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Geschichte

Stadt organisiert Pogrom-Gedenken

Die Veranstaltung unter Federführung des Rathauses ist eine Premiere in Regensburg. Es gibt einen runden Tisch zum Thema.
Von Heike Haala, MZ

Erstmals lädt die Stadt federführend in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde sowie evangelischen und katholischen Jugendgruppen zur Gedenkveranstaltung.
Erstmals lädt die Stadt federführend in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde sowie evangelischen und katholischen Jugendgruppen zur Gedenkveranstaltung. Archiv-Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die Stadt hat in diesem Jahr das Heft in die Hand genommen, was das Gedenken an die Reichsprogromnacht am 9. November und den Regensburger Schandmarsch einen Tag später angeht. Unter dem Motto „Sieben Flammen gegen das Vergessen“ werden die Jüdische Gemeinde sowie evangelische und katholische Jugendgruppen laut Carsten Lenk, Geschäftsführer des Evangelischen Bildungswerks, zum ersten Mal eine gemeinsame Gedenkveranstaltung für die Regensburger organisieren.

Dieses Vorgehen ist das erste sichtbare Ergebnis eines runden Tisches zum Thema „Erinnerungskultur“, der sich bereits mehrfach getroffen hat. Vor einem Jahr fiel der Startschuss. Unter der Moderation von Dr. Hermann Hage, inzwischen Bildungsreferent und weiter Leiter des Amts für Weiterbildung, und Lenk haben sich bereits dreimal Vertreter der Kirchen, der Bildungseinrichtungen, der Universität, der Staatlichen Bibliothek und der Initiativen und Verbände, die sich mit dem Thema beschäftigen, getroffen. Seit Mai hat laut Lenk Oberbürgermeister Joachim Wolbergs den Vorsitz des runden Tisches inne. Damit beginnt Wolbergs ein Gesamtkonzept für die Erinnerungskultur der Stadt zu etablieren – ein Punkt, den er im Koalitionsvertrag verankern ließ.

Alternative zu umstrittener Platte

Analog zum Gedenken an die Reichsprogromnacht und den Schandmarsch in Regensburg soll laut Lenk ab jetzt auch des Todesmarsches gedacht gemeinsam werden. In der Nacht auf den 23. April 1945 wurden 400 Gefangene auf einen Todesmarsch in Richtung Landshut getrieben. Auch für diese Gedenkveranstaltung soll die Stadt die Federführung für die Verbände übernehmen. Beide Gedenkveranstaltungen sorgten in der Vergangenheit für Diskussionen, weil Terminkollisionen etwa zwischen den einzelnen Veranstaltungen der Verbände vorprogrammiert waren.

Der EBW-Chef kündigt weiterhin an, dass es auch eine Alternative zu der umstrittenen Gedenkplatte vor dem Colosseum in Stadtamhof geben werde. Konkreter konnte er sich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht äußern. Weil der Hausbesitzer keine Zustimmung für eine Gedenktafel an der Fassade gab, wurde 2011 eine Gedenkplatte in den Boden vor dem Gebäude eingelassen. Seitdem reißt die Kritik an dem Text, der Leid und Tod der NS-Opfer verharmlost, nicht ab. „Fast grotesk“, urteilten im Frühjahr 2013 auch die Gutachter Ulrich Fritz (Stiftung Bayerische Gedenkstätten), Dr. Jörg Skribeleit (KZ-Gedenkstätte Flossenbürg) und Prof. Dr. Markus Spoerer (Uni Regensburg) in ihrer 34 Seiten umfassenden Studie, die den Umgang Regensburgs mit dem KZ-Außenlager sowie mit der NS-Zeit insgesamt analysierte.

Wolbergs überzeugt Gutachter

Abschließend empfahlen die drei Gutachter, dass Regensburg seine Stadtgeschichte insgesamt darstellen müsse. Wünschenswert nannten sie eine öffentliche Präsentation, welche die Entwicklung Regensburgs im 19. und 20. Jahrhundert in ihrer Gesamtheit zeigt und damit auch die NS-Themen einbettet und gewichtet – viele Themen aus dieser Zeit seien im städtischen Erinnern nicht präsent.

Die SPD hatte das Gutachten damals in allen Punkten begrüßt. Wolbergs versprach, Taten folgen zu lassen, sobald die SPD mehr Einfluss im Stadtrat besitzt. Auch wenn er sich zum Stand der Besprechungen am runden Tisch im MZ-Gespräch nicht weiter äußern wollte – etwa wie es um den Dokumentations-Ort in Stadtamhof oder das Gesamtkonzept bestellt ist – scheint sich etwas zu tun. Gutachter Ulrich Fritz, der beim vergangenen Treffen selbst mit am runden Tisch saß, sagte zur MZ: „Wolbergs bringt Dynamik in die Sache.“

„Sieben Flammen gegen das Vergessen“

  • Gedenkveranstaltung:

    Am 9. November ist die Gedenkveranstaltung anlässlich der Reichspogromnacht und der Zerstörung der Synagoge 1938.

  • Kooperation:

    Die Stadt Regensburg lädt in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde sowie der katholischen und evangelischen Jugend um 18 Uhr in die Neupfarrkirche.

  • „Weg des Gedenkens“:

    Die Teilnehmer gehen anschließend auf dem „Weg des Gedenkens“ zur Jüdischen Gemeinde. Dort gibt es Stationen der Jugendgruppen.

  • Jüdischen Gemeinde:

    In der Jüdischen Gemeinde werden Oberbürgermeister Joachim Wolbergs und Ilse Danziger, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg, sprechen.

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