterverfolgen. In seiner Sitzung am Donnerstag stellte der Planungsausschuss die Weichen für das Vorhaben und widmete die Flächen im Stadtsüden in ein „Sondergebiet Einzelhandel“ um. Ebenfalls einstimmig wurde der Vorentwurf gebilligt. Bestehende Vorbehalte vor allem beim Thema Lärmschutz und der prognostizierten Verkehrsbelastung sollen im Rahmen des Genehmigungsverfahrens geklärt werden.

Situation ändert sich „erheblich“

Bernhard Bartsch vom gleichnamigen Planungsbüro präsentierte im Ausschuss wichtige Eckdaten des Projekts. Er wies darauf hin, dass es sich bei den Flächen an der Libourne-Allee aus Sicht des Investors um den bestmöglichen Standort in Schwandorf handle. Alternativen seien untersucht, aber wieder fallengelassen worden. In der Nutzung durch einen Verbrauchermarkt sah Bartsch „keine grundsätzlich neue Richtung, sondern eine Konkretisierung“ des bisher ausgewiesenen Gewerbegebiets. Er räumte ein, „dass sich die jetzige Situation für die Nachbarn erheblich verändern wird“; dies sei jedoch auch in einem Gewerbegebiet nicht ausgeschlossen gewesen.

Die Dimensionen des Vorhabens sind beträchtlich: Auf einer Grundfläche von 1,8 Hektar könnte ein Verbrauchermarkt mit über 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen – davon laut Einzelhandelsentwicklungskonzept bis zu 2300 Quadratmeter für Lebensmittel, bis zu 500 Quadratmeter für Drogeriewaren und 200 Quadratmeter für Randsortimente.

Der Anlieferverkehr soll vom Aldi-Gelände her, also aus nördlicher Richtung, abgewickelt werden. An die Anlieferzone selbst schließt sich nach den bisherigen Planungen das 50 mal 90 Meter umfassende Einkaufsmarktgebäude an. Die Stellplätze schließlich sind in südlicher Richtung zur Libourne-Allee hin angeordnet, in westlicher Richtung zur angrenzenden Wohnbebauung. Aus Lärmschutzgründen muss ein Teil der Stellplätze nach Westen hin überdacht werden; eine drei Meter hohe Stützmauer dient zugleich als Lärmschutzwand. Bis ins Detail sind die Kaufland-Pläne noch nicht ausgearbeitet. Laut Bernhard Bartsch ist die Beseitigung des Niederschlagswassers noch ungeklärt, und auch der Brandschutznachweis wurde noch nicht ausgearbeitet.

Offen ist auch die Art der Erschließung für die Kunden. Laut Horst Pressler vom Planungsbüro GEO.VER.S.UM ist eine zentrale Zu- und Ausfahrt von Süden her geplant, die nach seiner Einschätzung am besten durch einen Kreisverkehr an der Libourne-Allee angebunden werden könnte. Auf diese Weise, so der Fachmann, ließe sich der prognostizierte Verkehr von über 10 000 Fahrzeugen auf dieser Hauptzufahrtsstraße am besten kanalisieren. Die Zahl errechnet sich laut Pressler aus einer angenommenen Frequenz von 3200 bis 4500 Einkaufsfahrten pro Tag. An vergleichbaren Standorten habe man an Samstagen allerdings auch schon mehr als 5000 Kunden gezählt.

Lärmschutz als Problem

Zum Problem könnte vor allem der Lärmschutz werden, wie Gutachter Pressler andeutete. Selbst mit Lärmschutzwand und Überdachung von Stellplätzen könnten „die Richtwerte gerade so eingehalten werden“. Und: Eine Lkw-Anlieferung in der Nacht, also von 22 bis 6 Uhr, schloss Pressler zwar aus. Wenn die Lkw solange außerhalb des Plangebiets warteten, womöglich mit laufenden Kühlaggregaten, biete der Bebauungsplan jedoch dagegen keine Handhabe.

Das Thema Lärmschutz bereitete Verwaltung und Ausschuss am Ende auch die größten Bauchschmerzen. Sabine Pollinger, die Leiterin des Stadtplanungsamts, brachte es am deutlichsten auf den Punkt: „Das ist alles so auf Kante genäht, dass es gerade noch geht“, fasste sie ihre Vorbehalte zusammen und sprach angesichts der Wohnbebauung in der Nachbarschaft von einem „bedenklichen“ Vorschlag. Trotzdem plädierte sie dafür, das Planungsverfahren einzuleiten, um konkrete Einwände im Detail klären zu können.

Der Empfehlung folgte am Ende auch der Planungsausschuss. CSU-Fraktionschef Andreas Wopperer erinnerte daran, dass zuletzt Tausende von Unterschriften für den alten Kaufland gesammelt worden seien. „Die Bevölkerung will den Verbrauchermarkt“, sagte er und zeigte sich optimistisch, dass die Probleme „in den Griff zu bekommen“ seien. Manfred Schüller (SPD) begrüßte die Kaufland-Entscheidung, in Schwandorf zu bleiben, zumal eine Versorgungslücke für die Bürger im Stadtsüden geschlossen werde. Die Wahl des Standorts durch den Investor müsse respektiert werden, so Schüller weiter. Lärmschutz und Verkehrserschließung seien jedoch Aufgaben, die es noch zu lösen gelte.

Zustimmung gab es unter anderem auch von Kurt Mieschala (Unabhängige Wähler), der allerdings vor einem Automatismus warnte. Der UW-Stadtrat: „Ich sehe das nicht als Freibrief dafür, dass das jetzt einfach durchgewunken wird.“

Die zahlreichen Anwohner, die an der Sitzung teilnahmen, machten zum Teil deutlich ihrem Ärger Luft. Schon jetzt herrschten nachts auf den Parkplätzen beim Buchmann- und Aldi-Gelände unhaltbare Zustände, sagte einer von ihnen, der eine weitere Verschärfung befürchtete: „Da wird dem schnöden Mammon komplett unsere Wohnqualität geopfert.“

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